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Bundesliga: Was steckt hinter der größten Transfer-Überraschung am Deadline Day?

Was steckt hinter diesem Deal?

RB Leipzig hat am Deadline Day für eine echte Überraschung gesorgt und Brajan Gruda zurück in die Bundesliga geholt. Von dem Wechsel erhoffen sich beide Seiten einiges.
RB Leipzig verpflichtet am Deadline Day Brajan Gruda von Brighton & Hove Albion per Leihe bis zum Saisonende. Schon 2024 baggerte RB am deutschen U21-Nationalspieler.
RB Leipzig hat am Deadline Day für eine echte Überraschung gesorgt und Brajan Gruda zurück in die Bundesliga geholt. Von dem Wechsel erhoffen sich beide Seiten einiges.

Fußballprofis neigen dazu, Vereinswechsel mit immergleichen Floskeln zu begleiten. Von neuen Herausforderungen ist dann die Rede, von großer Vorfreude auf Mannschaft und Fans, vom festen Willen, die Ziele des neuen Arbeitgebers zu erreichen. Auch Brajan Gruda sprach am Montag einen dieser Sätze – allerdings einen, der augenscheinlich ernster gemeint war als viele andere: „Ich wollte unbedingt zu RB Leipzig wechseln, als klar war, dass für mich ein Winterwechsel möglich ist.“

Dass hinter den Worten tatsächlich eine ganze Menge steckte, zeigte sich wenig später ganz konkret. Statt wie üblich ein Flugzeug zu besteigen, setzte sich Gruda ins Auto und machte sich von England aus auf den Weg nach Sachsen. Rund 1.060 Kilometer beträgt die Strecke von seinem bisherigen Klub Brighton & Hove Albion nach Leipzig. Wie die Bild berichtete, begleiteten ihn zwei Freunde. Die Fahrt dauerte demnach etwa elf Stunden – gestartet war sie spontan am Samstagabend.

Nach der Fahrt durch den Eurotunnel, quer durch Frankreich, Belgien, die Niederlande und große Teile Deutschlands, erreichte der 21-Jährige am Sonntagmorgen Leipzig. Am Nachmittag stand der Medizincheck an, kurz nach Mitternacht folgte die Vertragsunterschrift – und damit einer der überraschendsten Transfers dieses Bundesliga-Winters. Schließlich hatte bis zuletzt kaum etwas darauf hingedeutet, dass der flexible Offensivspieler seine Zelte im Süden der britischen Insel so schnell abbrechen würde.

Gruda bekommt in Leipzig besondere Rückennummer

Noch wenige Tage zuvor hatte Gruda in England ganz selbstverständlich über seine Zukunft in Brighton gesprochen. Das Saisonziel sei klar, erklärte der deutsche U21-Nationalspieler: die Qualifikation für den europäischen Wettbewerb. „Wir müssen von Spiel zu Spiel schauen, 100 Prozent geben und die Punkte holen“, meinte er da – und blickte auch auf seinen Wechsel im Sommer 2024 zurück. Ausschlaggebend sei damals gewesen, dass ihn sowohl der Klub als auch Trainer Fabian Hürzeler unbedingt hätten verpflichten wollen.

Vollends heimisch wurde der Offensivspieler auf der britischen Insel allerdings nie. In der laufenden Saison kam Gruda in 20 Pflichtspielen auf drei Tore und drei Vorlagen für den Premier-League-Klub. Vielleicht auch deshalb benötigte sein neuer Verein keine lange Überzeugungsarbeit.

Zwar handelt es sich zunächst lediglich um eine Leihe bis zum Saisonende, doch in Leipzig wird Gruda künftig mit einer besonderen Rückennummer auflaufen: der 10. Dass die Sachsen den 21-Jährigen schon länger im Blick hatten, machte Geschäftsführer Marcel Schäfer deutlich.

