André Schürrle, Christian Pulisic, Shinji Kagawa oder auch Alexander Isak. Als diese Spieler im Sommer 2019 Borussia Dortmund verließen, wechselte Julian Brandt zum BVB. Mit Mario Götze oder Julian Weigl spielte der Offensivspieler sogar noch eine weitere Saison zusammen.
Brandt-Aus beim BVB: Eine überfällige Entscheidung
Es ist Schluss - und das ist gut so
Beispiele, die verdeutlichen, wie lange der 29-Jährige inzwischen beim BVB ist. Nach sieben Jahren ist für den dienstältesten Borussen im Sommer Schluss. Und das ist gut so – für beide Seiten.
Brandt prägte eine Epoche beim BVB, in der die Dortmunder zu oft hinter den eigenen Erwartungen zurückblieben. Er wurde zum Gesicht einer Generation, die – abgesehen vom DFB-Pokal 2021 – nicht gerade für Erfolg steht.
Teil einer traumatisierten BVB-Generation
Er war Teil jener Generation, die die Meisterschaft gegen Mainz aus der Hand gab und auch das Champions-League-Finale in Wembley verlor. Auch wenn das in Dortmund im Nachhinein gerne als Errungenschaft verklärt wird: Brandt war Teil dieser Generation, um die nicht selten eine Mentalitätsdebatte geführt wurde.
Logischerweise lag das nicht allein an ihm. Im Gegenteil. Nicht selten war er der Spieler, der noch dieses gewisse Etwas hatte – der für besondere Momente stand. So auch in dieser Saison, in der er noch einmal einen Schritt nach vorne machte und einer der Hauptakteure einer rekordverdächtigen Bundesliga-Spielzeit ist. Und das, obwohl ihm genau das nur die wenigsten zugetraut hatten.
Die hohen Erwartungen, die der Gewinner der Fritz-Walter-Medaille in Silber (2013) bei seinem Wechsel als 23-Jähriger von Bayer 04 Leverkusen nach Dortmund weckte, konnten er allerdings nie zu 100 Prozent – und vor allem nie dauerhaft – erfüllen. Zu stark schwankten seine Leistungen. Von Weltklasse bis völlig unsichtbar war alles dabei. Genau diese Unbeständigkeit verhinderte auch eine wirklich große Karriere in der deutschen Nationalmannschaft.
Für Brandt ist die Trennung der richtige Schritt
Dabei gehört Brandt zu den feinsten Technikern der Bundesliga. Zu jenen Spielern, die aus dem Nichts etwas Besonderes entstehen lassen können. Ein Spieler, für den Fans eigentlich ins Stadion gehen.
Und trotzdem hatte man häufig das Gefühl: Am besten funktionierte Brandt, wenn er nicht im grellen Scheinwerferlicht stand. Wenn der Druck nicht maximal war. Immer wieder wirkte es, als hemme ihn genau dieser Druck – oder auch der Ballast der Kapitänsbinde.
Es wäre daher keine Überraschung, wenn er mit seinen 29 Jahren – im Mai wird er 30 – bei einem Verein abseits der ganz großen Bühne noch einmal richtig aufblüht. Für einen Mittelfeldstrategen ist das immer noch ein hervorragendes Fußballeralter.
Und genau deshalb ist dieser Schritt für ihn der richtige: noch einmal alles herauskitzeln. Noch einmal beweisen, was wirklich in ihm steckt. Das Zeug dazu hat er.
Für den Verein wiederum ist es die Chance, endlich etwas Neues zu wagen. Endlich. Denn viel zu oft entstand in den vergangenen Jahren der Eindruck, dass die Verantwortlichen beim BVB den unangenehmen Weg gescheut haben.
Jetzt ist es nur konsequent, den Neuanfang zu wagen. Platz zu schaffen für neue Spieler auf spielprägenden Positionen. Zeit, den längst überfälligen Generationenwechsel einzuleiten.
Brandt wird nicht nur auf dem Platz fehlen
Mit Julian Brandt verliert Borussia Dortmund in wenigen Wochen nicht nur seinen dienstältesten Profi, sondern auch eine prägende Persönlichkeit der vergangenen Jahre. Vor allem wegen seines Auftretens abseits des Platzes: klare Worte, rationale Analysen, großer Fußballsachverstand – für jedes Interview Gold wert und als Gesprächspartner stets angenehm. Dass man sich mit ihm auch über Themen weit über den Fußball hinaus unterhalten kann, macht ihn in der Kabine extrem beliebt.
Und dennoch ist diese Entscheidung eine Win-win-Situation.
Hätte das Spiel gegen Mainz oder das Finale gegen Real Madrid ein anderes Ende genommen, wäre Julian Brandt wohl als einer der ganz Großen gegangen. So wird die Erinnerung an einen herausragenden Fußballer – und an einen richtig guten Typ bleiben. Aber eben auch an einen Teil jener Generation, die – abgesehen vom Pokalsieg – zu wenig aus ihren Möglichkeiten machte.