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Die wXw-Wrestler Ilja Dragunov (r.) und "Bad Bones" John Klinger in Aktion
Die wXw-Wrestler Ilja Dragunov (r.) und "Bad Bones" John Klinger in Aktion © wXw (Westside Xtreme Wrestling)
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München - Die deutsche Promotion wXw (Westside Xtreme Wrestling) war Karriere-Helfer für mehrere WWE-Stars, nun wird sie 18 Jahre alt - wie sieht die Zukunft aus?

Es begann an Heiligabend vor 18 Jahren, in einer Diskothek in Essen, vor weniger als 20 Fans - und mit einem späteren WWE-Star in Aktion.

Es entwickelte sich zu einer Erfolgsgeschichte, von der nun auch die größte Wrestling-Liga der Welt profitiert.

wXw (Westside Xtreme Wrestling) ist zur größten deutschen Showkampf-Promotion herangewachsen und nun auch offizieller Kooperationspartner von WWE. Die Karrieren mehrerer nun dort aktiver Stars hat wXw schon vorher teils entscheidend angeschoben.

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Am Samstagabend feierte wXw das gebührend - mit einer großen Jubiläumsshow in Oberhausen, bei der unter anderem der zu WWE gewechselte Marcel Barthel ein Gastspiel gab. Dank einer Kapazitätserweiterung fanden 1100 Fans in der Turbinenhalle Platz, womit wXw den eigenen Zuschauerrekord überbot.

wXw half WWE-Karrieren auf die Sprünge

Ursprünglich von der damals noch existierenden US-Kultliga ECW inspiriert und spezialisiert auf oft blutige Hardcore-Matches, hat wXw im Lauf der Jahre viele Wandlungen durchgemacht und wurde zu einer weltweit geachteten Adresse in der Szene.

Im Jahr 2005 ließ wXw international aufhorchen, indem die Liga die Japan-Legenden Mitsuhara Misawa und Kenta Kobashi - zwei der besten Wrestler aller Zeiten - für je ein Match nach Essen lockte.

Im Jahr darauf etablierte wXw das 16 Carat Gold Tournament, das mittlerweile größte Wrestling-Turnier in ganz Europa. Der Sieg dort ist auch für US- und Japan-Stars ein begehrter Ritterschlag, vier Wrestler die ihn bekommen haben, sind mittlerweile unter WWE-Vertrag: Chris Hero (Kassius Ohno), El Generico (Sami Zayn), Tommy End (Aleister Black) und der frisch (wenn auch noch nicht offiziell) angeworbene Österreicher Big Van Walter alias WALTER.

Für Black und Walter war wXw eine entscheidende Karriere-Rampe, ebenso für die deutschen WWE-Wrestler Alexander Wolfe (Axeman) und Barthel (Axel Dieter Jr.). Auch der Schweizer Cesaro, amtierender SmackDown-Tag-Team-Champion bei WWE, machte bei wXw auf sich aufmerksam - er war einer der Kämpfer bei der Debütshow an Heiligabend 2000. Auch beim Wrestling-Training von Tim Wiese half wXw.

"Uns ist es wichtig, die Bedingungen dafür zu schaffen, dass 'made in Germany' auch in der Wrestlingwelt wieder als wirklicher Qualitätsstandard gilt", sagt Tassilo Jung, der bei wXw für die Talentpflege zuständig ist, zu SPORT1.

WWE-Talentdirektor: "Wir respektieren sie"

Auf diesem Weg ist wXw schon weit gekommen. "Wir respektieren sie, wir respektieren die Art und Weise, wie sie Talente entwickeln", hielt WWE-Talentdirektor Canyon Ceman im September bei einem Besuch in der wXw-Wrestlingschule in Essen fest: "Und wir wollen uns zusammentun mit Leuten, die es richtig machen."

Mittlerweile verbindet wXw und WWE also eine offizielle Partnerschaft - die das Gastspiel von Barthel bei der Jubiläumsshow möglich machte. Barthel besiegte im Hauptkampf von wXw 18th Anniversary zusammen mit WALTER und Timothy Thatcher die ebenfalls unter WWE-Vertrag stehenden Briten Pete Dunne, Tyler Bate und Trent Seven.

Für den 35 Jahre alten Jung ist das Lob von WWE eine "wunderbare Bestätigung" und ein Ansporn für die kommenden Vorhaben: "Unser Ziel ist es, für eine gewisse Qualität auf dem europäischen Wrestlingmarkt zu sorgen. Wir bilden Wrestler in unserer wXw Wrestling Academy von der Pike an aus und bilden Wrestler aus anderen Wrestlingschulen weiter bis sie gut genug sind, um unsere Fans wirklich zu begeistern."

Fans hat wXw übrigens weltweit, der Digitalisierung sei Dank. Durch das Internet, die sozialen Medien und die eigene Streaming-Plattform wXw NOW hat die Liga auch die Aufmerksamkeit von Wrestling-Fans in den USA und anderswo geweckt.

WWE pflügt Europa um - auch wXw?

Gerade weil WWE nun aber in Europa mehr denn je mitmischt, steht langfristig gesehen ein immer größer werdendes Fragezeichen hinter wXw in seiner jetzigen Form.

WWE verfolgt erklärtermaßen die Vision eines globalen Netzwerks aus WWE-Ablegern, in England gibt es schon ein NXT UK - das bereits dabei ist, die zuvor blühende, unabhängige Wrestling-Landschaft auf der Insel umzupflügen.

Auch Deutschland ist von WWE explizit als Standortkandidat genannt worden und die Wrestling-Geschichte lehrt: Wo WWE hingeht, will die Liga früher oder später die Alleinherrschaft. wXw bliebe da nur die Rolle als Juniorpartner - oder es kann theoretisch auch selbst in ein NXT Germany verwandelt werden.

"Die Kristallkugel habe ich nicht und die möchte ich auch nicht haben", sagt Jung zur Zukunft der Liga: "Ich glaube auch wenn mir jemand 2014 erzählt hätte, was 2018 auf dem Wrestlingmarkt allgemein und bei wXw im Speziellen abgeht, dann hätte ich denjenigen ausgelacht. Mit Unvorhergesehenem konfrontiert zu werden ist einer der Aspekte, der die Welt spannend macht."

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