Fußball-Euphorie in Griechenland vor Deutschland-Spiel

Besonderes Lob! Darum bedeutet Klopp ihm so viel
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Besonderes Lob! Darum bedeutet Klopp ihm so viel

Der griechische Fußball befindet sich im Aufschwung. Die Erwartungshaltung ist in die Höhe geschossen. Sogar eine Punkteteilung mit den Niederlanden war für viele Profis eine Enttäuschung. Wie geht der griechische Fußball mit den neuen Entwicklungen um?

Es war ein ungewöhnlicher Anblick. Griechenland und die Niederlande gingen nach einem Remis auseinander. Die griechischen Spieler verließen den Platz mit gesenkten Köpfen und zeigten sich in den anschließenden Interviews enttäuscht. Eine völlig neue Realität für griechische Fußballfans.

Die beiden Nationen trennen 32 Plätze in der FIFA-Weltrangliste, 360 Millionen Euro Marktwert und Jahrzehnte der fußballerischen Nachwuchsförderung. Warum also zeigt sich die vermeintlich schwächere Nationalmannschaft nach einem Punktgewinn gegen einen Fußballgiganten so unzufrieden? Wie weit ist die Entwicklung des griechischen Fußballs wirklich?

Fotis Ioannidis, der Torschütze zum 1:0 fasste die Partie so zusammen: „Das Spiel hinterlässt einen traurigen Beigeschmack, aber der Punkt ist sehr wertvoll.“ Das griechische Sportportal Athletiko gab dem Spiel das Prädikat „bittersüß“.

Eine ungewohnt hohe Erwartungshaltung

„Bittersüß“ fielen auch die Reaktionen der griechischen Presse aus: „Im Großen und Ganzen wirkt dieses Unentschieden wie ein Sieg. Wir hätten es im Vorfeld gekauft, wenn man es uns angeboten hätte. In der Momentaufnahme wirkt dieses Unentschieden wie eine Niederlage“, schilderte Gazzetta die euphorische, aber gleichzeitig unzufriedene Stimmung.

Dabei gibt es eigentlich nichts zu meckern für die Mannschaft von Trainer Ivan Jovanovic. Sie ist ungeschlagener Tabellenführer mit sieben Punkten. Zum ersten Mal überhaupt gewann Griechenland gegen Deutschland.

Das ausgesprochene Ziel vor Beginn der Nations League lautete: den letzten Gruppenplatz vermeiden. Nur ein fußballerisches Wunder könnte dieses Ziel jetzt noch gefährden.

Und trotzdem gibt es nach dem 2:2 gegen Oranje einzelne kritische Stimmen. Aber nicht etwa, weil die Leistung, die Einstellung oder das Ergebnis fehlte. Vielmehr, weil die Erwartungen gestiegen sind und die Leistungen dieser Mannschaft Großes versprechen. Es wird in Sphären eingedrungen, auf die weder die Zuschauer noch die Medien vorbereitet waren. Klopp sprach schon von einer „goldenen Generation“.

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Bisher immer einen Schritt zu langsam

Dabei hat sich dieser fußballerische Aufschwung seit Längerem angedeutet. Die Mannschaft, die auch „das Piratenschiff“ genannt wird, ist nicht neu zusammengewürfelt. Ganz im Gegenteil: Das Grundgerüst besteht schon seit mehreren Jahren. Nicht überraschend ist Griechenland in der Nations League von Liga C in Liga A aufgestiegen.

Einzelne Lichtblicke gegen große Nationen und in wichtigen Qualifikationsturnieren hat es schon gegeben. Der 2:1-Auswärtssieg gegen England im Oktober 2024 gilt als einer der größten Erfolge der neueren griechischen Fußballgeschichte. In den wichtigsten Momenten ließen die Leistungen dann aber oft zu wünschen übrig. In den Playoffs zur EM 2024 scheiterte man nach einem dominanten Auftritt im Elfmeterschießen an Georgien.

Die Träume von einer WM-Teilnahme in Nordamerika endeten nach den ernüchternden aufeinanderfolgenden Auswärtsniederlagen gegen Schottland und Dänemark. Es fehlte noch an nötiger Reife und Erfahrung. Es fehlte der nächste Schritt in der Entwicklungsstufe.

„Das ist etwas, was die Griechen auszeichnet“

Im Sommer gingen viele junge griechische Spieler diesen Schritt von alleine. Konstantinos Karetsas und Giannis Konstantelias (jetzt mit Kreuzbandriss lange raus) wechselten zum BVB, Christos Tzolis zum FC Arsenal. Anastasios Douvikas und Charalampos Kostoulas zementierten ihren Stammplatz bei Como und Brighton.