„Wir haben ihn seit mehreren Jahren auf dem Schirm und hätten ihn 2024 gern nach Leipzig geholt. Auch danach ist der Kontakt nie abgerissen“, sagte Schäfer. Gruda bringe Tempo, technische Qualität und Kreativität mit, verfüge über eine starke Ballkontrolle und passe mit seiner Einstellung, seiner Physis und seinem Einsatz auch im Defensivverhalten zum Leipziger Spielstil. „Er hat in der Premier League regelmäßig gespielt, ist fit und wird kaum Eingewöhnungszeit benötigen“, so Schäfer weiter.

Leipzig: Gruda ist ein klassischer Straßenfußballer

Obendrein ist Gruda die Bundesliga trotz seines jungen Alters bestens vertraut – und umgekehrt. Der Mittelfeldspieler feierte im Januar 2023 beim 1. FSV Mainz 05 sein Debüt in Deutschlands höchster Spielklasse und begeisterte die Fans auf Anhieb. Bereits in seiner ersten Saison war er fester Bestandteil des Profikaders und ließ regelmäßig aufblitzen, was er in Kindheitstagen in seiner Geburtsstadt Speyer gelernt hatte: also nahezu alles, was einen klassischen Straßenfußballer ausmacht.

Ein paar Wohnblocks, viele Kinder und Jugendliche mit Lust auf Fußball, ein Ball und zwei Handballtore – mehr brauchte es nicht für lange Nachmittage auf dem Bolzplatz. So erinnert sich Gruda einmal an seine Jugend. „Die Jungs waren größtenteils älter als ich, teilweise über 20 Jahre alt. Ich durfte als Einziger mitspielen, auch mein Vater war manchmal dabei“, erzählte er.

„Das war eine geile Zeit und eine gute Schule für mich. Man kann schon sagen, dass meine Dribbelstärke aus dieser Zeit stammt.“

Seine Unbekümmertheit zeigte Gruda auch in den Stadien der Bundesliga. Respekt vor älteren Gegenspielern oder großen Namen kannte er nach seiner Ankunft nicht, stattdessen suchte er immer wieder mutig das Eins-gegen-Eins, besonders über die rechte Außenbahn. In Leipzig hofft man nun, dass der 21-Jährige an seine starken Mainzer Zeiten anknüpfen kann – auch wenn die interne Konkurrenz groß ist. Vor allem auf dem rechten Flügel, wo sich Yan Diomande längst festgespielt hat.

Bewirbt sich Gruda bei Nagelsmann?

Doch Trainer Ole Werner hat durchaus auf anderen Positionen Bedarf. Assan Ouédraogo fällt noch längere Zeit aus, Gruda könnte daher als Achter eine Option sein. Klar ist in jedem Fall: Dem Neuzugang ist in Leipzig eine wichtige Rolle zugedacht. Allein die Tatsache, dass er als Leihspieler ohne Kaufoption die Rückennummer 10 erhält, sagt viel über sein Standing aus.

Zugleich dient sie als Signal – und als sanfte Form der Umwerbung. Denn trotz der fehlenden Option rechnen sich die Bosse Chancen aus, Gruda im Sommer fest zu verpflichten, sollte die Rückrunde für alle Seiten erfolgreich verlaufen.

Für Gruda selbst wäre eine starke Restsaison indes auch aus persönlicher Sicht von zentraler Bedeutung. Sie soll ihm helfen, sich einen großen Traum zu erfüllen: die Teilnahme an der Weltmeisterschaft 2026. „Es ist natürlich ein Traum. Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass es kein Traum ist. Wer will keine WM spielen?“, sagte er kürzlich noch im Trikot von Brighton & Hove Albion. Deshalb gebe er alles – und schaut dann, was kommt.

Kontakt zu Bundestrainer Julian Nagelsmann gebe es bislang zwar noch nicht. „Ich hoffe aber, dass der Kontakt kommt, wenn die Leistung auf dem Platz stimmt. Dann gehe ich davon aus, dass ein Anruf reinkommt“, erklärte Gruda. Läuft alles nach Plan, bietet sich ihm bereits am kommenden Sonntag im Auswärtsspiel beim 1. FC Köln die erste Gelegenheit, im Trikot von RB Leipzig auf sich aufmerksam zu machen.

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