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Bundesliga: Campus-Boom die Antwort des FC Bayern auf den Transfer-Wahnsinn?

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Bundesliga: Campus-Boom die Antwort des FC Bayern auf den Transfer-Wahnsinn?

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Bayerns Antwort auf Transfer-Wahnsinn

Bayerns Antwort auf Transfer-Wahnsinn

Mit Paul Wanner integriert der FC Bayern eines seiner größten und über mehrere Jahre ausgebildeten Talente fest bei den Profis. Ein weiterer Youngster könnte folgen. Trägt die Arbeit am Campus endlich Früchte?
Niklas Süle wird den FC Bayern im Sommer verlassen. Zuletzt kam Spekulationen auf, er könne sich Borussia Dortmund anschließen.
Kerry Hau
Kerry Hau

Diese Vertragsverlängerung macht Uli Hoeneß besonders froh!

Mit Paul Wanner bleibt eines der größten Talente Deutschlands langfristig beim FC Bayern. Neben den Kaderplanern Hasan Salihamidzic und Marco Neppe sowie Trainer Julian Nagelsmann sieht auch der Ehrenpräsident des Rekordmeisters in dem 16-Jährigen einen zukünftigen Eckpfeiler für die Bayern-Offensive. (DATEN: Die Tabelle der Bundesliga)

Hoeneß: „Antwort auf Entwicklung im internationalen Fußball“

Und deshalb blieb Hoeneß während der wochenlangen Zukunftsdebatte um den Jungen aus dem Allgäu alles andere als untätig! Nach SPORT1-Informationen ließ er seinen „Ziehsohn“ Salihamidzic wissen, dass der von vielen Vereinen umworbene Teenager unbedingt gehalten und mit einem sinnvollen Karriereplan ausgestattet werden müsse.

Für den langjährigen Klub-Boss ist die Förderung des eigenen Nachwuchses eine Herzensangelegenheit. Als die Bayern im August 2017 ihren Talente-Campus im Norden Münchens eröffneten, gestand er Fehler im Umgang mit jungen Spielern ein, kündigte aber zugleich an: „Ich bin überzeugt, dass wir mit dem Campus die richtige Antwort auf die Entwicklung im internationalen Fußball geben können, auf den ganzen Transfer-Wahnsinn und die Gehaltsexplosionen.“

Zunächst sah es nicht unbedingt danach aus, als würden auf Hoeneß' Worte auch Taten folgen. Vielversprechende Talente wie Lars Lukas Mai, Angelo Stiller, Woo-yeong Jeong oder Oliver Batista Meier schnupperten zwar hin und wieder am Profikader. Den Durchbruch schafften sie aus unterschiedlichsten Gründen aber nicht – und kehrten dem Campus schließlich den Rücken, weil sie woanders bessere Chancen auf Spielzeit im Profibereich sahen. (Sabitzer ein Flop? Berater reagiert)

Erst mit der Beförderung von Jamal Musiala (18) im Jahr 2020 gelang den Campus-Chefs um Leiter Jochen Sauer ein nachhaltiger Erfolg – auch wenn das Ausnahmetalent aus Stuttgart hauptsächlich vom FC Chelsea ausgebildet und nur ein knappes Jahr von den Nachwuchschefs des FCB „veredelt“ wurde, ehe der damalige Proficoach Hansi Flick ihn unter seine Fittiche nahm.

Moj: Wanner „Typ Straßenkicker“

Die eingeschlagene Richtung war aus Bayern-Sicht dennoch die richtige und in wirtschaftlich unangenehmen Corona-Zeiten umso mehr gewünschte – und wird nun unter Flicks Nachfolger Nagelsmann mächtig angekurbelt. Nach Abwehrspieler Josip Stanisic (21) und Mittelfeldspieler Malik Tillman (19) ist Wanner bereits das dritte Eigengewächs, das innerhalb eines Jahres mit einem Profivertrag belohnt wird.

Der Spielmacher wird intern als größtes Talent aus der Region seit Thomas Müller gesehen. Er spielt seit seinem 12. Lebensjahr beim FCB und hat vor allem unter der Leitung des heutigen U17-Trainers Alexander Moj entscheidende Entwicklungsschritte gemacht.

