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München - Max Verstappen wütet nach dem Brasilien-GP gegen Esteban Ocon. Sein Team legt gegen den Franzosen nach. Lewis Hamilton zeigt sich überglücklich. Die Stimmen zum Rennen.

Drama um Max Verstappen beim Großen Preis von Brasilien. (Formel 1: Der Große Preis von Brasilien im LIVETICKER zum Nachlesen)

In Führung liegend wird der Red-Bull-Pilot vom bereits überrundeten Esteban Ocon um den Sieg gebracht, tobte bereits während des Rennens und wurde im Anschluss sogar handgreiflich.

Unterstützung erhält der Niederländer von seinen Teamchefs, die Verständnis zeigen und gegen den Franzosen nachlegen. Bei Force India ist man hingegen bemüht, erst gar keine Verschwörungstheorien aufkommen zu lassen.

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Der Konstrukteurs-WM-Titel von Mercedes geriet aufgrund dieses Eklats ein wenig zur Nebensache. Dennoch zeigt man sich Lewis Hamilton überglücklich über den fünften Titel in Folge.

Ernüchterung dagegen bei Sebastian Vettel, der im Gegensatz zu seinem Teamkollegen das Podium klar verfehlt und mit seiner Reifenstrategie hadert.

SPORT1 fasst die Stimmen von RTL, Sky, ORF, aus der Boxengasse und der Pressekonferenz zusammen.

Lewis Hamilton (Mercedes, Rang 1): "Die Jungs haben in den letzten sechs Jahren so hart gearbeitet. Es war eine Wahnsinns-Reise mit diesem Team. Dafür haben alle über das ganze Jahr gearbeitet. Es geht jeden Tag darum, das Beste rauszuholen und im Team als Einheit zu arbeiten. Es ist so eine große Ehre, für dieses Team zu fahren. Vielen Dank für die Bemühungen. Ich bin stolz, dass ich es geschafft habe. Ich denke nicht über Zahlen nach. Man gibt mir das beste Werkzeug und ich mache das beste daraus. (Service: Die Teamwertung der Formel 1)

zur Kollision zwischen Max Verstappen und Esteban Ocon: "Es ist immer noch Rennsport. Für mich ist so etwas ein Rennunfall. Es hat mich überrascht, weil es kein direkter Zweikampf war. Ich hätte das anders gemacht. Max will immer alles rausholen und geht viele Risiken ein. Hin und wieder rächt sich das."  

Verstappen nach Crash: "Ich bin sprachlos"

Max Verstappen (Red Bull, Rang 2): "Da bist du so schnell, hast so ein Auto und dann kommt so ein Idiot, der gerade überholt wird, und nimmt dich fast aus dem Rennen. Ich bin sprachlos. Es lief besser, als erwartet. Das Auto war richtig gut und wir hatten die absolut richtige Strategie. Wir konnten ziemlich lange mit den Super-Soft fahren. Ich weiß nicht, was ich sagen soll. Natürlich freue ich mich über den zweiten Platz, aber es hätte der erste sein können."

Kimi Räikkönen (Ferrari, Rang 3): "Es lief ganz gut, wir haben gut gekämpft und es hat Spaß gemacht. Es war schwierig zu überholen, denn das hat zu lange gedauert. Man kann sich das mit anderen Reifen noch einmal im Replay anschauen, ob es dann anders läuft."

Daniel Ricciardo (Red Bull, Rang 4): "Ich will jetzt nicht wieder negativ klingen, aber verärgert war ich schon, als ich über die Ziellinie gefahren bin. Das Podium war zum Greifen nahe, denn wir hatten auch das Tempo dazu."

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Valtteri Bottas (Mercedes, Rang 5): "Herzlichen Glückwunsch an alle. Das Rennen war heute etwas schwierig. Am Start lief alles wie geplant und wir konnten zu Beginn in Führung gehen. Danach wurde es kniffliger. Im ersten Stint hatte ich mit überhitzenden Reifen zu kämpfen, im zweiten hatte ich Blasenbildung auf den Medium-Reifen. Deshalb mussten wir einen zweiten Stopp einlegen. Ich glaube, dass wir heute nicht ganz die Pace gehabt haben. Das Rennen war etwas härter als erwartet. Vor dem Start war ich ein wenig optimistischer, aber alles in allem ist es ein großartiger Tag für Mercedes." 

