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Borussia Dortmund: Stefan Klos über Glasgow Rangers, BVB, Rose, Bellingham, Haaland,

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Borussia Dortmund: Stefan Klos über Glasgow Rangers, BVB, Rose, Bellingham, Haaland,

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Klos warnt: „Dann gute Nacht, BVB“

Borussia Dortmund muss bei den Glasgow Rangers einen 2:4-Rückstand aufholen - erneut ohne Erling Haaland. Bei SPORT1 spricht der frühere BVB-Torwart Stefan Klos über das Duell seiner beiden Ex-Klubs.
Stefan Klos war in seiner aktiven Fußballer-Laufbahn sowohl für Borussia Dortmund als auch für die Rangers aus Glasgow aktiv. Für den BVB bestritt er 252 von 253 möglichen Spielen.
Reinhard Franke
Reinhard Franke

Nach seinem Karriereende ist es ruhig um Stefan Klos geworden. Der 50-Jährige lebt seit knapp 15 Jahren in der Schweiz, doch seine früheren Vereine Borussia Dortmund und Glasgow Rangers verfolgt der ehemalige Torhüter natürlich. Sein größter sportlicher Erfolg war der Gewinn der Champions League 1997 mit dem BVB.

Vor dem Rückspiel im Ibrox-Stadium (Hinspiel 4:2 für Glasgow) zwischen den Schwarz-Gelben und den Schotten in der Europa League am Donnerstag (ab 21 Uhr im LIVETICKER), das Superstürmer Erling Haaland verletzungsbedingt verpassen wird, gab Klos SPORT1 ein Interview.

SPORT1: Herr Klos, Sie haben sich rar gemacht im Fußball. Was machen Sie aktuell?

Stefan Klos: Wir leben auf dem Land zwischen Zürich und Luzern. Ich bin nicht berufstätig, sondern Privatier. Die jüngste Tochter von meinen vier Kindern wohnt noch zu Hause. Wir haben ein schönes Haus mit einem großen Garten, zwei Hunde. Es geht uns gut. (DATEN: Ergebnisse und Spielplan der Europa League)

SPORT1: Für viele Borussen sind Sie der Held von Auxerre.

Klos: Wir haben in der Saison 1992/93 mit dem BVB im UEFA-Pokal, der heutigen Europa League, gegen den französischen Klub AJ Auxerre gespielt, nachdem wir in der Vorsaison Zweiter geworden sind. Ich konnte im Halbfinale einen Elfmeter halten, dadurch kamen wir ins Finale gegen Juventus Turin. Es herrschte die ganze Saison eine große Euphorie und die pure Erleichterung in Dortmund sowie in der ganzen Region - außer in Gelsenkirchen. (lacht) Keiner konnte damit rechnen, dass wir ins Finale kommen.

BVB-Keeper Stefan Klos als optische Täuschung: Im vogelwilden Torwartdress parierte Klos den entscheidenden Elfmeter im UEFA-Cup-Halbfinale 1993 gegen Auxerre
BVB-Keeper Stefan Klos als optische Täuschung: Im vogelwilden Torwartdress parierte Klos den entscheidenden Elfmeter im UEFA-Cup-Halbfinale 1993 gegen Auxerre

SPORT1: Sie gelten als einer der besten Torhüter Ihrer Zeit. Wie blicken Sie zurück?

Klos: Ich bin sehr zufrieden, wie es bei mir gelaufen ist und was ich erreicht habe. Ich konnte viele Titel gewinnen und war bei den Rangers am Ende sogar Kapitän. Ich habe nur für den BVB und die Rangers gespielt. Aber dafür habe ich alles rausgeholt, was geht.

SPORT1: Hat sich nie ein zweiter Wechsel ergeben?

Klos: Für mich war es 1998 ein großer Schritt, als gebürtiger Dortmunder den BVB zu verlassen. Es kommt immer darauf an, ob man sich wohlfühlt oder nicht. Aber es lief für mich in Glasgow alles top. Die Familie hat sich damals auch schnell eingelebt, wir sind damals mit zwei Kleinkindern dorthin gegangen. Zwei Mädchen kamen dann in Schottland noch zur Welt.

SPORT1: Sportlich lief es in Glasgow auch von Anfang an.

Klos: Absolut. Wir hatten eine richtig gute Truppe, waren regelmäßig in der Champions League dabei. Und es hat einfach Spaß gemacht. Die Rangers waren in den vergangenen Jahren etwas weg vom Schirm, aber es war eine tolle Zeit. Zum Schluss war es bitter, weil ich einige Verletzungen hatte. Aber das gehört zu einer Karriere dann auch dazu.

