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Nico Rosberg siegt beim Auftakt der Extreme E. Im exklusiven SPORT1-Interview spricht er über den Sieg, das Duell mit Lewis Hamilton und den positiven Beitrag der Serie.

Was für ein Auftakt für Nico Rosberg!

Das erste Rennen in der neuen, spektakulären Rennserie Extreme E wurde für den Formel-1-Weltmeister von 2016 zu einer wahren Achterbahn der Gefühle. (SERVICE: Alles aus der Welt des Motorsports)

Erst fuhr sein Rosberg Xtreme Racing Team beim Rennwochenende in Saudi-Arabien im Qualifying die schnellste Zeit, um dann wegen einer Zeitstrafe für zu schnelles Fahren in der neutralisierten Switch-Zone strafversetzt zu werden.

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Am Ende gab es aber dann doch Grund zum Jubeln. Sein Fahrerteam Johan Kristoffersson/Molly Taylor gewann den Finallauf vor dem Andretti United Extreme E Team bestehend aus Catie Munnings und Jimmy Hansen. Auf Rang drei landete das Team seines ehemaligen Teamrivalens Lewis Hamilton.

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Bei SPORT1 spricht Rosberg über den Sieg zum Serien-Auftakt und die nächste Stufe im Duell mit Hamilton. Dazu erklärt er das Konzept der Nachhaltigkeit in der Extreme E und seine Rolle als Teamchef.

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SPORT1: Nico Rosberg, herzlichen Glückwunsch zu Ihrem ersten Sieg als Teamchef in der Extreme E. Wie stolz sind Sie?

Nico Rosberg: Ich muss erst mal durchatmen. Das war so ein intensives Wochenende. Alles ist so neu, da kann ich mein Team mit meiner Erfahrung als Rennfahrer sehr unterstützen – und das versuche ich auch so gut wie möglich. Natürlich ohne dem Team oder den Fahrern auf den Sack zu gehen (lacht). Deshalb ist es so intensiv – weil es so hochriskant ist da draußen. Für die Fahrer war es ein permanentes Ausloten des Limits. Jeder Dritte hat sich mit einem siebenfachen Überschlag abgelegt. Deshalb bin ich so froh über unsere Fahrerpaarung. Ich würde behaupten, wir haben mit Johann Kristoffersson und Molly Taylor die zwei besten Fahrer*Innen im Team.

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SPORT1: Sie haben mit dem ersten Sieg in der neuen Extreme E Geschichte geschrieben. Was bedeutet Ihnen dieser Erfolg – auch verglichen mit Ihrer früheren Karriere in der Formel 1?

Nico Rosberg: Das bedeutet mir natürlich viel. Es ist immer besser zu gewinnen, als Zweiter zu sein (lacht). Und nach wie vor habe ich ja das Wettkampf-Gen in mir. Und hier gibt es genügend bekannte Namen als Gegner. Die wollte ich natürlich schlagen. Was mich auch freut: Das Interesse war sehr groß. Wenn ich auf mein Handy schaue, hat es seit fünf Jahren nicht mehr so geglüht. Toll, dass das Produkt bzw. die Serie so angenommen wird.

Rosberg über Hamilton: "Cool, wieder gegeneinander anzutreten"

SPORT1: Hat Lewis Hamilton Ihnen nach der Niederlage seines Teams (Platz drei) auch schon gratuliert?

Nico Rosberg: Nein, aber würde er wahrscheinlich, wenn er meine Nummer hätte… Trotzdem: Wie cool ist es, dass wir jetzt hier auch als Teamchefs wieder gegeneinander antreten und auch noch Erster und Zweiter in der Meisterschaft sind. Lustig, dass sich das Duell jetzt hier fortsetzt.

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SPORT1: Was war der Schlüssel zum Erfolg – auch gegen Hamiltons Team oder das vom anderen Formel-1-Weltmeister Jenson Button?

