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Erfüllt sich Benzema Kindheitstraum?

Erfüllt sich Benzema Kindheitstraum?

Karim Benzema krönt seine starke Verfassung mit dem Gewinn der Nations League. Der Stürmer von Real Madrid ist aktuell in der Form seines Lebens.
Nach seiner Verbannung aus der Nationalmannschaft im Jahr 2015, feierte Karim Benzema sein Comeback bei der EM. Nun holt der 33-jährige seinen ersten Titel mit der Equipe.
Maximilian Schwoch
von Maximilian Schwoch
11.10.2021 | 21:28 Uhr

Diesen Moment hätte sich Karim Benzema wohl in seinen kühnsten Kindheitsträumen nicht besser ausmalen können.

Es lief die 66. Minute im Nations-League-Finale zwischen Spanien und Frankreich, Mikel Oyarzabal hatte die Iberer zwei Minuten zuvor in Führung gebracht. Dann kam Benzemas großer Auftritt: Von der linken Strafraumgrenze hob er den Ball mit viel Gefühl in die obere rechte Torecke. Spanien-Keeper Unai Simón streckte sich, berührte den Ball noch leicht, konnte den Ausgleich aber nicht mehr verhindern. (Nations League: Ergebnisse und Spielplan).

Dass der 2:1-Siegtreffer von Kylian Mbappé eine Viertelstunde später für heftige Diskussionen sorgte, überschattete das Traumtor von Benzema ein wenig. Und dennoch: Der Stürmer von Real Madrid, der auch schon im Halbfinale technisch anspruchsvoll den Anschlusstreffer gegen Belgien markiert hatte, krönte seine starke Verfassung mit seinem ersten Titel überhaupt in der Nationalmannschaft – und beseitigte damit seinen vielleicht letzten Makel. (KOMMENTAR: Mbappés Siegtor - ein Verbrechen am Fußball)

Es war zwar bereits das 92. Länderspiel, dass der 33-Jährige am Sonntagabend absolvierte, ein Titel war ihm mit Équipe Tricolore bisher nicht vergönnt gewesen. Beim WM-Sieg 2018 war Benzema kein Teil der Mannschaft, wie auch die Jahre zuvor nicht.

Benzema vor EM begnadigt

Das hatte nur bedingt mit seiner Leistung zu tun, auch wenn die Saisons 2016/17 und 2017/18 statistisch gesehen zu den schwächsten in Benzemas Karriere gehörten. Grund war vielmehr, dass der Real-Stürmer in eine Erpressung seines damaligen Nationalmannschaftskollegen Mathieu Valbuena mit einem Sex-Video verwickelt gewesen sein soll. Dafür muss sich Benzema demnächst vor Gericht verantworten. Infolgedessen verzichtete Trainer Didier Deschamps auf seinen Goalgetter.

Doch Benzema fand aus seinem Leistungstief heraus und steigerte sich in den vergangenen Jahren so enorm, dass Deschamps kaum noch an ihm vorbeikam. Vor der EM 2021 erfolgte dann die Begnadigung. Mit vier Turniertreffern stellte Benzema Nationalmannschaftskollege Kylian Mbappé in den Schatten. Nun erfolgte die Krönung.

Sein Verein huldigte die Leistung seines Topstürmers via Twitter. „Herzlichen Glückwunsch an Frankreich und allen französischen Fans für den außergewöhnlichen Nations-League-Titel und Glückwünsche an unseren spektakulären Spieler Benzema“, schrieben die Königlichen und beendeten den Tweet mit folgendem Zusatz: „Ballon d‘Or“.

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Die Message ist eindeutig. Ginge es nach seinem Verein, bekäme Benzema Ende November den Ballon d‘Or verliehen. Für Benzema, der auf der jüngst veröffentlichten Shortlist der Top 30 steht, selbst wäre der Gewinn der Trophäe ein „Kindheitstraum“, wie er jüngst im Interview mit AS erzählte.

Lange im Schatten von Cristiano Ronaldo

Benzema, der in Lyon geboren wurde und auch dort seine Karriere begann, erklärte, er werde „alles tun, was ich kann, und ich werde so hart arbeiten, wie ich kann, um diese große Trophäe hoffentlich eines Tages zu gewinnen und mir diesen Traum zu erfüllen, den ich seit meiner Kindheit habe“.

Im vergangenen Jahrzehnt lief Benzema immer ein bisschen unter dem Radar, wenn es um die Bewertung der besten Stürmer Europas ging. Das dürfte auch damit zu tun gehabt haben, dass er in Madrid lange im Schatten von Cristiano Ronaldo war.

Benzema so gut wie noch nie?

Seit dem Abschied von CR7 aus Madrid 2018 blüht er regelrecht auf. Statistisch gesehen ist Benzema aktuell so gut wie vielleicht in seiner ganzen Karriere noch nicht. Im aktuellen Kalenderjahr erzielte er 29 Tore in 44 Pflichtspielen, in den ersten acht La-Liga-Spielen traf er bereits neunmal, wurde von der spanischen Liga jüngst zum Spieler des Monats September gekürt.

Allerdings schmälert eine Tatsache Benzemas Chancen auf die vom französischen Fachblatt France Football vergebene Auszeichnung erheblich: Er hat – mit Ausnahme der Nations League – im vergangenen Jahr keinen Titel gewonnen. In der Liga wurden die Königlichen Vizemeister hinter dem Stadtrivalen Atlético, in der Champions League schied Real im Halbfinale aus. Und auch bei der EM erfolgte trotz vier Benzema-Treffern das Aus bereits im Achtelfinale.

Die Vergangenheit hat gezeigt, dass bei der Auszeichnung des Ballon d‘Or meistens die Spieler bevorzugt werden, die - neben der herausragenden Einzelleistung – große Titel mit der Mannschaft gewinnen. Und da dürfte die Nations League wohl kaum genug Gewicht haben. Bei Buchmachern gilt Lionel Messi in diesem Jahr als klarer Favorit, neben seiner starken Performance für den FC Barcelona gewann er mit Argentinien erstmals seit 1993 die Copa América.

Benzema wird auch in diesem Jahr beim Ballon d‘Or wieder nur die Zuschauerrolle bleiben. Weiterträumen darf er aber.