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Eishockey-WM: Medaille für Deutschland? "Es ist zwar wünschenswert..."

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Eishockey-WM: Medaille für Deutschland? "Es ist zwar wünschenswert..."

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DEB-Medaille? Legende spricht Klartext

Die deutsche Eishockey-Nationalmannschaft muss nach zwei bitteren WM-Pleiten zurück in die Spur finden. Eishockey-Legende Hans Zach schätzt die Situation ein.
Deutschland verliert die zweite Partie am dritten Gruppenspieltag bei der Eishockey-WM in Tschechien. Gegen Titelanwärter Schweden geht die Mannschaft von Bundestrainer Harold Kreis unter. Muss man jetzt Angst haben?
Franziska Wendler
Franziska Wendler
Benjamin Bauer
Benjamin Bauer

16 Gegentore in drei Spielen! Die deutsche Eishockey-Nationalmannschaft sorgte bei der Weltmeisterschaft für eine negative Bilanz, die es so seit 33 Jahren nicht mehr gab. 128 Schüsse auf das eigene Tor sprachen eine deutliche Sprache. Nach einem 6:4-Sieg im Eröffnungsspiel gegen die Slowakei setzte es gegen die USA und gegen Schweden mehr als nur deutliche Pleiten. Zweimal prangte ein 1:6 auf der Anzeigetafel.

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„Das erste Spiel gegen die Slowakei war sehr, sehr gut, sogar überragend. Bei den Spielen gegen die USA und Schweden darf man nicht vergessen, dass die gespickt sind mit NHL-Stars – und die Deutschen hatten Verletzungspech“, bewertet Eishockey-Legende Hans Zach den Auftritt des DEB-Teams im SPORT1-Interview. Zach war sowohl als Spieler als auch als Trainer Deutscher Meister und von 1998 bis 2004 Bundestrainer.

„Da war nicht mehr drin. Ich sehe das realistisch und nüchtern: Sie kämpfen alle und geben ihr Bestes. Das ist das, was sie machen können, mehr ist dann nicht drin gegen diese Mannschaften.“

Er fuhr fort: „Wenn die Deutschen das Viertelfinale erreichen, haben sie ihren Auftrag auf alle Fälle erfüllt in meinen Augen. Wenn man eine Medaille holen will, muss alles zusammenpassen. Im Vorhinein von Medaillen zu sprechen ist für die Medien ideal, aber ein Medaillengewinn ist nicht realistisch. Es ist zwar wünschenswert, aber nicht realistisch.“

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Kreis-Truppe nur mit wenigen NHL-Profis

So stimmt Zach auch Flügelspieler Marc Michaelis zu, der erklärt hatte, das DEB-Team habe die Aufgabe gegen die US-Amerikaner und Schweden „nicht spielerisch“ lösen können. „Da hat er Recht. Die anderen Nationen sind spielerisch besser. Sonst würden sie auch nicht Millionen in der NHL verdienen. Sonst wären unsere Jungs in der NHL und Multi-Millionäre“, erklärte der 75-Jährige weiter. „Wenn bei Deutschland Leute ausfallen, wird es schwierig.“

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Einer, der in der NHL spielt, der zuletzt aber verletzt fehlte, ist Nico Sturm. Der Stürmer der San Jose Sharks ist laut Zach „einer von vielen, ein Puzzlestück. Der fehlt sicherlich, aber auch komplett wäre es schwierig gewesen, gegen die Schweden und die USA etwas zu holen. Jetzt wäre es gut, wenn er dabei ist.“

Und diese Hoffnung könnte sich erfüllen. Nachdem er bei den zwei bitteren Pleiten noch wegen einer Knieverletzung gefehlt hatte, konnte er am Dienstag wieder trainieren. „Er ist gut drauf. Er hilft uns weiter“, erklärte Teamkollege Yasin Ehliz nach der Einheit. „Er kann defensiv und offensiv, ist sich für nichts zu schade, geht in die Zweikämpfe mit 100 Prozent rein - genau das, was wir brauchen.“

Deutschland muss besser verteidigen

Ob es bei dem so wichtigen Spiel gegen Lettland am Mittwochnachmittag (ab 16.20 Uhr im LIVETICKER) für einen Sturm-Einsatz reicht, darauf wollte sich Bundestrainer Harold Kreis aber nicht festlegen.

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Nach den unzähligen Gegentoren ist für den Chefcoach klar, dass eine bessere Defensivarbeit im weiteren Verlauf des Turniers unerlässlich ist. Im Teammeeting und in Kleingruppen wurde deshalb besonders darauf der Fokus gelegt.

Aber: Alles schlecht reden wollen die Verantwortlichen deshalb mitnichten. „Wir bauen jetzt auf unsere Stärken, wir werden nicht auf irgendwelchen Fehlern oder Schwächen herumreiten“, erklärte Kreis: „Es liegt auch an mir, das Selbstvertrauen der Mannschaft zu stärken.“

Mehr Kampfgeist bei Eishockey-WM nötig

Für Zach, der „großes Vertrauen“ in den Bundestrainer hat, und diesen für seine „ruhige und sachliche“ Mannschaftsführung lobt, spielt in der restlichen Vorrunde vor allem der Kopf eine „große Rolle. Es kann aber auch alles stimmen, und trotzdem kann man beispielsweise gegen Lettland verlieren. Dann kann man nicht sagen, ‚Jetzt haben sie verloren, jetzt waren sie sauschlecht‘, oder ‚Jetzt haben sie gewonnen, jetzt waren sie überragend gut und wir sind Medaillenanwärter.‘ Das geht in meinen Augen nicht.“

Hans Zach war jahrelang DEB-Bundestrainer (Archivbild)
Hans Zach war jahrelang DEB-Bundestrainer (Archivbild)

Als sich die deutsche Eishockey-Nationalmannschaft gegen Schweden minutenlang im eigenen Drittel vorführen ließ, forderten die Fans vor Ort: „Wir wollen euch kämpfen sehen.“

An mangelndem Kampfgeist lag es laut Moritz Müller zwar nicht, dennoch bescheinigte er sich und seinen Teamkollegen einen „zu mutlosen“ Auftritt. „Wir spielen alle ein bisschen gehemmt.“

DEB-Team muss Moral zeigen

Doch auch wenn die Leistungen auf dem Eis zuletzt Sorgen bereiteten, die Ausgangslage im Kampf um das Viertelfinale ist vor dem vierten Gruppenspiel am Mittwoch gegen die Letten sogar noch besser als im vergangenen Jahr zum gleichen Zeitpunkt. Zur Erinnerung: 2023 gelang mit der Silbermedaille ein wahrer Coup.

„Wir haben drei Punkte mehr als letztes Jahr zum gleichen Zeitpunkt“, betonte Moritz Müller: „Das ist das, worauf wir schauen müssen.“

Für Eishockey-Legende Zach ist neben der Genesung der angeschlagenen Spieler vor allem eines wichtig. „Man muss große Moral zeigen. Die Spieler müssen wissen, dass sie letztes Jahr sogar die ersten drei Spiele verloren – und trotzdem eine Medaille geholt haben. Wenn man die nächsten vier Spiele, vielleicht reichen auch drei, gegen die vermeintlichen schwächeren Länder – die teilweise aber auf Augenhöhe mit uns sind - gewinnt, ist man schon im Viertelfinale.“

Weniger Gegentore sind dafür aber unerlässlich.