Deshalb hat Klos beim BVB nicht verlängert

SPORT1: Sie sind im Dezember 1998 gewechselt. Wollte der BVB nicht verlängern?

Klos: Damals gab es noch nicht den klassischen Sportdirektor, Michael Meier war der Manager. Nachdem wir 1997 die Champions League gewonnen hatteen, hat sich im Verein einiges verändert. Die neue Saison begann etwas holprig. Mein Vertrag lief im Sommer 1999 aus und in den Gesprächen hatte ich nicht den Eindruck, dass man wollte, dass ich bleibe. Ich habe damals zu Herrn Meier gesagt ‚Ich kann mir auch vorstellen, woanders hinzugehen‘. Daraufhin sagte er nur ‚Ja, mach mal‘.

SPORT1: Lassen Sie uns über den heutigen BVB sprechen. Hat er mit dem 6:0 gegen Borussia Mönchengladbach die richtige Reaktion auf das schwache 2:4 im Hinspiel gegen Glasgow gegeben? (NEWS: Alle aktuellen Infos zur Europa League)

Klos: Das kann man so sagen. Da hat der BVB wieder sein gutes Gesicht gezeigt. Es ist in dieser Saison schwer zu begreifen, aber die Dortmunder sind eine Wundertüte. Sie haben Qualität, das zeigt das Spiel gegen Gladbach. Warum aber rufen sie diese nicht regelmäßig ab? Das Spiel gegen die Rangers war eine ganz schwache Vorstellung.

Klos: „Es fehlt dem BVB an Konstanz“

Schwarzgelbe Wundertüte demontiert schwarzweißen Krisen-Klub. Euphorie beim BVB nach dem 6:0 gegen Gladbach? Fehlanzeige.
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Schwarzgelbe Wundertüte: Das große BVB-Rätsel

SPORT1: Im Pokal gab es das Aus gegen St. Pauli, in der Champions League flog man auch raus, es gab Pleiten bei Freiburg und Hertha. Irgendwas scheint nicht zu stimmen.

Klos: Das sehe ich auch so. Es fehlt an Konstanz. Die Mannschaft kann mit einer enormen Wucht über einen Gegner hinwegfegen wie gegen Gladbach. Aber dann gibt es auch wieder blamable Auftritte. Beim BVB weiß man in dieser Saison nie, was man kriegt. Man kann sich nur wundern.

SPORT1: Warum ist der BVB so ein fragiles Gebilde?

Klos: Die Dortmunder kriegen einfach zu viele Gegentore. Okay, gegen Gladbach wurde zu null gespielt, aber die sind kein Maßstab. Als Spieler des BVB kannst du doch auf den Platz gehen und sagen ‚Heute wollen wir mal zu null spielen‘. Vorne schießen sie eigentlich immer ein Tor. Wenn man sich anschaut, wie der BVB verteidigt, dann wird einem schnell klar, dass mehrere Spieler da nicht mitmachen.

SPORT1: Wer trägt die Hauptschuld, der Trainer oder die Spieler?

Klos: Ich kann mir nicht vorstellen, dass Rose sagt, sie sollen so verteidigen wie gegen die Rangers. Das Hauptproblem des BVB ist das Abwehrverhalten. Nach dem 2:4 waren alle überrascht. Es ist müßig zu sagen, wer die Hauptschuld trägt am Pokal-Aus oder an den Niederlagen in dieser Saison. Es passt auf jeden Fall nicht immer alles. Rose trägt nicht die alleinige Schuld.

SPORT1: Ist Rose der richtige Trainer für den BVB?

Klos: Er ist ein cooler Typ und kommt sympathisch rüber. Ich finde, er passt zum BVB. Die Dortmunder hatten erst Thomas Tuchel, dann Lucien Favre, zwischendrin mal Peter Stöger. Einen Kloppo werden sie nicht mehr bekommen. In der Bundesliga hat Rose doch abgeliefert. Man muss die Spieler in die Verantwortung nehmen, nicht nur den Trainer. Du musst schon einen Mindest-Standard haben, den du auf dem Platz bringst.

Klos: BVB hätte noch näher an Bayern dran sein können

SPORT1: Wie sehen Sie generell die erste Saison unter ihm?