Charakteristisch für die Ambitionen im griechischen Kader: Tzolis verletzte sich im Spiel gegen die Niederlande und weigerte sich, ausgewechselt zu werden. „Ich sagte ihm, er soll rausgehen, und er sagt mir: ‚Ich gehe nicht raus.‘ Wie soll ich damit umgehen? Das ist etwas, das die Griechen und all diese jungen Spieler, die in die Nationalmannschaft kommen, auszeichnet“, sagte Jovanovic.

Ein griechischer Serbe an der Seitenlinie

Mit Jovanovic steht ein Trainer an der Seitenlinie, der das Land und die Menschen in Griechenland so gut kennt wie seine Westentasche. Jovanovic ist gebürtiger Serbe, spielte, lebt und arbeitet aber schon seit 37 Jahren in Griechenland und Zypern. Sein Verständnis der griechischen Mentalität und Fankulisse ist Teil des Erfolgsrezepts.

Ivan Jovanovic trainiert die sich im Aufschwung befindliche griechische Nationalmannschaft
Ivan Jovanovic trainiert die sich im Aufschwung befindliche griechische NationalmannschaftIvan Jovanovic trainiert die sich im Aufschwung befindliche griechische Nationalmannschaft© IMAGO/Pro Shots

Die Durchsetzungskraft des Trainers lässt sich immer wieder erkennen. Der langjährige Kapitän Anastasios Bakasetas wurde für die XXL-Länderspielpause aus Leistungsgründen zu Hause gelassen.

Auch taktisch findet Griechenland viele Auswege. Anders als die Mannschaft, die unter Otto Rehhagel 2004 komplett überraschend Europameister wurde und sich vor allem durch ihre akribische, aufopferungsvolle und körperlich betonte Defensivarbeit auszeichnete, zeigt die neue „goldene Generation“, dass sie auch fußballerisch mithalten kann.

Die Gazzetta verlieh Griechenland „zwei fußballerische Gesichter“. Klopp beschrieb das Piratenschiff als „eine Ansammlung von Topspielern, vor allem im Offensivbereich.“

Die Basis für die EM-Qualifikation

Sport24 bezeichnete die griechische Nationalmannschaft als „Mentalitätsmonster“. Von der Entwicklung dieses noch jungen Teams zeigte sich das Medium beeindruckt: „Sie lernen es, jedem in die Augen zu schauen, ohne den Blick mehr abzuwenden.“

Die Euphorie im eigenen Land ist auf einem Allzeithoch. Die Tickets für die zwei schwierigen Heimspiele gegen die Niederlande und Deutschland (Sonntag ab 20.45 Uhr im LIVETICKER) waren innerhalb weniger Stunden ausverkauft. In Thessaloniki war die Atmosphäre elektrisierend.

Anders als für das DFB-Team hat die Nations League für Griechenland einen weit höheren Stellenwert. Für Klopp ist es eine Kennenlernphase mit viel Spielraum für Experimente. Für Griechenland bedeutet eine Platzierung unter den ersten Drei der Gruppe A2 ein leichteres Los für die EM-Qualifikation 2028. Nach sechs verpassten großen Turnieren hintereinander ist die EM-Teilnahme das große Ziel des Verbandes.

Auch in der U21 muss der DFB gegen Griechenland ran

Nicht nur bei den Profis muss der DFB auf die „goldene Generation“ achten. In der U21-Qualifikation gibt es am Dienstag ein Fernduell zwischen den beiden Nationen. Sollten die DFB-Junioren gegen Georgien nicht gewinnen, würde Griechenland mit einem eigenen Sieg die direkte Qualifikation zur EM 2027 sichern und Deutschland müsste in die Playoffs.

Zwischen den A-Nationalmannschaften wird es am Sonntag allerdings ein ganz anderes Spiel als vergangene Woche. Die Griechen werden drei Spiele in zehn Tagen in ihren Beinen haben, während Klopp mit seinem zweiten Kader bisher nur ein Spiel gegen Serbien bestritten hat. Die griechische Müdigkeit war bereits in den Schlussminuten gegen die Niederlande ersichtlich.

Es bleibt abzuwarten, ob sie den Griechen gegen Deutschland zum Verhängnis wird. Die euphorisierten Fans in Thessaloniki werden jedenfalls alles dafür tun, ihre Mannschaft zu einem weiteren sensationellen Sieg gegen die Klopp-Elf zu peitschen.

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