Gary Anderson verzaubert aktuell die Darts-Welt! Bei der Weltmeisterschaft (Darts-WM bis 3. Januar LIVE auf SPORT1) im Alexandra Palace steht der 55-Jährige zum achten Mal in seiner Karriere im Halbfinale und darf vom ganz großen Coup träumen.
Darts-WM: Anderson hält die Fahne hoch
Anderson hält die Fahne hoch
Darauf angesprochen, ob er denn an seinen dritten WM-Titel glauben würde, antwortete „The Flying Scotsman“ nach seinem souveränen 5:2-Sieg in Sätzen gegen Justin Hood resolut: „Gar nicht. Das musst du aus dem Kopf bekommen. Ich nehme es Match für Match.“
Darts-WM: Anderson macht sich keinen Druck
Anderson fügte hinzu: „Du musst es genießen, sonst brauchst du hier gar nicht erst anzutreten.“ Genau das tut er zusammen mit seiner Familie. Dem Schotten ist der Spaß auf der Bühne anzumerken. Er macht sich selbst keinen Druck, sondern will einfach nur Darts spielen.
Denn zugleich sieht er, wie Spieler, die vor einigen Jahren noch zu den Besten der Welt gehörten, ihre Schwierigkeiten auf der PDC-Tour bekommen.
Van Barneveld und Wright stürzen ab
Rekordweltmeister Phil Taylor beendete im Alter von 58 Jahren 2018 nach dem verlorenen WM-Finale gegen Rob Cross seine Karriere. Raymond van Barneveld (58) und Peter Wright (55) sind hingegen noch aktiv, doch beide erlebten in den vergangenen Jahren einen Absturz in der Order of Merit, denn die junge Generation um Luke Littler, Gian van Veen und Josh Rock prescht in die Elite hervor.
Dadurch ist van Barneveld nach der Darts-WM nur noch die 36 der Welt und Wright belegt den 31. Rang. Ihr Niveau wurde kontinuierlich schlechter. Bei der diesjährigen Weltmeisterschaft schieden sie bereits in der ersten bzw. zweiten Runde aus.
Anderson brilliert bei der Darts-WM
Ganz anders Anderson: Im Liveranking steht er auf dem sechsten Platz und kann mit einem Finaleinzug sogar die Nummer drei der Welt werden.
Bei der WM trumpft der „Flying Scotsman” auf: Er spielt einen Turnier-Average von knapp 100 Punkten und hat mit 45 die zweitmeisten 180er-Aufnahmen geworfen. Nur Littler hat noch zwei Maxima mehr auf seinem Konto.
Anderson brilliert bei der WM, bleibt auch in den wichtigen Momenten ruhig und hat das nötige Quäntchen Glück. So setzte er sich jeweils in den dramatischen Duellen gegen Adam Hunt (3:2) sowie Jermaine Wattimena (4:3) durch.
Nach dem Weiterkommen gegen Wattimena betonte er bereits, dass ein möglicher dritter WM-Titel in seiner Sammlung nicht oberste Priorität habe, sondern sich der Fokus verschoben habe: „Mich kümmert’s nicht. Überlass das mal den Youngstern. Ich bin hier einfach nur, um Kopfschmerzen zu verbreiten. Ich habe ein paar Businesses, ich habe Kinder – jetzt spielt Tai auch noch Darts. Mein Leben ist komplett.“
Darts-WM: Gelassenheit tut Anderson gut
Anderson wurde am Donnerstagabend gefragt, wie viel seine Erfahrung wert sei und er relativierte sofort: „Ich glaube nicht, dass Erfahrung heutzutage noch so viel ausmacht. Die Talente von heute sind so gut.“
Dennoch hob er hervor, dass ihm vor allem seine Gelassenheit, niemandem mehr etwas beweisen zu müssen, bei der WM gut tut.
„Das ist der Vorteil des Älterwerdens“, scherzte der 55-Jährige und fügte hinzu: „Man wird auch ein bisschen taub, also hört man das Publikum weniger.“
Generationenduell gegen Gian van Veen
Am Freitagabend trifft Anderson in seinem Halbfinale auf Shootingstar Gian van Veen (ab ca. 22.15 Uhr LIVE IM TV auf SPORT1, im LIVESTREAM und LIVETICKER). Zwischen den beiden liegt ein Altersunterschied von 32 Jahren. Als der Schotte 2015 seinen ersten WM-Titel gewann, war van Veen zwölf Jahre alt und spielte erst seit zwei Jahren Darts.
Die Vitrine des Schotten ist mit gewonnenen Major-Titeln prall gefüllt: Anderson gewann in seiner Karriere jeweils zweimal die WM (2015, 2016) sowie die Premier League (2011, 2015) und zudem einmal das World Matchplay (2018), die UK Open (2018), die Players Championship Finals (2014) und den World Cup mit Teampartner Peter Wright (2019).
Den ganz großen Darts-Trubel wie zu alten Zeiten möchte Anderson in seinem Leben aber nicht mehr haben, dafür ist ihm seine Familie auch zu wichtig.
Anderson sagt für Premier League Darts ab
Denn nach seinem Halbfinaleinzug bekräftigte er einmal mehr bei SPORT1: „Ich bin zu alt. Ich habe es geliebt, auf der Pro Tour zu spielen, und ich habe die European Tour genossen. Ich habe das alles schon einmal gemacht – die Premier League, die Pro Tour, die European Tour. Deshalb habe ich die European-Turniere für eine lange Zeit nicht mehr gespielt, weil es einfach zu viel wird.“
Wenn er am Freitagabend die Bühne im Ally Pally betritt, genießt Anderson wieder den Moment und möchte einfach nur Darts spielen - und könnte dann erneut unter Beweis stellen, dass seine Zeit noch nicht abgelaufen ist.