Die deutsche Nationalmannschaft hat gegen Luxemburg (2:0) in der WM-Qualifikation kaum für große Freude bei den Fans gesorgt - dafür begeisterten nur wenige Stunden zuvor zwei Bayern-Talente: Tom Bischof und Lennart Karl schossen die U21 des DFB zu einem 6:0 gegen Malta.
DFB-Team: Karl und Bischof zu gut für die U21? Trainerlegende wird deutlich
Bayern-Juwele? „Dann nimm sie mit!“
Muss Julian Nagelsmann also schnell reagieren und das Duo schon im März zum Testspiel der A-Nationalmannschaft gegen die Elfenbeinküste nominieren?
Müssen Bischof und Karl zur A-Nationalmannschaft?
SPORT1-Experte Peter Neururer bremst aber: „Die U21 ist ein ganz anderer Wettbewerb. Das ist Jugendfußball auf höchstem Niveau. Dass sie riesige Talente sind, da braucht man nicht drüber reden. Lasst sie so weitermachen.“
Die Trainerlegende hat zudem einen deutlichen Rat. „Wenn sie in Topform sind und der Mannschaft helfen können und auch nur drei Minuten gut spielen könnten, dann nehme ich sie mit. Wir müssen aber keinem Jugendwahn hinterherrennen. Es geht nur um Leistung.“
WM? „Phase des Ausprobierens muss vorbei sein“
Kommt die Weltmeisterschaft in Nordamerika also noch zu früh für Karl und Bischof? „Warum sollte man sie in den Gedanken ausschließen? Zum Zeitpunkt der WM muss man zwar die besten Spieler mitnehmen und nicht die, die in fünf Jahren das Ding nach Hause fahren können. Aber wenn sie helfen können, dann nimm sie ab sofort als festes Mitglied mit! Die Phase des Ausprobierens muss aber vorbei sein“, sagt Neururer.
Karl feierte gegen Malta sein Debüt in der U21, traf direkt doppelt und ist mit seinen 17 Jahren, acht Monaten und 23 Tagen der drittjüngste Torschütze bei der U21 jemals. Vor ihm waren nur Youssoufa Moukoko (16 Jahre, neun Monate und 13 Tage) und Robert Trenner (17 Jahre, acht Monate und sieben Tage) bei ihren ersten Toren noch jünger.
Bischof glänzte in seinem dritten Einsatz für die Auswahl ebenfalls und schaffte ein seltenes Kunststück mit drei Treffern nach Schüssen von außerhalb des Strafraums.
Kollege schwärmt: „Unglaubliche Spieler“
„Das sind zwei unglaubliche Spieler, das hat man heute wieder gesehen. Sie haben fünf Traumtore geschossen“, schwärmte Teamkollege Nicolò Tresoldi bei Sat.1.
Auch im Verein bekommen Bischof und Karl bei Trainer Vincent Kompany regelmäßig Spielzeit und nutzen diese als Bewerbungsschreiben. Der Vorteil der beiden jungen Stars: Sie sind sehr flexibel einsetzbar.
Karl kann in der Offensive links, rechts und zentral gebracht werden. Bischof lief beim FC Bayern als Linksverteidiger auf und kann im Zentrum alle Positionen bekleiden.
Drehen sie weiter so auf, könnte tatsächlich schon bald der Anruf von Nagelsmann folgen und die U21 schnell zu klein werden. Prominente Vorbilder für einen so schnellen Aufstieg gibt es bereits beim DFB.
Müller und Götze die Vorbilder für Karl und Bischof
Thomas Müller wurde 2010 erst im März erstmals in den A-Kader berufen, wenige Monate später krönte er sich bei der WM in Südafrika zum Torschützenkönig. Für die U21 machte Müller nur sechs Spiele.
Supertalent Mario Götze debütierte im November 2010 in der A-Nationalmannschaft - und damit nur zwei Monate nach seinem Einstand in der U21. 2014 schoss Götze dann Deutschland zum WM-Titel in Brasilien.
Mit Olaf Thon machte es bereits ein Weltmeister von 1990 vor: Im September 1984 stand der Offensivmann erstmals für die U21 auf dem Platz. Keine zwölf Wochen später hatte es Thon dann bereits in das Aufgebot von Bundestrainer Franz Beckenbauer bei den Herren geschafft.
Seine allgemeine Bereitschaft, junge Talente einzubinden, zeigte Bundestrainer Nagelsmann bei der Nominierung des aktuellen Kaders. Er beförderte Said El Mala (1. FC Köln) und Assan Ouédraogo (RB Leipzig) kurzerhand. Beide waren zuletzt in der U21 dabei.
Die WM im Sommer spielt übrigens zumindest für Karl bisher keine Rolle. Vielmehr hat er andere Hürden zu nehmen. In der Länderspielpause schrieb der 17-Jährige eine Prüfung nach. „Ich glaube, ich habe eine 2 oder 1 in Englisch geschrieben“, sagte der 17-Jährige.