Klose: Es ist schwierig. In der Bundesliga steht man sehr gut da, da ist man nicht so weit weg von den Bayern. Da hätte der BVB noch näher dran sein können, wenn zu Hause ein Sieg gegen die Münchner rausgesprungen wäre. Man denkt immer, sie haben eine große Chance und nach dem nächsten Spiel ‚ach, doch nicht‘. Jetzt nach dem Kantersieg gegen Gladbach sieht es wieder positiver aus. Den BVB kann man schwer einschätzen. Und die Reaktionen von den Bossen nach dem 2:4 gegen Glasgow waren dann ja auch so, dass man denken konnte, sie können die Lage nicht begreifen.

SPORT1: Michael Zorc ist hinterher aus dem Sattel gegangen, nannte das Spiel „peinlich und blamabel“. Sehen Sie es auch so?

Klos: Es war jedenfalls erschreckend schwach. Ich habe das Spiel aus BVB-Sicht geschaut, aber auch durch die Rangers-Brille. Das war ein selbstbewusster Auftritt. Aus Schottland anzureisen und dann so beim BVB zu spielen, war schon aller Ehren wert. Sie haben vorne früh attackiert, gut zugestellt und hoch verteidigt. Das war sehr mutig.

SPORT1: Wie kann der BVB im Hexenkessel Ibrox-Stadium bestehen?

Klos: Es ist alles drin. Von 4:0 gewinnen bis 0:4 verlieren. Der BVB hat die Qualität, auch in Glasgow zu gewinnen und weiterzukommen. Sie müssen so mutig auftreten wie die Rangers in Dortmund. Es wird auf jeden Fall schwierig, im Ibrox zu bestehen. Es ist möglich weiterzukommen. Wenn die Rangers aber wieder so auftreten wie in Dortmund, dann gute Nacht, BVB.

SPORT1: Wie sehen Sie als früherer BVB-Torwart Gregor Kobel?

Klos: Er hat am Sonntag wieder seine Klasse gezeigt. Immer nach einer guten Chance für die Gladbacher haben dann die Dortmunder zurückgeschlagen. Kobel spielt für seine 24 Jahre sehr routiniert und abgeklärt. Obwohl der BVB so viele Gegentore kassiert.

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Klos: „Bellingham ist eine Granate“

SPORT1: Was sagt es aus, dass fast nur der junge Jude Bellingham vorangeht?

Klos: Die Dortmunder probieren viel, es passt in dieser Saison nur nicht immer zusammen. Bellingham ist ein fantastischer Fußballer. Wenn er Leistungsträger ist, dann darf er vorangehen. Egal, wie alt er ist. Er macht sich keine Gedanken, wenn er die Kugel am Fuß hat. Diese Leichtigkeit und Energie wünscht man sich vom BVB in jedem Spiel. Bellingham ist eine Granate.

SPORT1: Das ist auch Erling Haaland, der auch in Glasgow fehlen wird. Hat man sich von ihm zu abhängig gemacht?

Klos: Haaland ist die zweite Rakete. Aber auch ohne ihn schießt der BVB Tore. Wenn du wie zu Hause gegen die Rangers zwei Buden machst, ist es erstmal gut. Und da fehlte Haaland. Er ist ein außergewöhnlicher Spieler, und mit ihm ist der BVB immer besser, aber abhängig macht man sich nicht von ihm. Mal schauen, ob er im Sommer weg ist…

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SPORT1: Gibt es von Ihnen eine Rangers-Anekdote?

Klos: Vor einigen Jahren spielten wir das Pokalfinale und vor dem Spiel stand plötzlich Sean Connery bei uns in der Kabine. Er war mit unserem Präsidenten befreundet. Wir waren schon komplett umgezogen, da sagte er „Viel Glück, haut sie weg“. Das war schon eine Überraschung. In der Kabine laufen nicht so viel Fremde rum, er war sehr groß. Wir haben den Pott dann auch gewonnen.

SPORT1: Zum Schluss natürlich noch die Frage, welcher Ihrer Ex-Klubs Ihnen mehr am Herzen liegt?

Klos: Jeder füllt eine Hälfte meines Herzens aus. Ich hatte in beiden Klubs eine wunderbare Zeit. Die Rangers und der BVB sind ein großer Teil meines Lebens. Als Dortmunder Junge hat man sowieso eine enge Beziehung zu der Stadt. Ich habe schon in der Jugend für den BVB gespielt. Und die erste Meisterschaft - das waren unglaubliche Momente.