Jürgen Klopps besonderer Umgang mit Serge Gnabry
Kader? "Klopp muss Grausamkeiten begehen"
Serge Gnabry ist noch längst nicht bei 100 Prozent. Trotzdem gehört er zu den Gewinnern der ersten Länderspielphase unter Jürgen Klopp. Der Bundestrainer zeigt dem Bayern-Star eine bemerkenswerte Wertschätzung – und sendet damit auch ein Signal an andere prominente Spieler.
Manchmal zeigt sich das Vertrauen eines Trainers weniger in dem, was er sagt, als in dem, was er tut. Bei Serge Gnabry ist genau das derzeit zu beobachten.
Als Jürgen Klopp seinen ersten XXL-Kader als Bundestrainer zusammenstellte, gab es durchaus Argumente, auf den 31-Jährigen zunächst zu verzichten. Gnabry kam aus einer langen Verletzungspause nach einem Adduktorenabriss, hatte beim FC Bayern kaum Spielpraxis gesammelt und war selbst noch weit von seiner Bestform entfernt. Klopp nahm ihn trotzdem mit.
Mehr noch: Er gab Gnabry die Minuten, die diesem auf Vereinsebene zuletzt gefehlt hatten. Gegen Serbien durfte der Münchner am Donnerstag sogar von Beginn an ran und führte die Nationalmannschaft als Kapitän auf den Platz. Klopps großes Gnabry-Signal ist damit kaum zu übersehen.
„Ich bin sehr, sehr froh, dass der Trainer mich mitgenommen hat, obwohl ich gar nicht gespielt habe bei Bayern“, sagte Gnabry nach dem 2:0 gegen Serbien zu SPORT1. „Jede Minute bringt mir Aufwind, gibt mir die Spielzeit, die ich benötige.“
Jürgen Klopps besonderer Umgang mit Serge Gnabry
Dass Klopp ihn für das abschließende Nations-League-Spiel am Sonntag in Griechenland nun nicht mehr in den Kader nimmt, passt deshalb ebenfalls in dieses Bild. Gnabry wird nicht aussortiert, sondern geschont. Schon gegen Serbien hatte Klopp seine Auswechslung zur Halbzeit mit Belastungssteuerung begründet. Der Bundestrainer gibt Gnabry also Spielzeit – und zieht rechtzeitig die Bremse.
Denn der Offensivspieler weiß selbst, dass sein Körper noch nicht wieder dort ist, wo er sein soll. „Es ist immer schwer zu sagen, aber natürlich brauche ich noch eine Weile“, erklärte er. „Das war jetzt mein drittes Spiel und ich habe die letzten Spiele ein bisschen weniger gespielt. Ich muss irgendwie über die Spielzeit kommen. Wann ich dann bei 100 Prozent bin, kann ich noch nicht sagen – aber noch bin ich es nicht.“
Klopp scheint bereit zu sein, ihm diese Zeit zu geben. Und genau das ist bemerkenswert, wenn man Gnabrys Situation mit anderen prominenten Spielern seiner Generation vergleicht.
Gnabrys Vorteil im Vergleich zu anderen Spielern
Leroy Sané etwa tauchte in Klopps erstem riesigen Aufgebot überhaupt nicht auf. Der Bundestrainer begründete das damit, dass der frühere Bayern-Star bei Galatasaray in dieser Saison noch nicht richtig Fuß gefasst habe. Leon Goretzka fehlte ebenfalls, bei ihm verwies Klopp allerdings ausdrücklich auf dessen Verletzung.
Das bedeutet noch lange nicht, dass über die DFB-Zukunft der beiden endgültig entschieden wäre. Der Unterschied zu Gnabry ist dennoch auffällig: Bei ihm war mangelnde Spielpraxis kein Ausschlusskriterium.
Klopp wollte ihn trotzdem sehen. Er wollte ihn auf dem Platz haben. Und er wollte offenbar herausfinden, welche Rolle der erfahrene Angreifer in seiner Nationalmannschaft spielen kann. Für Gnabry ist das eine ziemlich komfortable Ausgangsposition.
Zumal der Bayern-Star seinerseits schnell Gefallen am neuen Bundestrainer gefunden hat. „Er ist ein sehr direkter Typ. Positiv emotional. Er bringt viel Energie rein und versucht, uns zu motivieren“, sagte Gnabry über Klopp. „Auf lange Sicht war er in seinen bisherigen Klubs sehr erfolgreich und wir hoffen, dass das hier auch so wird.“ Sein knappes Fazit: „Er wirkt sehr positiv auf uns ein.“
DFB-Team: Darf Gnabry hoffen?
Für Gnabry gilt das momentan womöglich ganz besonders. Während Klopp bei der Zusammenstellung seiner neuen Nationalmannschaft viele Türen erst einmal nur einen Spalt geöffnet hat, steht Gnabry bereits mittendrin. Körperlich fehlt ihm noch einiges. Sportlich muss er sich beim FC Bayern wieder dauerhaft Spielzeit erarbeiten.
Aber eine wichtige Frage hat Klopp in seinen ersten Wochen bereits beantwortet: Serge Gnabry darf unter diesem Bundestrainer hoffen.