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Wie fest sitzt Rose noch im Sattel?

Wie fest sitzt Rose noch im Sattel?

Das frühe Ausscheiden aus der Champions League setzt den BVB unter Druck und wirft Fragen in Sachen Kaderplanung auf. Diese Dinge muss Coach Rose abstellen.
Patrick Berger
Patrick Berger
von Patrick Berger

„Last Call“ für Marco Rose! Als einer der letzten schlich der BVB-Trainer am Donnerstagvormittag um 10.02 Uhr Ortszeit durch Gate S15 am Lissaboner Flughafen Humberto Delgado.

Der Coach wirkte auf dem Weg in den Sonderflieger „EW1909″ geknickt. Die 1:3-Pleite bei Sporting, die das vorzeitige Champions-League-Aus nach nur fünf Spieltagen bedeutete, sitzt auch bei ihm tief.

„Das ist sehr enttäuschend“, sagte Rose. „In der Summe ist der Fußball gerecht. Wir waren nicht konsequent und kompromisslos genug. Es war unser klares Ziel, nächstes Jahr in allen drei Wettbewerben dabei zu sein. Die Champions League ist jetzt aus. Das ist schon ein Einschnitt.“

Erstmals seit der Saison 2017/2018 verpasst der Pott-Klub das Achtelfinale der lukrativen Königsklasse und spielt nur in der Europa League. Im Herbst 2017 schied man zuletzt in der Vorrunde aus und rettete sich nur mit zwei schmeichelhaften 1:1-Spielen gegen Nikosia in den unliebsamen Wettbewerb. Der damalige Coach, Peter Bosz, wurde gefeuert. (DATEN: Ergebnisse und Spielplan der Champions League)

Es gibt noch keine Trainerdebatte

Wird es jetzt auch für Rose eng?

Die Vorzeichen waren damals andere. Bosz hatte zuvor in der Liga sieben Spiele am Stück nicht gewonnen. Im Kerngeschäft, der Bundesliga, ist Rose mit dem BVB dagegen voll im Soll und mit nur einem Punkt Rückstand hinter den Bayern auf Platz zwei. Mit einem Punkteschnitt von 2,25 und 75 Prozent gewonnener Bundesliga-Spiele (9 von 12) ist Rose aktuell bester BVB-Coach.

Der BVB ist nach der Niederlage gegen Sporting Lissabon aus der Champions League ausgeschieden. Das erste Saisonziel, das Erreichen des Achtelfinals, verfehlt - die Luft für Marco Rose scheint eng zu werden.
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Rose-Aus? "Für ihn kann es kritisch werden!"

Und trotzdem wird die Kritik am gebürtigen Leipziger lauter. Die für gewöhnlich gut informierte SZ schrieb vor zwei Wochen schon davon, dass es im Verein „trotz des guten Tabellenplatzes (in der Liga) ein Grummeln“ in Bezug auf die Arbeit des Trainers gibt.

Nach SPORT1-Informationen wird auf der Chefetage am Rheinlanddamm allerdings noch keine Trainerdebatte geführt. Die BVB-Bosse sind sich bewusst, dass eine faire Bewertung mit Blick auf die angespannte Personalsituation kaum möglich ist und sind weiterhin von Rose überzeugt. Erst kürzlich betonte Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke im STAHLWERK Doppelpass, dass Rose „wie die Faust aufs Auge“ zu Dortmund passe.

Hinzu kommt, dass der Großteil der Mannschaft – darunter wichtige Führungsspieler wie etwa Marco Reus oder Mats Hummels – hinter Rose stehen. Kürzlich erst sagte BVB-Kapitän Reus im exklusiven SPORT1-Interview: „Zwischen mich und Marco Rose passt kein Blatt Papier.“ Der Coach habe bislang „hervorragende Arbeit geleistet, und das wird er auch in Zukunft tun.“ (NEWS: Alle aktuellen Infos zur Champions League)

Zorc: Die Mannschaft ist jetzt in der Pflicht“

Klar ist aber auch, dass Rose bis zum Jahreswechsel mit seinem Assistenz-Stab unter Beobachtung steht. Die beiden anstehenden Liga-Spiele sind richtungsweisend – da wird sich entscheiden, wohin die Reise für den BVB - und auch für Rose - gehen wird.

„Es stehen jetzt in Wolfsburg und gegen Bayern die nächsten Aufgaben vor der Tür, die alles andere als einfach sind“, weiß Zorc und erhöht den Druck auf die Spieler: „Ich glaube, dass die Mannschaft da jetzt auch in der Pflicht ist.“

Zur Erinnerung: Für eine Ablöse von 5 Millionen Euro haben die Dortmunder Rose aus Gladbach freigekauft und im Sommer mit einem Vertrag bis 2024 ausgestattet. Interims-Pokalsieger-Trainer Edin Terzic machte Platz und übernahm die extra geschaffene Position des Technischen Direktors.

BVB-Trainer Marco Rose ist klar enttäuscht nach der Niederlage in Lissabon. Er weiß, dass die Mannschaft besser werden muss, um auch in Zukunft wieder Champions League Niveau zu spielen.
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So erklärt Rose den BVB-K.o.

Bei der Rose-Vorstellung erhofften sich die Verantwortlichen einen aktiven Vollgas-Fußball. Bislang ist die Handschrift des Trainers jedoch nur in Ansätzen zu erkennen. Wie denn auch sonst, wenn die einzige Konstante über Wochen hinweg die vielen Ausfälle sind und es dem Kader in der Breite an Substanz und Qualität fehlt?

Ist der Kader falsch zusammengestellt?

In Lissabon standen sicherlich keine No-Names auf dem Platz. Nico Schulz, Emre Can, Julian Brandt, Axel Witsel und Donyell Malen kosteten den BVB insgesamt rund 125 Millionen Euro an Ablöse.

Ein weiterer Punkt, wofür auch Rose nichts kann: Die Tore fallen nach teils haarsträubenden individuellen Fehlern. „Es ist viel zu einfach, gegen uns Tore zu machen“, monierte Rose, der mit dem BVB nun elf (!) Treffer in der Champions League kassiert hat - nur vier Teams sind schlechter!

„Wir müssen besser werden - in vielen Bereichen“, weiß Rose und schob kämpferisch nach: „Es ist unsere Pflicht nicht zu resignieren. Wir hatten in den letzten Wochen auch schon schwierige Momente. Wir müssen als Gruppe daran bleiben und konsequenter werden und auch mit den Ausfällen besser umgehen. Mein Gott, dann fällt halt mal ein Spieler aus, dann ist es so. Wir haben einen breiten Kader und dann können sich andere Spieler zeigen.“

In den nächsten beiden Krachern gegen Wolfsburg und Bayern sollten die hoch dekorierten BVB-Stars die vielen Patzer aus unterschiedlichsten Gründen vermeiden.

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