Vettel deprimiert "schlechtes Resultat"

Sebastian Vettel (Ferrari, Rang 6): "Ich habe alles versucht, aber das Resultat ist natürlich schlecht. Es war einfach ein schwieriger Nachmittag. Ich glaube ehrlich gesagt nicht, dass es ein Vorteil war mit den Soft-Reifen ins Rennen zu gehen, da die Super-Soft wesentlich länger gehalten haben, als wir es alle erwartet hatten. Wir hatten auf einen Vorteil gehofft, aber im Endeffekt war es ein Nachteil. Alles in allem war es nicht das, was wir erwartet hatten, aber manchmal ist es leider eben so. Auf einer Skala von Eins bis Zehn war es eine Eins. Es war ein schwieriger Tag."

zur Tatsache, dass er Kimi Raikkönen vorbei lassen musste: "Ich hatte kein Problem damit, Kimi ziehen lassen zu müssen und freue mich, dass ich ihm die Chance geben konnte, die er genutzt hat." (Service: Die Fahrerwertung der Formel 1)

Esteban Ocon (Force India, Rang 15): "Klar hab ich ihn gesehen. Ich kam hinter ihm auf viel frischeren Reifen raus. Ich hatte eine starke Pace und dachte mir, da runde ich mich zurück. Ich wollte außen vorbei wie zuvor bei Alonso. Er hat mir dann einfach keinen Platz gelassen. Aber das Schlimmste ist sein Verhalten danach. Er kommt da bei mir vorbei und schubst mich herum, die Stewards mussten ihn zurückhalten. Absolut unprofessionell. Ich habe früher schon immer mit Max gekämpft. Daran wird sich wohl auch nichts ändern."

Red-Bull-Bosse wüten

Helmut Marko (Red-Bull-Motorsportchef): "Ein Überrundeter, der bei Mercedes unter Vertrag steht, rempelt den Führenden von der Strecke. Das ist unglaublich! Ich will da gar keinen weiteren Kommentar abgeben, ich habe so etwas noch nie gesehen. Wenn man eine Runde hinten ist, darf man überhaupt nicht in den Führungskampf eingreifen." (Service: Der Rennkalender der Formel 1)

Christian Horner (Red-Bull-Teamchef): "Esteban kann von Glück reden, mit einem Schubser davongekommen zu sein. Da kochen die Emotionen hoch. Ich hatte Max noch in der Auslaufrunde gesagt, dass er runterkommen soll. Ich denke, Max hat Zurückhaltung bewiesen."

zur Frage, ob Force India Ocon beeinflusst hat: "Ich denke nicht, dass es da eine Anweisung gab. Es gibt natürlich eine gewisse Historie zwischen den beiden Fahrern. Aber unterm Strich war es einfach nur eine krasse Fehleinschätzung von Ocon. Er lag eine Runde zurück, nicht mal in den Punkten, aber er kämpfte mit dem Führenden im Rennen."

zum handgreiflichen Verhalten von Verstappen: "Natürlich können wir Gewalt in keiner Weise gut heißen, aber so was entsteht im Eifer des Gefechts. Wir wissen auch nicht genau, welche Worte da hin- und hergegangen sind und was [Max] entgegnet wurde. Verstehen muss man aber auch: Ein Hinterbänkler hat dir gerade einen Grand-Prix-Sieg weggenommen. Da kocht das Adrenalin schon mal hoch. Das ist menschlich. Fahrer sind ja keine Roboter und sollen das auch nicht sein. Und wir sehen es in anderen Sportarten, wenn sich Spieler zu nahe kommen. Dann kommt der Schiedsrichter dazu und kümmert sich darum."

Otmar Szafnauer (Force-India-Teamchef): "Ich zweifle daran, dass sie heute schon an 2020 denken. Er (Esteban Ocon, Anm. d. Red.) würde so etwas nie machen. Es steckt definitiv keine Absicht dahinter. Er hat uns gefragt, ob er es tun darf, da er sich nicht sicher war. Und wir stimmten zu." 

Charlie Whiting (Formel-1-Rennleiter): "Es ist erlaubt, zurückzurunden. Aber, das Manöver muss sauber und ohne Risiko geschehen. Es scheint aber, als wäre Ocon einfach reingestochen. So ist das total inakzeptabel."

Toto Wolff (Mercedes-Motorsportchef): "Wir haben gerade WM-Geschichte geschrieben. Aber der Gewinn unseres fünften WM-Doubles fühlt sich noch surreal an. Wer hätte vor acht Jahren zu Beginn dieser Mission gedacht, dass dies möglich sein könnte? Wenn mir damals jemand von diesem Rekord erzählt hätte, hätten wir ihn für verrückt erklärt. Und jetzt stehen wir heute hier und haben den Rekord von Ferrari aus den Schumacher-Jahren eingestellt. Es ist eine riesige Ehre, Mercedes auf der Rennstrecke zu vertreten."

Maurizio Arrivabene (Ferrari-Teamchef): "Wir wussten schon ab der Formation-Lap von einem Sensorenproblem an Sebs Auto. Er musste daher, das gesamte Rennen mit einem anderen Setting fahren. Das machte das Fahren deutlich schwieriger."  

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