FC Bayern hält Florian Wirtz die Tür offen

Wirtz-Wechsel „im ungünstigsten aller Momente“
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Wirtz-Wechsel „im ungünstigsten aller Momente“

Karl-Heinz Rummenigge bringt Florian Wirtz wieder mit dem FC Bayern in Verbindung. Ein konkreter Transferplan steckt dahinter noch nicht. Trotzdem dürften seine Aussagen nicht zufällig gefallen sein.

Eigentlich hat Karl-Heinz Rummenigge ziemlich viel dafür getan, die Erwartungen gleich wieder einzufangen. Ob Florian Wirtz irgendwann doch noch beim FC Bayern landen könnte? „Ich weiß es nicht“, sagte der frühere Vorstandschef und jetzige Aufsichtsrat der Abendzeitung. Er könne nicht beurteilen, ob der Nationalspieler beim FC Liverpool glücklich sei. Und überhaupt sei die Kaderplanung Sache des Vorstands. Mehr Distanz geht fast nicht.

Und trotzdem hat Rummenigge das Thema Wirtz damit wieder auf die Tagesordnung gesetzt. Denn zwischen einem konkreten Transferplan und völligem Desinteresse gibt es im Fußballgeschäft bekanntlich einige Abstufungen. Was Rummenigge gerade betreibt, ist die unterste Stufe eines solchen Flirts: Die Tür ist geschlossen – aber nicht abgeschlossen. Und könnte sich wieder öffnen.

Der FC Bayern hält sich bei Florian Wirtz alle Optionen offen
Der FC Bayern hält sich bei Florian Wirtz alle Optionen offenDer FC Bayern hält sich bei Florian Wirtz alle Optionen offen© IMAGO/Propaganda Photo

Kein Platz für Wirtz?

Das ist insofern bemerkenswert, weil der FC Bayern Wirtz aktuell tatsächlich nicht braucht. Rummenigge selbst verweist auf Jamal Musiala, Serge Gnabry und Ismael Saibari. Hinzu kommen Michael Olise und Luis Díaz. Für einen Spieler, für den Liverpool 2025 mindestens 125 Millionen Euro bezahlte, gibt es derzeit weder eine sportliche Notwendigkeit noch einen wirtschaftlich naheliegenden Grund. Erst vor wenigen Tagen hatte SPORT1 deshalb eingeordnet, warum ein neuerlicher Bayern-Vorstoß aktuell schwer vorstellbar ist. Nur: Kader sind Momentaufnahmen.

Gnabry wird im kommenden Sommer 32 Jahre alt, Díaz im anstehenden Winter 30. Auch unabhängig von konkreten Vertragslaufzeiten ist absehbar, dass die Münchner Offensive in den kommenden Jahren wieder verändert werden muss. Dann könnte sich auch die Frage nach Wirtz völlig neu stellen. Vor allem dann, wenn dessen England-Abenteuer weiterhin nicht so verläuft wie erhofft.

Denn bei aller Kritik an seinen bisherigen Leistungen in Liverpool: Die fußballerische Qualität des Nationalspielers ist in München nicht plötzlich vergessen. Ebenso wenig, dass Wirtz die Bundesliga kennt und über Jahre bewiesen hat, dass er in dieser Liga Spiele prägen kann.

DEINE MEINUNG

Dem FC Bayern wäre durchaus zuzutrauen, sich im richtigen Moment die Frage zu stellen, ob aus einem in England schwächelnden Weltklassespieler an der Säbener Straße wieder jener Florian Wirtz werden könnte, den der Verein 2025 unbedingt verpflichten wollte. Genau deshalb ist eine andere Passage aus Rummenigges Aussagen mindestens ebenso interessant wie die Frage nach dem sportlichen Bedarf.

Der Draht zur Familie Wirtz steht

„Uli und ich hatten eine Zeit lang Kontakt mit seinem Vater und seiner Mutter“, sagte er über sich und Klub-Patron Uli Hoeneß. Die Familie habe sich damals anders entschieden, „und das haben wir respektiert“. Anders formuliert: Man kennt sich. Oder etwas salopper: Die Nummer von Papa Wirtz haben die Bayern-Bosse vermutlich noch.

Sollte sich die Situation irgendwann verändern, müsste also niemand bei null anfangen. Hoeneß und Rummenigge hatten bereits einen direkten Draht zur Familie. Ein solcher Kontakt lässt sich leichter wieder aufnehmen, als eine Beziehung komplett neu aufzubauen. Papa Wirtz galt obendrein lange Zeit als regelrechter Fan von Hoeneß. Gerade deshalb können Rummenigges Aussagen auch als vorsichtiges Signal verstanden werden: Das Kapitel Wirtz ist aus Münchner Sicht offenbar nicht endgültig zugeschlagen. Mehr aber auch nicht.

Und genau bei dieser Dosierung liegt für den FC Bayern eine gewisse Gefahr. Denn die Familie Wirtz hat schon einmal erlebt, wie schnell aus bayerischem Interesse ein öffentliches Dauerthema werden kann.

SPORT1 berichtete im Mai 2025, dass Hans Wirtz überrascht und irritiert darüber war, wie konkret damals in Münchner Medien bereits über eine angebliche Einigung seines Sohnes mit dem FC Bayern und sogar über Vorverträge berichtet wurde. Zu offensives Werben könnte deshalb sogar kontraproduktiv sein.

Bayern hält sich alle Optionen offen

Hinzu kommt eine zweite, fast noch wichtigere Ebene: Sollte Wirtz irgendwann tatsächlich Liverpool verlassen wollen, müsste sich aus Sicht des FC Bayern die Geschichte gegenüber 2025 umdrehen. Damals wollten die Münchner den Spieler unbedingt – und Wirtz entschied sich für die Reds. Heute dürfte der FCB kaum den Eindruck erwecken wollen, dem Nationalspieler nun erneut hinterherzulaufen, nur weil sein ursprünglicher Karriereplan ins Stocken geraten ist.

Ein möglicher Wechsel müsste vielmehr wie eine neue Chance für beide Seiten aussehen. Nicht wie die Rettungsaktion eines Klubs, der eineinhalb oder zwei Jahre später doch noch nimmt, was er damals nicht bekommen konnte. Genau deshalb ist Rummenigges Ton bemerkenswert geschickt.

Er wirbt nicht. Er verspricht nichts. Er stellt sogar ausdrücklich fest, dass Bayern derzeit keinen Bedarf hat. Gleichzeitig erinnert er öffentlich daran, dass Hoeneß und er die Familie kennen und dass die damalige Entscheidung gegen München ohne böses Blut akzeptiert wurde. Das ist noch kein Startschuss für einen Wirtz-Deal.

Aber es ist eine ziemlich elegante Art, dafür zu sorgen, dass im Fall der Fälle noch jeder weiß, wo die Tür zur Säbener Straße ist.