UK Open>

Darts: Drei Topstars im freien Fall - Wohin soll das noch führen?

Drei Topstars im freien Fall

Peter Wright, Raymond van Barneveld und Dimitri Van den Bergh wollen bei den UK Open wieder in die Erfolgsspur zurückfinden. Alle drei Darts-Stars gehörten noch bis vor wenigen Jahren zur Weltspitze. Von ihren glanzvollen Auftritten sind sie jedoch aktuell ganz weit entfernt.
Die SPORT1-Kommentatoren Basti Schwele und Robert Marijanovic leiden mit Dimitri Van den Bergh, der aktuell keine gute Phase durchläuft.
Peter Wright, Raymond van Barneveld und Dimitri Van den Bergh wollen bei den UK Open wieder in die Erfolgsspur zurückfinden. Alle drei Darts-Stars gehörten noch bis vor wenigen Jahren zur Weltspitze. Von ihren glanzvollen Auftritten sind sie jedoch aktuell ganz weit entfernt.

Mit den UK Open startet das dritte Major-Turnier des Jahres (6. bis 8. März LIVE auf SPORT1) im Butlin’s Minehead Resort. Insgesamt nehmen 160 Spieler teil – darunter auch die kriselnden Peter Wright, Raymond van Barneveld und Dimitri Van den Bergh. Für alle drei Topstars geht es um viel mehr als nur ein gutes Abschneiden, denn ihre Karriere befindet sich am Scheideweg.

Noch vor einigen Jahren zählten alle zur Weltspitze im Darts, gewannen Major-Turniere und es gab nicht viele Gegner, die gerne gegen sie spielen wollten. Doch die Zeiten haben sich geändert.

SPORT1-Experte Philip Brzezinski bewertet die knifflige Situation der drei Spieler. Der Master of Ceremonies der PDC Europe sprach über deren Entwicklung in den vergangenen Jahren und wagte eine Prognose, wo er Wright, van Barneveld und Van den Bergh in den nächsten Jahren sieht.

Peter Wright

Der zweimalige Weltmeister ist am 17. Februar erstmals seit 15 Jahren aus den Top 32 der Order of Merit herausgerutscht und hat 2026 erst zwei Spiele bei sechs Players-Championship-Turnieren gewonnen. „Seit ein paar Jahren zeigt die Formkurve nach unten. Auch in den Jahren, in denen er noch zur Weltspitze gehört hat, hatte er immer wieder Phasen, in denen es nicht lief, aber er konnte sich immer wieder daraus spielen“, fasst Brzezinski zusammen. Momentan sei dies jedoch nicht mehr der Fall.

Auffällig sind vor allem die schwachen Averages. Wright schafft es immer seltener, über 90 Punkten zu spielen, teils fällt er sogar unter die 80. „Wenn du auf dem Profi-Circuit in den Bereich kommst, dass du unter die 80 Punkte im Schnitt fällst, dann ist es schon ein klares Zeichen, dass einige Dinge im Spiel nicht stimmen“, betont Brzezinski. Zwar experimentiere Wright weiterhin mit seinen Darts und dem Equipment, doch der negative Trend sei inzwischen deutlich erkennbar.

Das Problem: Darts ist Kopfsache. „Du kannst im Darts nichts erzwingen. Wenn du es erzwingen willst, wird es eigentlich nur noch schlimmer. Du musst versuchen, das Level zwischen Anspannung und Entspannung zu halten. Das gerät häufig in Phasen, in denen es nicht läuft, ins Ungleichgewicht“, erklärt der SPORT1-Experte und meint, dass es ohne Selbstvertrauen schwer werde, die Wende zu schaffen.

Ende 2023 war Wright noch die Nummer vier der Welt, inzwischen droht bei ausbleibendem Preisgeld sogar ein Kampf um die Tour Card für 2028. Brzezinski wünscht sich, dass Wright es hinbekommt, sein Karriereende zum passenden Zeitpunkt zu orchestrieren und der Schotte „nicht einfach hinten vom Wagen fällt“, wenn er es nicht mehr schaffe, sich für die großen Turniere zu qualifizieren.

Raymond van Barneveld

Die Formkurve des 58 Jahre alten Niederländers zeigt bereits seit rund zehn Jahren nach unten. Der zwischenzeitliche Tiefpunkt war sein Erstrunden-Aus bei der WM 2020, wonach er nur die Nummer 40 der Welt war und daraufhin seine Karriere beendete.