Nico Rosberg: Unsere Fahrer waren top. Am Ende ist es aber immer eine Mannschaftsleistung. Wie haben hier so ein bisschen Formel-1-Level reingebracht, wenn es darum geht, technisch perfekt vorbereitet zu sein und den ganzen Kinderkrankheiten aus dem Weg zu gehen. Natürlich war bei der Konkurrenz teilweise auch Pech dabei, aber viel kann man mit perfekter Vorbereitung überwinden. Die Basis ist ja unser DTM-Team, dazu kommt der ehemalige Ingenieur von Sébastien Ogier (achtmaliger Rallye-Weltmeister; d. Red.) aus der Rallye-WM. Die Zusammenarbeit ist sensationell und das Level ist extrem hoch. Trotzdem haben die Fahrer – beide! – einen super Job gemacht. Gestern ist Molly (Taylor; d. Red.) so geflogen – ich habe nur noch ihren Unterboden gesehen. Und das auch noch quer und nur noch auf einem Vorderrad! Aber auch Johann, was der auf den ersten Metern bei seinen Überholmanövern gezaubert hat… So etwas habe ich selten erlebt und das erinnert mich sehr ans Zaubern von Lewis Hamilton in der Formel 1, wenn es um Rad-an-Rad-Duelle geht. Dieser Gladiatoren-Instinkt: Ein zweiter Platz geht gar nicht! Das hat mich sehr beeindruckt.

Top-Fahrerpaarung mit Kristoffersson und Taylor

SPORT1: Inwiefern hat sich das Konzept mit Mann und Frau in einem Auto bestätigt?

Nico Rosberg: Sehr. Sie müssten mal die Zusammenarbeit zwischen den beiden sehen: Beide arbeiten so fleißig, so hart und so viele Stunden zusammen. Weil sie verstehen, dass sie es alleine nicht schaffen können. Dieses Konzept ist mega-genial.

SPORT1: Und wie bewerten Sie das Event als Ganzes? Wir haben schwere Unfälle gesehen und zum Teil war es wegen des aufgewirbelten Wüstensandes schwer, hinter einem Gegner herzufahren.

Nico Rosberg: Der Auftakt ist komplett gelungen. Wir dürfen nicht vergessen: Es ist ein Start-up. So eine Serie hat es nie zuvor gegeben. Wir gehen hier neue Wege und erweitern die Grenzen. Aber – wie in der Formel E – müssen wir nun Veränderungen vornehmen, um die Serie zu optimieren.

Extreme E: Aufmerksamkeit auf den Klimawandel

SPORT1: Mit der Extreme E wollen Sie vor allem aufmerksam machen auf den Klimawandel und wie er sich in den besonders betroffenen Gegenden der Welt auswirkt. In Saudi-Arabien war die zunehmende Wüstenbildung das Hauptthema. Gleichzeitig will die Extreme E im Rahmen ihres Vermächtnis-Programms Aufbauarbeit leisten. Was haben Sie diesmal konkret getan?

Nico Rosberg: Wir sind schon letzte Woche ans Rote Meer gefahren und haben dort ein Programm für Rettung der Strandregion ins Leben gerufen, einerseits wegen des Plastik-Themas, vor allem aber weil die Schildkröten dort vom Aussterben bedroht sind. Das ist toll, denn wir sind nicht nur hier um zu gewinnen, sondern auch für den positiven Beitrag. Außerdem haben wir als Team unsere eigene "Driven-by-purpose-campaign". Am Montag sind wir mit einer Stiftung von Prince Charles unterwegs. Da geht es darum, dass die Menschen in Saudi-Arabien, vor allem Frauen, Jahrhundertelang von Handarbeit gelebt haben, zum Beispiel vom Teppichweben, einer ganz alten Kunst. Und die stirbt gerade aus. Deshalb wollen wir gemeinsam mit unserem Partner Conrad Electronics den Menschen bei der Digitalisierung helfen.

SPORT1: Inwiefern ist das für Sie eine neue Ebene, dass Sie nicht nur gewinnen, sondern damit auch noch etwas Gutes tun können?

Nico Rosberg: Das Ganze sorgt für ein sehr erfüllendes Gefühl, den Weg in Richtung Nachhaltigkeit weiterzugehen, auf dem ich sowieso schon bin. Deswegen passt die Serie auch so perfekt zu mir, weil sie uns die Plattform gibt, viele neue Sachen anzustoßen, die einen positiven Beitrag leisten können. In Senegal zum Beispiel sind wir mit der Fürst-Albert-Stiftung im Kampf gegen die Dürre unterwegs.

SPORT1: Erster Sieg – und was kommt jetzt?

Nico Rosberg: Jetzt kommt eigentlich erst mal ein wenig Feiern, was schwierig ist, weil man hier kein Bier trinken darf. Grundsätzlich ist das ja okay, aber für uns wäre es jetzt eine schöne kleine Belohnung (lacht). An die Meisterschaft will ich jetzt noch nicht denken. Wir wollen um die Siege kämpfen und immer vorne dabei sein – und dann mal sehen, wo uns das hinführt. Wir müssen da schon noch den Ball flach halten. Das ist kein Sprintrennen. Hier musst du die Zielflagge sehen, nur dann kannst Du Erfolg haben.

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