Mika Baur: DFB-Überraschung mit Weltmeister-Genen

Nicht mal, als Klopp am Handy war, glaubte er es
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Nicht mal, als Klopp am Handy war, glaubte er es

Mika Baur ist die große Überraschung im XXL-Kader von Jürgen Klopp. Der Sohn eines deutschen Weltmeisters sprüht bei seinem ersten Auftritt als Nationalspieler vor Elan. Dass er Fußballer und nicht Handballer geworden ist, hat dabei einen einfachen Grund.

Mika Baur ging erst einmal auf Abstand. Allerdings nicht aus böser Absicht. Er wusste schlicht nicht, wie viel Abstand man zu den zahlreichen Mikrofonen halten sollte, die sich vor ihm auftürmten. Der Debütant ging dahinter fast unter. Nach seiner ersten Antwort in Herzogenaurach rückte er dann aber nach vorne – und damit ins Rampenlicht.

Dorthin, wo er als deutscher Nationalspieler nun erstmals so richtig steht. Der 22-Jährige gehört dem zweiten DFB-Kader an und erlebt auch sonst die wohl aufregendste Zeit seiner bisherigen Fußballerkarriere.

Mika Baur erlebt im DFB-Team die wohl aufregendste Zeit seiner bisherigen Karriere
Mika Baur erlebt im DFB-Team die wohl aufregendste Zeit seiner bisherigen KarriereMika Baur erlebt im DFB-Team die wohl aufregendste Zeit seiner bisherigen Karriere© IMAGO/Eibner

Aus der 2. Liga zu Klopp

Erst im Sommer wechselte Baur nach dem Bundesliga-Aufstieg des SC Paderborn, an dem er als Stammspieler im Zentrum maßgeblichen Anteil hatte, zum schottischen Rekordmeister Celtic Glasgow.

Seine vorherigen Stationen im Profifußball: der SC Freiburg – hauptsächlich in der zweiten Mannschaft, für Bundesligaminuten reichte es nicht – und Dynamo Dresden, wohin er für ein halbes Jahr ausgeliehen war. Kein Wunder also, dass ihn der Anruf von Jürgen Klopp völlig überraschte.

„Der Anruf kam ein bisschen aus dem Nichts, wie ihr euch das vorstellen könnt. Ich war in Glasgow in der Wohnung. Ich war morgens mit meiner Freundin unterwegs und habe dann eine Nachricht bekommen, ob ich nachher mal Zeit habe zu telefonieren“, schilderte er gegenüber SPORT1 bei einer Medienrunde in Herzogenaurach.

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Und weiter: „Ich habe auch, als wir uns dann am Telefon Hallo gesagt haben, immer noch nicht damit gerechnet, dass er jetzt wirklich sagt: ‚Hey, du bist dabei.‘ Sondern eher vielleicht: ‚Hey, du machst das ganz gut und das ist ein cooler Schritt.‘“ Umso größer ist die Freude, dass er nun tatsächlich dabei ist.

Baur passt genau in Klopps Schema

Und diese Freude war Baur in jeder Sekunde anzusehen. Immer wieder zuckten die Mundwinkel nach oben, die Augen funkelten.

Aus gutem Grund: „Ich habe letztes Jahr Zweite Liga gespielt. Das Kaliber der Spieler, die jetzt hier sind, die habe ich auch vielleicht ein-, zweimal im DFB-Pokal gespielt, aber ansonsten auch eher aus dem Fernsehen, eher vom Zuschauen“, schwärmte Baur, der in der Jugend auch für den VfB Stuttgart auflief.

Dass der 22-Jährige im 44-köpfigen DFB-Aufgebot steht, ist bei genauerem Hinsehen allerdings gar nicht so überraschend. Denn Baur ist der Typ Lieblingsspieler: Kämpfer, Mentalitätsspieler, aggressiv in den Zweikämpfen, stark im Passspiel und Gegenpressing – und dazu technisch richtig fein.

Außerdem ist Baur beidfüßig. Am wohlsten fühlt er sich auf der Doppelsechs, allerdings „vielleicht nicht die Holding Six, sondern ein bisschen der, der sich dann auch am Spielaufbau beteiligt, aber trotzdem auch vorne in der Box ankommt“.

Typ Lieblingsspieler

Und Klopp mag Spieler, die keinen schnurgeraden Karriereweg hinter sich haben. Baur passt auch in dieser Hinsicht ins Schema. Statt in Deutschland den nächsten naheliegenden Schritt zu gehen, zog es ihn nach Schottland.

„Wer kann schon sagen, einfach auch mit 22 eine neue Kultur kennenzulernen? Wirklich, der Fußball ist ganz anders, die Menschen sind anders, im Ausland zu leben. Also war es auch eine Frage von Persönlichkeit, Charakter, vielleicht ein bisschen rauszukommen aus seinem gewohnten Umfeld“, schilderte Baur.

Seit Sommer spielt Mika Baur in Schottland
Seit Sommer spielt Mika Baur in SchottlandSeit Sommer spielt Mika Baur in Schottland© IMAGO/Shutterstock

Neu ist für ihn vor allem der Rhythmus mit Spielen alle drei Tage. Auch deshalb ist er bislang noch nicht allzu tief in seinen schottischen Alltag eingetaucht.

Der Papa ist schon Weltmeister

Baur kommt aus einer Sportlerfamilie. Sein Bruder Kimi spielt in der U19 des SC Freiburg Fußball, seine Schwester Chiara Handball. Der bislang bekannteste Sportler der Familie ist allerdings Papa Markus.

Der frühere Rückraumspieler absolvierte 228 Länderspiele für die deutsche Handball-Nationalmannschaft, wurde 2004 Europameister und 2007 bei der Heim-WM Weltmeister. 2000 und 2002 wurde er zudem zu Deutschlands Handballer des Jahres gewählt. Als Cheftrainer arbeitete er zuletzt bis zum Ende der 2023/24 bei Frisch Auf Göppingen.

Der Familie galt dann auch Mikas erster Anruf nach der überraschenden Klopp-Nachricht: „Ich habe direkt einen Gruppenanruf in der Family-Gruppe gestartet und erzählt, dass etwas Verrücktes passiert ist“, so Baur auf SPORT1-Nachfrage.

Darum entschied sich Baur für Fußball und gegen Handball

Warum er sich selbst am Ende für Fußball und gegen Handball entschieden hat? Dafür gibt es einen ziemlich einfachen Grund: „Ist jetzt nicht so, dass ich wie ein üblicher Handballer meine 1,90 Meter bin, wie auch mein Papa vielleicht ist. Ich komme da eher nach der Mama. Nee, ich habe, muss ich sagen, mit Handball relativ früh aufgehört. Es hat mich dann schon relativ früh in die Fußballrichtung gezogen, wobei ich lange auch Tennis gespielt habe.“

Und wie reagierte der Weltmeister-Papa auf die erste Nominierung seines Sohnes? „Er war natürlich genauso geschockt, aufgeregt wie ich selber auch. Aber er hat dann direkt davon erzählt, wie es bei ihm war am Anfang oder als er das erste Mal dabei war. Hat sich mega für mich gefreut und hat trotzdem gesagt: ‚Saug’s einfach auf. Lächle auch dabei, hab Spaß dabei.‘“

Genau daran hielt sich Mika Baur bei seinem ersten Auftritt als Nationalspieler ziemlich überzeugend.

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