Lamine Yamal gehört ohne Zweifel zu den besten Fußballern der Welt und zählt beim FC Barcelona zu den absoluten Leistungsträgern – und das mit gerade einmal 18 Jahren.
Gerät er auf Abwege?
Gerät er auf Abwege?
Im Vorfeld des Champions-League-Viertelfinals gegen Atlético Madrid (Hinspiel ab 21 Uhr LIVETICKER) steht der junge Superstar aber nicht nur aus sportlichen Gründen in den Schlagzeilen: Zuletzt sorgten seine frustrierten Auftritte wiederholt für Aufsehen.
Der jüngste Vorfall um Yamal ereignete sich beim 2:1-Erfolg in der Liga gegen Atlético Madrid am Sonntag. Trotz des späten Siegtreffers durch Robert Lewandowski war der junge Spanier aufgebracht und feierte nicht mit seinen Teamkollegen. TV-Bilder zeigten zudem, wie Verteidiger Pau Cubarsí beruhigend auf Yamal einsprach.
Nach Abpfiff verließ er lamentierend den Innenraum, diskutierte auf dem Weg in die Katakomben mit Trainer Hansi Flick. Der genaue Auslöser für den Ärger des 18-Jährigen ließ sich zunächst nicht erkennen. Spanische Medien berichteten später von einem möglichen Zwist mit Barcas Torwarttrainer Ramón de la Fuente.
Yamal: Nicht der erste Frust-Abgang
Flick äußerte sich auf der anschließenden Pressekonferenz zur Situation mit Yamal: „Es sind viele Emotionen im Spiel, und Lamine hat alles versucht, um das zweite Tor zu erzielen. Das ist großartig. Nicht alles war perfekt, aber er hat alles versucht.“ Zuvor hatte der Coach schon bei DAZN klargestellt: „Wir haben in der Kabine geredet und alles ist gut.“
Dennoch kam es nicht zum ersten Mal vor, dass Yamal alles andere als einen zufriedenen Eindruck machte. Im letzten Ligaspiel vor der zurückliegenden Länderspielpause, einem knappen 1:0-Erfolg gegen Rayo Vallecano, war der Spanier kurz vor Schluss für Marcus Rashford ausgewechselt worden. Beim Gang nach draußen würdigte er Flick keines Blickes, dafür soll er mehrfach „Immer ich, das ist verrückt“ gesagt haben.
Eine ähnliche Situation spielte sich bereits Ende Februar beim 3:0 gegen UD Levante ab. Von seiner Auswechslung kurz vor Schluss (88.) war Yamal einmal mehr gefrustet. Mit mürrischer Miene begab er sich zur Seitenlinie und setzte sich widerwillig auf die Bank. Einen Handschlag mit Flick gab es nicht.
Flick schützt Yamal: „Das ist menschlich“
Der ehemalige Bundestrainer wurde anschließend deutlich: „Welche Reaktion? War er wütend? Das ist normal. Für mich ist das Wichtigste, dass wir gewonnen haben. Ihr messt allem, was Lamine tut, zu viel Bedeutung bei. Ich habe kein Problem mit seiner Reaktion, das ist menschlich“, stellte er auf der Pressekonferenz klar.
Auffällig: In den drei genannten Partien blieb Yamal trotz vielfacher Bemühungen ohne eigenen Treffer, gegen Levante gelang ihm immerhin ein Assist.
Es zeigt den schmalen Grat, auf dem sich der 18-Jährige bewegt. Ihm ist hoch anzurechnen, dass er immer auf dem Platz stehen will, um dabei in Form von Toren bestmögliche Leistungen zu erzielen. Es zeugt schon im jungen Alter von maximalem Ehrgeiz.
Barcelona: Starallüren bei Yamal?
Yamal will sein Können unter Beweis stellen – gleichzeitig schienen seine Reaktionen in den letzten Wochen angesichts der herausragenden sportlichen Verfassung von Barca und Yamal nicht immer angemessen. Mögliche Starallüren könnten für Unruhe sorgen und den Erfolg einer Mannschaft gefährden. Noch hat Barcelona die Chance auf den Meistertitel und den Gewinn der Champions League.
Doch bisher ließ Flick keine Unruhe zu, moderierte die frustrierten Auftritte seines Schützlings souverän weg. Es bleibt dennoch die Frage offen, ob der deutsche Trainer um eine entschlossene Reaktion herumkommt, sollten sich diese künftig weiter häufen.
Klar ist: Yamal zählt bei den Katalanen zu den absoluten Schlüsselspielern. In der aktuellen Saison verbuchte der Angreifer in 41 Pflichtspielen starke 37 Torbeteiligungen (21 Tore, 16 Vorlagen).
Wird das schnelle Wiedersehen mit Atlético zur Reifeprüfung?
Beim schnellen Wiedersehen mit Atlético heute Abend werden die Bilder eines angesäuerten Yamals aus dem Riyadh Air Metropolitano allen Beteiligten noch im Kopf sein.
Mit Blick auf die anstehende Herausforderung versprach Flick jedoch: „Die Champions League ist sehr wichtig. Er wird besser drauf sein.“ Am Dienstag unterstrich der Coach diese Haltung erneut und betonte, er werde Yamal „immer“ unterstützen.
Sein Wunsch: Der Youngster solle auf dem Platz zeigen, „dass er ein großartiger Spieler ist und einer der besten, vielleicht sogar der beste Spieler der Zukunft sein wird“. In den anstehenden Duellen der Königsklasse, die für das Ausnahmetalent zur echten Reifeprüfung werden könnten, erhält Yamal nun die ideale Bühne, um diesen Anspruch zu untermauern.