Sportlich könnte es für die TSG Hoffenheim kaum besser laufen. Fünf Siege in Folge, Platz drei in der Bundesliga, die historisch beste Bilanz zu diesem Saisonzeitpunkt – und am Sonntag (17:30 Uhr im LIVETICKER) wartet mit dem Gastspiel beim FC Bayern das nächste Ausrufezeichen. Doch hinter den Kulissen des Klubs aus dem Kraichgau brodelt es gewaltig. Ein Machtkampf in der Chefetage droht ausgerechnet jetzt den Höhenflug zu gefährden.
Bundesliga: Machtkampf erschüttert Hoffenheim - so äußert sich Schicker
Ein riskanter Machtkampf zur Unzeit
Sport-Geschäftsführer Andreas Schicker, zusammen mit Cheftrainer Christian Ilzer, Architekt des sportlichen Erfolgs und verantwortlich für den derzeit wohl besten Kader der Klubgeschichte, soll vor dem Aus stehen.
Einige Medien berichten übereinstimmend, dass der 39-jährige Österreicher als TSG-Boss bereits am Tag nach dem Bayern-Spiel Geschichte sein könnte. Für Montag soll Christoph Henssler, der 29 Jahre alte Interims-Präsident des Muttervereins mit Ultra-Vergangenheit, eine Gesellschafterversammlung einberufen haben.
Beben in Hoffenheim! Henssler plant die Machtübernahme
Im Raum steht offenbar ein drastischer Schritt: Schicker könnte als Geschäftsführer abberufen und zum reinen Sportchef degradiert werden - ein Szenario, das als kaum vorstellbar gilt. Insider sprechen von einem klaren Plan Hensslers, die Geschäftsführung nach eigenen Vorstellungen neu aufzustellen und Vertraute auf Schlüsselpositionen zu hieven – noch vor der Mitgliederversammlung im März.
Als mögliche Begründung für eine Degradierung Schickers kursiert laut Medienberichten ein angeblicher Formfehler bei internen Vorgängen, der diesem angelastet wird. Aus Vereinskreisen ist zu hören, der Vorwurf wirke konstruiert – eher wie ein Hebel, um den Erfolgsmanager aus der Geschäftsführung zu drängen.
Auf eine Anfrage von SPORT1 an Henssler reagierte der Verein nur kurz und teilte lediglich mit: „Vielen Dank für Ihre Anfrage. Diese bleibt zum aktuellen Zeitpunkt unbeantwortet.“
Wirbel beim Hopp-Klub - ein Konflikt mit Vorgeschichte
Der Machtkampf zieht sich bereits seit über einem Jahr durch den Klub von Gesellschafter Dietmar Hopp. Anfang November mussten Markus Schütz (Vorsitzender der Geschäftsführung) und Finanzchef Frank Briel im Zuge der Auseinandersetzungen mit dem Spielerberater und Hopp-Vertrauten Roger Wittmann gehen, vor wenigen Tagen folgte Marketing- und Vertriebsgeschäftsführer Tim Jost.
Nach übereinstimmenden Medienberichten wurden am Donnerstag auch der Justiziar Arno Metz und Asmahan Gamgami, verantwortlich für das Ressort „People & Culture“, freigestellt. SPORT1 kann die Meldungen bestätigen. Beide galten als Vertraute von Henssler - er wollte sie angeblich als neue Geschäftsführer einsetzen.
Schicker blieb bislang als letzte Konstante in der Führungsetage – und genau das scheint ihm nun zum Verhängnis zu werden. Dabei hatte er sich erst im November, nach einem flirtartigen Annäherungsversuch des VfL Wolfsburg, überraschend für einen Verbleib im Kraichgau entschieden.
Sportlicher Erfolg in Gefahr
Dass der Österreicher maßgeblich für den sportlichen Erfolg verantwortlich ist, steht außer Frage. Er ist enger Vertrauter von Trainer Ilzer und verantwortlich für den neu strukturierten Kader, der aktuell begeistert. Wie hoch sein Anteil einzuschätzen ist, machte zuletzt Klub-Ikone Andrej Kramaric deutlich.
„Was Christian Ilzer und Andreas Schicker im Sommer gemacht haben, ist unglaublich. Wir haben super Transfers gemacht“, sagte der Kroate bei Sky. „Das ist der beste Kader, den wir in den letzten zehn Jahren in Hoffenheim hatten.“
Kramaric träumt von der zweiten Champions-League-Teilnahme der Vereinsgeschichte – eigentlich wollte er in diesen Tagen mit Schicker über eine Verlängerung seines zum Saisonende auslaufenden Vertrags sprechen.
Fokus auf FC Bayern – trotz Beben
Ob das Theater abseits des Platzes die Mannschaft belastet, wird sich am Sonntag in der Allianz-Arena zeigen. „Wir freuen uns extrem auf dieses Spiel. Das wird ein super Test. Wenn wir die Leistung der vergangenen Wochen zeigen, können wir etwas holen“, so Kramaric.
Trainer Ilzer gab sich betont nüchtern: „Es gibt viele Schulterklopfer. Aber wir müssen den Fokus auf die wichtigen Dinge richten. Wir kommen nur weiter, wenn wir jedes einzelne Training bestmöglich nutzen.“
Auch Schicker selbst hält sich öffentlich zurück. Zu SPORT1 sagte er lediglich: „Am Sonntag steht ein Spitzenspiel an, wenn wir gegen Bayern München antreten. Darauf liegt mein Fokus. Mir geht es darum, die sportliche Erfolgsgeschichte der TSG Hoffenheim fortzuschreiben.“
Ein riskantes Spiel
Doch hinter den Kulissen läuft längst ein anderes Spiel - eines um Macht, Einfluss und die Zukunft des Klubs. Viele Beobachter halten Hensslers Vorgehen für riskant. Ein Eingriff in die sportliche Führung mitten in einer Erfolgsphase, kurz vor einem Topspiel, birgt enormes Sprengpotenzial.
Während Mannschaft, Trainer und Fans auf den Sonntag in der Allianz-Arena blicken, werden bei der TSG Hoffenheim bereits die nächsten Weichen gestellt – weniger auf dem Spielfeld, mehr abseits davon.