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Krank ins Spiel: Kritik an Hummels

Krank ins Spiel: Kritik an Hummels

Trotz Erkältung meldet sich Mats Hummels beim FC Bayern fit für den BVB - wirkt aber benommen. Später ärgert er sich selbst, Matthäus und Kahn üben Kritik.
Obwohl er sich laut eigenen Angaben nicht wohl fühlte, spielte Mats Hummels in der zweiten Halbzeit gegen Dortmund weiter. Niko Kovac erklärt, weshalb.
Florian Plettenberg
Florian Plettenberg
Holger Luhmann
Holger Luhmann
von Florian Plettenberg, Holger Luhmann

Krank in die Partie gegangen, leicht benommen gespielt - und dann doch vorzeitig den Platz verlassen.

Mats Hummels erlebte bei seiner Rückkehr an alte Wirkungsstätte einen Samstagabend zum Vergessen. Zum einen, weil die Bayern trotz ihrer stärksten Saisonleistung 2:3 (1:0) bei Tabellenführer Borussia Dortmund verloren. Zum anderen, weil Hummels besser gar nicht gespielt hätte.

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"Ich bin heute krank geworden", erklärte der 29-Jährige den Grund seiner Auswechslung in der 65. Minute, als er Platz machte für Niklas Süle. (Alle Ergebnisse im Überblick)

Bereits am Freitag habe es den Innenverteidiger gesundheitlich "ein bisschen" erwischt, am Samstag "dann richtig", wie Hummels mitteilte: "Ich habe es in so einem Spiel dann natürlich unbedingt versuchen wollen. Erstens für das Spiel, zweitens für mich persönlich."

Das auf die Zähne-Beißen von Hummels wäre jedoch fast nach hinten losgegangen - für ihn persönlich und für den FC Bayern.

10. Minute: Hummels vertändelt als letzter Mann leichtfertig einen Ball an der Mittellinie. Dortmund kontert, kommt durch Marco Reus frei zum Abschluss, den Manuel Neuer aber pariert.

59. Minute: Hummels verliert erneut ohne Absicherung den Ball an der Mittellinie. Sancho drückt aufs Gaspedal, Hummels kommt nicht hinterher. Der Engländer bedient Paco Alcacer, Jerome Boateng grätscht aber im letzten Moment dazwischen.

Niko Kovac wusste Bescheid

"Man hat in den beiden Szenen gesehen, dass mein Kopf nicht so ganz da war. Ansonsten ging es eigentlich. Das ist mir seit 2010 nicht mehr passiert. Deswegen habe ich nach dem zweiten Mal gesagt, dass es keinen Sinn macht", erklärte Hummels selbstkritisch. "Bei den ersten beiden Malen hatte ich schon Glück, dass kein Tor daraus fiel."

Wusste Niko Kovac über den Gesundheitszustand seines Verteidigers Bescheid? Ja, Hummels selbst meldete sich spielfit. "Die Trainer wussten natürlich Bescheid. Ich ärgere mich, dass ich nicht schon zur Halbzeit gesagt habe, dass ich rausgehe. Es war alles dumpf und verschwommen", beschrieb Hummels seinen Zustand.

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Und was sagt Niko Kovac? "Er sagte das in der Halbzeit. Unsere Ärzte haben ihm ein Medikament verabreicht. Es hieß, es sei alles wieder okay. Deshalb habe ich ihn wieder auf den Platz geschickt. Hätte er gesagt, es geht nicht, hätte ich ihn mit Sicherheit zur Halbzeit rausgenommen."

Matthäus übt Kritik

Kurios: Auf der Bank saß Niklas Süle - gesund und ausgeruht, weil er schon am Mittwoch gegen Athen nicht spielte. Süles Einwechslung 20 Minuten nach Wiederanpfiff war dann praktisch ein Kaltstart. Zwei Minuten später agierte der Hummels-Ersatz prompt zu passiv gegen Marco Reus, der zum 2:2 traf (67.). Alcacer besorgte später den 3:2-Endstand (73.). (Tabelle der Bundesliga)

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Sky-Experte Lothar Matthäus übte am Hummels-Einsatz deutliche Kritik: "In so einem Spiel brauchst du elf Krieger, die fighten und körperlich in einer perfekten Verfassung sind. Man hätte mit Süle einen gleichwertigen Ersatz auf der Bank. Vielleicht mit weniger Erfahrung, aber er ist auch deutscher Nationalspieler. Diese Entscheidung ist nicht unbedingt nachzuvollziehen."

ZDF-Experte Oliver Kahn kritisierte, dass Hummels seine Erkrankung nach dem Spiel überhaupt thematisierte. "Da muss man sich schon fragen: Was geht denn in den Spielern vor?", meinte der ehemalige Bayern-Torhüter im Aktuellen Sportstudio: "Ich muss mich doch als Spieler nicht hinterher hinstellen und erzählen, dass ich jetzt krank war oder sonst irgendwas. Das interessiert doch einfach keinen."

Was dagegen in jedem Fall interessierte: Vor der Länderspielpause hat sich Dortmund nun einen Sieben-Punkte-Vorsprung auf die Bayern erarbeitet.

Hummels aber sieht den Meisterschaftskampf noch nicht entschieden, zieht stattdessen Positives aus dem Gastauftritt an alter Wirkungsstätte - trotz des für ihn persönlich gebrauchten Abends: "Wir müssen unsere Aufgaben erledigen und auf der ersten und auf Teilen der zweiten Halbzeit für die nächsten Wochen aufbauen."