Mit 15 lud ihn Nagelsmann erstmals ins Training ein – und zeigte sich schnell von dessen Unbekümmertheit und Reife begeistert. „Paul ist sehr kreativ und intuitiv in seinen Aktionen“, lobt Moj seinen ehemaligen Schützling bei SPORT1. „Seine Technik, vor allem sein erster Kontakt, und das Eins-gegen-Eins sind seine größten Waffen. Typ Straßenkicker.“

Für die Bayern ist die Verlängerung mit Wanner ein Coup. Sie verstärken ihren Kader mittel- bis langfristig mit einem interessanten Spieler, der keine Ablöse kostet und nebenbei sogar noch das Mia-San-Mia-Gen in sich trägt. (DATEN: Ergebnisse und Spielplan der Bundesliga)

Auch wegen Wanners Aufstieg haben Salihamidzic und Co. nicht vor, teure Talente von außerhalb wie Bayer Leverkusens Florian Wirtz (18) zu verpflichten. Mit Gabriel Vidovic (18) könnte demnächst ein weiteres Eigengewächs einen Profivertrag erhalten. Der Deutsch-Kroate trainiert schon seit mehreren Monaten unter der Regie von Nagelsmann, wartet aufgrund mehrerer Verletzungen aber noch auf seine Chance. „Er ist ein herausragender Fußballer“, sagt der Bayern-Trainer über den Angreifer.

Während andere Top-Klubs den Wintertransfermarkt genutzt haben, um sich hochkarätig und teuer zu verstärken, hat sich Bayern zurückgehalten. Das sind die Gründe.
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Keine Transfers: Darum hat Bayern nicht zugeschlagen

Keine Perspektive in München?

Der Campus boomt! Zur Wahrheit gehört aber auch, dass sich der FCB nach wie vor nicht als Ausbildungsverein betrachtet und jedes Jahr mit den europäischen Schwergewichten um die Champions League kämpfen will. Der Kader von Nagelsmann ist zu gut bestückt, um allen talentierten Spielern eine Chance zu geben.

Das beste Beispiel: Nemanja Motika, der mit 23 Torbeteiligungen in der Regionalliga noch vor Vidovic (19 Torbeteiligungen) der Top-Scorer der zweiten Mannschaft ist. Der 18-Jährige steht nach SPORT1-Informationen kurz vor einem Wechsel in seine Heimat Serbien zu Roter Stern Belgrad, wo das Transferfenster noch bis zum 12. Februar geöffnet ist.

Den Bayern winken für Motika etwas mehr als zwei Millionen Euro. Eine stolze Summe für einen Spieler, der keinerlei Erfahrung im Profibereich aufweist. Die Kehrseite der Medaille: Ohne ihn dürften die Chancen auf den fest angepeilten Aufstieg der Bayern-Amateure von der Regionalliga in die 3. Liga sinken. Doch der Spieler sieht für sich keine Perspektive in München. Er ist nicht der Einzige!

Auch Booth verlässt den Verein

Im Sommer geht mit Taylor Booth (20) ein weiteres Talent, das bereits unter Nagelsmann vorspielen durfte, zum FC Utrecht. Immerhin: Für den hinten rechts und im Mittelfeld einsetzbaren US-Amerikaner bekommen die Bayern nach SPORT1-Informationen trotz dessen auslaufenden Vertrages noch eine beachtliche Ausbildungsentschädigung im sechsstelligen Bereich.

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Kenan Yildiz (16/Mittelfeld) und Marcel Wenig (18/Mittelfeld) hingegen könnten demnächst nahezu ablösefrei wechseln. Unklar ist auch, wie es mit Spielern wie Jamie Lawrence (19/Abwehr), Torben Rhein (18/Mittelfeld), Armindo Sieb (18/Mittelfeld) oder Christopher Scott (19/Angriff) weitergeht, die zwar allesamt in der Sommer-Vorbereitung eine Chance unter Nagelsmann erhalten, sich aber nicht für höhere Aufgaben empfohlen haben und allmählich in ihrer Entwicklung vorankommen wollen.

Bei den meisten dieser Spieler bieten sich Leihgeschäfte wie bei dem derzeit erfolgreich in Anderlecht geparkten Joshua Zirkzee (20) an. Mit Bright Arrey-Mbi (18) hat auf Anraten der Verantwortlichen bereits eine Nachwuchshoffnung den Zirkzee-Weg eingeschlagen. Der Verteidiger, der 2020 unter Ex-Bayern-Trainer Flick bereits Champions-League-Luft schnupperte, verbringt die nächsten eineinhalb Jahre beim 1. FC Köln. Die Bayern hoffen, 2023 einen Spieler zurückzubekommen, den sie entweder fest in ihr Team integrieren oder aber gewinnbringend verkaufen können. (NEWS: Alle aktuellen Infos zur Bundesliga)

Dem zwei Jahre jüngeren Wanner trauen sie dagegen schon jetzt die Bundesliga zu. Ein Ritterschlag, ganz zur Freude von Uli Hoeneß.

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