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München - Vor 35 Jahren wurde Hulk Hogan erstmals Champion bei WWE. Seinen gigantischen Erfolg wollte ein Rivale angeblich auf schmutzigem Weg stoppen.

Ein junges, blondes Muskelpaket, auserkoren zum kommenden Weltstar. Ein iranischer Bösewicht in Schnabelschuhen. Und ein völlig ekstatisches Publikum.

Das waren die Zutaten eines historischen WWE-Moments, der vor 35 Jahren, am 23. Januar 1984 im New Yorker Madison Square Garden über die Bühne ging.

Hulk Hogan wurde an diesem Tag  erstmals Champion der damaligen World Wrestling Federation (WWF). Sein Sieg über den Iron Sheik (Funfact: am selben Tag, an dem Arjen Robben geboren wurde) war der Startschuss eines Showkampf-Booms, des Aufstiegs der Liga von der regionalen Promotion zum globalen Phänomen - und es ist auch heute noch ein mitreißendes Erlebnis.

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Hulk Hogan zeigt die Essenz seines Könnens

Hogan, vom bis heute amtierenden WWE-Boss Vince McMahon frisch verpflichtet, war eine Präsenz, die sofort den Raum erfüllte.

Der damals 30-Jährige hatte damals noch nicht die Standardgesten und -aktionen im Repertoire, die heute jeder Fan in und auswendig kennt - das "Hulk-up"-Aufbäumen, bei der jede gegnerische Aktion verpufft, der Fingerzeig, der das Ende des Matches signalisiert.

Umso deutlicher tritt beim frühen, noch unfertigen Hogan die Essenz seines Könnens hervor: "The Incredible" Hulk Hogan, wie er damals angekündigt wurde, verströmte eine aggressive Energie und Dynamik, die die Fans gefangen nahm und nicht mehr losließ. Er präsentierte sich als Urgewalt, die über ihren verdutzten Gegner komplett hinwegfegte.

Nach kaum mehr als fünf Minuten war der Fight vorbei. Hogan bekam den Titelgürtel umgeschnallt und marschierte weiter zum adrenalingetränkten Backstage-Gespräch mit seinem ewigen Interviewer, dem Anfang Januar verstorbenen "Mean" Gene Okerlund.

Von der Rock-Bühne zum Wrestling

Hogan, Sohn eines Baupoliers und einer Hausfrau und Tanzlehrerin aus Georgia, war acht Jahre vorher für das Gewerbe entdeckt worden.

Terry Bollea, wie er eigentlich heißt, fiel dem Wrestling-Bruderpaar Jack und Gerald Brisco in einer Bar in Florida auf, wo der Hobby-Bodybuilder für eine Rockband Gitarre spielte. Bollea, eine ehemaliger Little-League-Pitcher, dessen Hoffnungen auf eine Baseball-Karriere von einer Verletzung durchkreuzt wurden, ließ sich fürs Wrestling begeistern.

Den Namen "Hulk" bekam er verpasst, als er bei einem lokalen Talkshow-Auftritt die Muskelmasse von Lou Ferrignou übertraf - der die Comicfigur damals in einer TV-Serie spielte. Den Nachnamen "Hogan" erfand McMahons Vater, der Hogan als irischstämmigen Bösewicht porträtierte.

Gegner berichtet von unmoralischem Angebot

Als solcher trat er 1979/80 erstmals in der damals noch von Vince Sr. regierten WWF auf, verärgerte diesen jedoch mit seinem Entertainment-Ausflug im Film "Rocky III", wo er Sylvester Stallone als Showkämpfer "Thunderlips" malträtierte - ein charismatischer Auftritt, der Hogans Krönungsmesse gegen den Sheik halb vorwegnahm.

"In Rocky III war ich noch der Böse, aber den Leuten gefiel, wie ich gekämpft habe. So hat das angefangen", blickte Hogan später in einem SPORT1-Interview auf den Schlüsselmoment zurück.

Der jüngere McMahon, der die Liga 1982 kaufte und zum weltweiten Marktführer machen wollte, erkannte in Hogan das Potenzial, sein Alphatier zu werden. Er holte Hogan zurück aus der in Minnesota sitzenden AWA, zu der dieser zwischendurch gewechselt war, und baute seine Liga um ihn auf.

Hinter den Kulissen soll es Versuche gegeben haben, Hogans Aufstieg zu sabotieren, der Sheik (Khosrow Vaziri) erzählte, die AWA hätte ihm 100.000 Dollar geboten, wenn er Hogan in dem Match das Bein brechen würde. Ex-Ringer Vaziri war als "Shooter" bekannt, der seinen Gegner wirklich wehtun konnte, wenn er wollte. Er lehnte das unmoralische Angebot ab.

Verkörperung der neuen WWE-Vision

Der Hulkster wurde wie geplant Champion - und als solcher die Verkörperung von allem, was der junge Vince McMahon anders machen wollte als sein Vater.

Dessen letzter Fackelträger war Bob Backlund, ein technisch versierter, aber kleinerer und weniger charismatischer Ex-Ringer, der den Zenit seiner Popularität schon überschritten hatte (der Sheik wurde als Übergangs-Champion dazwischengeschaltet, weil Duelle unter Publikumslieblingen damals unüblich waren).

Hogan war im Gegensatz dazu "larger than life", körperlich und in seinem Auftreten, er schien wie aus einem Comicbuch in die Realität entstiegen. Und er war "Sports Entertainment", er unterhielt in Talkshow- und TV-Gastauftritten (A-Team, Love Boat) ebenso souverän wie im Ring, erhöhte dadurch die Aufmerksamkeit von Fans und Medien und beförderte damit den globalen Boom der WWF.

Fans verziehen auch Skandale

Über Bedenken von Kritikern, dass Hogan im Ring auf Dauer nicht gut genug sein würde für seine Position, ging McMahon hinweg - und der Erfolg gibt ihm Recht:  Hogan blieb bis zum Ende der neunziger Jahre (in denen er zu fürstlichen Bezügen zum Konkurrenten WCW wechselte) der erfolgreichste Showkämpfer der Welt. Bis heute gilt er als der Wrestling-Star schlechthin.

Ein großer Teil der Fans verzieh ihm auch diverse Egotrips, ein Steroid-Geständnis 1994 und sogar seinen Rassismus-Skandal 2015. Als Hogan Anfang Januar für eine Tributgeste an Okerlund zu WWE zurückkehrte, jubelte das Publikum ihm wieder zu.

"Hulkamania is running worldwide", rief Hogan nach seinem Titelgewinn 1984 in Okerlunds Mikrofon. Er sollte recht behalten.

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