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Sebastian Vettel (r.) und Ferrari winken dank des Brexits bessere Zeiten in der Formel 1
Sebastian Vettel (r.) und Ferrari winken dank des Brexits bessere Zeiten in der Formel 1 © Getty Images
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Der Brexit stellt auch die Formel 1 vor große Herausforderungen. Sieben von zehn Teams haben ihre wichtigsten Fabriken in England. Ferrari könnte profitieren.

Die politische Schlacht um den Brexit tobt, und das sei "nicht ideal für die Formel 1", sagt Maurizio Arrivabene. Doch der Teamchef von Ferrari denkt natürlich zuallererst an die Scuderia - und die könnte nach der Scheidung zwischen Großbritannien und der EU als Gewinner dastehen.

"Ich vermute, dass in naher Zukunft eine Menge Leute an die Tür von Maranello klopfen", sagte Arrivabene am Rande des Grand Prix von Abu Dhabi. Schließlich steht das Recht der EU-Bürger auf dem Spiel, in Großbritannien wohnen und arbeiten zu dürfen. (Formel 1 in Abu Dhabi: Rennen am So. ab 14.10 Uhr im LIVETICKER)

Sieben von zehn Formel-1-Teams, darunter Ferrari-Rivale Mercedes, haben aber ihre wichtigsten Fabriken in England stehen. Und in ihnen arbeiten auch jede Menge Deutsche, Österreicher oder Franzosen.

Wolff nimmt Thema Brexit ernst

Der Kampf um die schlauen Köpfe in der Königsklasse wird im Verborgenen, aber verbittert geführt. Schließlich sind die Ingenieure neben den Fahrern die wichtigsten Mitarbeiter der Teams. Für den Silberpfeile-Rennstall arbeiten in England rund 1800 Menschen, viele kommen aus Ländern der EU. Aber nicht nur deshalb sagt Teamchef Toto Wolff: "Dieses Thema liegt mir sehr am Herzen."

Wolff erinnerte an den 2. Weltkrieg, und der große Gedanke hinter der EU sei ja gewesen, so einen Schrecken nicht wieder geschehen zu lassen. Dies werde in Zeiten des aufkommenden Nationalismus leider "vergessen", sagt der Österreicher.

Auch er muss sich die Frage stellen, ob er in Zukunft noch in Brackley arbeiten darf. "Wir schauen uns das sehr genau an", sagt Wolff über die Brexit-Verhandlungen.

Renault-Boss appelliert an May

Doch die Formel-1-Teams zittern nicht nur um die Zukunft ihrer Belegschaft. Kann demnächst etwa noch ein wichtiges Bauteil für die Boliden, ein Frontflügel etwa, über Nacht und kostenlos von England zu einem Rennen in der EU importiert werden? Wie werden die vielen Lkw am Zoll abgefertigt, wenn sich der PS-Tross aufmacht zu einem Rennen?

Wolff sieht keine "sehr angenehme Entwicklung", zeigte sich aber optimistisch. "Wir haben Schritte unternommen, um sicherzustellen", dass Waren "nicht an der Grenze steckenbleiben".

Renault-Teamchef Cyril Abiteboul hofft, dass die britische Regierung um Premierministerin Theresa May in den Verhandlungen auch an die Formel 1 denkt. Denn es liege "nicht in ihrem Interesse, eine der Säulen der britischen Industrie zu verlieren."

Ungewissheit in der F1

Wolff befürchtet indes, dass die Abspaltung Auswirkungen haben könnte, "die wir noch nicht sehen können". Auch die Ungewissheit treibt die Formel 1 wie alle anderen Beteiligten um.

"Tatsächlich liegt noch nichts auf dem Tisch, wir wissen nicht, wie die nächsten Tage aussehen werden", sagt Wolff, "ob es einen Deal, keinen Deal oder einen harten Brexit geben wird. Ein harter Brexit wäre für alle Beteiligten schrecklich, denke ich." Ferrari könnte allerdings profitieren.

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