"Traum wird wahr!" König Abele gewinnt Zehnkampf-Gold
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Berlin - Bei den European Championships krönt sich Zehnkämpfer Arthur Abele zum König der Leichtathleten. Nach unendlich vielen Rückschlägen ist er ganz oben angekommen.

Als Arthur Abele in dieser tropischen Berliner Nacht die Tränen kamen, war es ein Ausbruch puren Glücks. Kein Wunder: Es gibt wohl kaum einen Athleten, der so viele Rückschläge, Verletzungen und Krankheiten überwinden musste, wie der 32-jährige Schwabe.

Abele war gerade nach der letzten Disziplin des Zehnkampfs, dem 1500-Meter-Lauf, über die Ziellinie gerannt, als eine tonnenschwere Last von seinen Schultern fiel.

"Wahnsinn, irre, unglaublich, welche Genugtuung das jetzt für mich ist", sprudelte es aus dem neuen König der Athleten heraus, dem Maskottchen Berlino passenderweise eine Papierkrone aufgesetzt hatte.

Viele Rückschläge in der Karriere

"Wenn man bedenkt, wie viele Niederschläge, wie viele Rückschläge, Reha-Maßnahmen und Trainingseinheiten ich durchgemacht habe. Das geht auf keine Kuhhaut. Man hat ja gesehen, welche Emotionen aus einem rauskommen, wenn man weiß, dass man gerade den Zehnkampf vor heimischem Publikum in Berlin gewonnen hat." (SERVICE: Medaillenspiegel)

Achillessehnenriss, Unterschenkelbruch, Nabelbruch, Ellbogensehnenriss, Bandscheibenvorfall: Abele hat alles durchgemacht. 

Dass er sich tatsächlich zum "König Arthur" krönen lassen konnte, lag auch am Pech des haushohen Favoriten Kevin Mayer, der nach drei Fehlversuchen im Weitsprung seine Sachen packen musste.

Der französische Favorit Kevin Mayer scheiterte im Weitsprung
Der französische Favorit Kevin Mayer scheiterte im Weitsprung © Getty Images

Abele verpasst Patzer der Konkurrenz

"Ich habe es gar nicht mitgekriegt. Ich war ja fertig mit meinem Weitsprung und bin schon in den Aufenthaltsraum gegangen", erklärte Abele auf SPORT1-Nachfrage. "Als ich es später gecheckt habe, habe ich mir gesagt: 'Junge, jetzt ergreife die Chance und schau, dass du es einigermaßen kontrolliert zusammenkriegst – dann könnte es dein Moment werden!'"

Gesagt, getan. Abele lieferte über die beiden Tage einen konstant guten Zehnkampf ab und schwächelte nur in der achten Disziplin, dem Stabhochsprung. Doch auch wenn er kurzzeitig die Führung abgeben musste, war ihm klar, dass ihm an diesem Tag keiner die Goldmedaille streitig machen würde. (SERVICE: Der Zeitplan)

"Beim Speerwurf musste ich einfach im ersten Wurf einen reinlegen – das hat auch funktioniert", so Abele. Die 1500 waren dann eine Art Schaulaufen. "Trotz der Schmerzen auf den letzten 200 Metern konnte ich das genießen."

Arthur Abele war nach seinem Sieg im Zehnkampf gerührt
Arthur Abele war nach seinem Sieg im Zehnkampf gerührt © Getty Images

Schwerer Infekt lähmte Abele

Dass er in Berlin auf dem obersten Treppchen stehen würde, war vor eineinhalb Jahren noch nicht abzusehen. An einem Morgen im März war Abele aufgewacht und hatte seine linke Gesichtshälfte nicht mehr gespürt.

"Es war ein Spontaninfekt, der sich über die Mandeln, den Kiefer und das Mittelohr ausgebreitet hat. Dort sitzt auch der Gesichtsnerv, der die ganze Mimik steuert."

Damals war es zunächst ein Schock: "Ich bin morgens aufgewacht und habe gedacht, ich hätte einen Schlaganfall gehabt." Gefährlich war die so genannte Fazialisparese dennoch: "Es bestand die Gefahr, dass die Lähmung nie wieder weggehen würde."

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Aufgeben keine Option

Aufgeben kam für den Kämpfer aber nicht in Frage, selbst als die ersten Diagnosen nichts Gutes verhießen. "Es hieß erst, es würde ewig dauern. Ein halbes Jahr mindestens. Dann musste ich erst einmal meine ganzen Sportpläne auf Eis legen."

Das tiefe Tal durchschritt Abele jedoch zügig, auch wenn immer wieder Rückschläge dazukamen. "Zum Glück haben die Medikamente relativ schnell angeschlagen, allerdings habe ich dann sechs Kilo zugenommen. Das ging natürlich wieder auf die Gelenke und Sehnen, vor allem auf die Achillessehne."

Olympia 2020 das Ziel

Nach einigen Monaten war die Leidenszeit endlich vorbei. "Das ging so bis Herbst weiter - und ab dann war alles wieder gut und ich konnte peu a peu Gas geben. Ich habe in meinem Leben ja lange trainiert, deswegen weiß der Körper auch schnell wieder, was er machen muss. Und von da ging es nur noch bergauf."

Dass Abele nun als "König Arthur" abtreten könnte, kommt für ihn nicht in Frage. Seine Karriereplanung geht bis zu den Olympischen Spielen 2020 in Tokio.

Auf dem Weg dahin wird der blonde Hüne sicher wieder den ein oder anderen Brocken aus dem Weg räumen müssen. Dass er sich davon nicht aufhalten lassen wird, ist jetzt schon sicher.

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