Doch dies war nur ein voreiliger Entschluss, denn aus finanziellen Gründen kündigte van Barneveld nur zehn Monate später sein Comeback an. Er nahm im Januar 2021 an der Q-School teil und holte sich die Tour Card wieder zurück. Seither kämpft der Weltmeister darum, in den Top 32 der Weltrangliste zu bleiben.

Doch sein Selbstbewusstsein ist offenbar am Boden, denn Brzezinski schildert: „Er hat das Qualifikationsturnier des Masters (Erstes Major-Turnier des Jahres, Anm. d. Red.) ausgelassen. Er hat nicht einmal daran geglaubt, dass er sich für das Turnier qualifizieren kann.“

„Die Zeit schlägt niemand“

Der letzte tiefe Run des PDC-Weltmeisters von 2007 liegt schon ein paar Jahre zurück. Auf der Tour tut er sich immer schwerer, mit den Jungspunden mitzuhalten. „Er hat es selbst gesagt: Er spielt nur noch aus finanziellen Gründen. Das ist eine ganz, ganz schwierige Situation“, meint der SPORT1-Experte.

Er fügt hinzu: „Er ist ein Paradebeispiel, dass es früheren Gewinnern schwerfällt, gewisse Runs anzuerkennen, die aber nicht im Finale geendet sind. Das wird Raymond van Barneveld aber nie zufriedenstellen, denn er war ein Seriensieger in seiner Prime.“

Brzezinski zieht hierbei einen Vergleich zu Wright: „Beide sind im fortgeschrittenen Alter und die Zeit kann keiner aufhalten, die Zeit schlägt niemand. Irgendwann lässt du feinmotorisch nach und bist nicht mehr so belastbar wie die jüngere Generation. Das ist schwer, sich auf Dauer mit denen zu messen.“

Dimitri Van den Bergh

„Seine Situation ist noch eine Spur ernster“, leitet Brzezinski ein und ergänzt: „Barney und Wright haben vieles erreicht und sind im Spätherbst ihrer Karriere und Van den Bergh sollte eigentlich jetzt in seiner Prime sein.“

Dort war er auch bis vor rund anderthalb Jahren. Der 31 Jahre alte Belgier stand schon unter anderem im Halbfinale bei der WM, beim Grand Slam sowie World Grand Prix. Zudem gewann er 2020 das World Matchplay.

Doch vor allem seit 2025 plagen ihn mentale Probleme, weshalb er sich auch eine mehrmonatige Pause nehmen musste. Trotzdem hat er damit noch weiterhin sehr zu kämpfen. „Auch bei ihm ist es keine Ergebnis-, sondern eine veritable Leistungskrise“, stellt Brzezinski heraus: „Es ist schwierig genug, wenn du nicht das Selbstvertrauen und eine mentale Krise hast, aber wenn sich das auch noch auf dein Rüstzeug (wie beispielsweise den Wurfstil, Anm. d. Red.) auswirkt, dann ist es ganz, ganz gefährlich.“

Der SPORT1-Experte verwies darauf, dass sich Van den Bergh in den vergangenen anderthalb Jahren in ein Loch gespielt habe. „Es gibt sicherlich viele Dinge in seinem Umfeld, die ihn belasten und auch das muss man immer betonen: Das sind alles Menschen, auch sie können ihren Kopf und ihr Herz nicht zuhause lassen.“

Der Kampf um die Tour Card

Im Jahr 2026 geht es für den 31-Jährigen um den bitteren Kampf um seine Tour Card, denn in der bereinigten Order of Merit steht er auf Platz 58 und hat nur noch rund 8.000 Pfund Vorsprung, um in den Top 64 zu bleiben.

Brzezinski hält es nicht für ausgeschlossen, dass Van den Bergh seine Tour Card verlieren wird: „Ich bin pessimistisch, weil die Leistung einfach nicht gut ist. Du kannst mal schlechte Ergebnisse haben, aber Dimi hat aktuell große Schwierigkeiten, über 90 Punkte im Schnitt zu spielen.“

Der SPORT1-Experte führt abschließend aus: „Ich halte bei ihm alles für möglich: Sowohl, dass er in den nächsten Jahren wieder zu alter Stärke zurückfindet, als auch, dass er von der Tour verschwindet. Er muss wieder zu sich finden und für sich spielen, für niemanden anderen sonst. Dass er sich diesen Druck, den er sich in der Vergangenheit selbst gemacht hat – auch die belgische Flagge hochhalten zu wollen – hinter sich lassen kann. Das ist alles Zusatzbelastung, die du nicht brauchst.“