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Das einstige Wunderkind bekommt die nächste Chance

WM-Chance für das frühere Wunderkind

Giovanni Reyna absolviert die WM-Generalprobe mit den USA gegen Deutschland. Etwas überraschend kommt die Nominierung des einstigen BVB-Wunderboys.
Mauricio Pochettino spricht über die Rolle von Giovanni Reyna im US-Team. Der Trainer betont, dass der Gladbach-Star der Mannschaft mit seinen Qualitäten und seiner Führungsstärke entscheidend helfen kann.
Giovanni Reyna absolviert die WM-Generalprobe mit den USA gegen Deutschland. Etwas überraschend kommt die Nominierung des einstigen BVB-Wunderboys.

Die deutsche Nationalmannschaft bekommt es am Abend im letzten Test vor der WM mit den USA (ab 20.30 Uhr im LIVETICKER) zu tun. Dabei trifft die DFB-Elf auch auf den einstigen Wunderboy Gio Reyna, der in seiner jungen Karriere schon viel erlebt hat, gegen Deutschland allerdings zunächst nur auf der Bank sitzt.

Borussia Dortmund freut sich für den WM-Teilnehmer. Die Erwartungen an Reyna waren einst riesig. Als er 2019 aus der Akademie von New York City zum BVB wechselte, galt er als eines der größten Talente, das die USA je hervorgebracht hatten. Technisch stark, torgefährlich, von vielen sogar höher eingeschätzt als Christian Pulisic, der ebenfalls in Dortmund den Durchbruch schaffte.

Sieben Jahre später hat sich das Bild deutlich verändert. Reynas Karriere geriet ins Stocken. Umso bemerkenswerter ist es, dass der 23-Jährige noch im letzten Moment für die US-Nationalmannschaft bei der Heim-WM berücksichtigt wurde. Am Abend trifft der Ex-Dortmunder und heutige Gladbacher im letzten Test vor dem Turnier auf Deutschland. Dass das alles noch geklappt hat, freut nicht nur den US-Boy selbst.

BVB freut sich für Reyna

Auch beim BVB verfolgt man die Entwicklung des ehemaligen Schützlings mit Wohlwollen.

„Wir freuen uns außerordentlich für ihn. Wir kennen Gio, seit er ein Jugendlicher war, und haben ihn über viele Jahre begleiten dürfen. Er ist nicht nur ein außergewöhnlicher Fußballer, sondern auch menschlich ein großartiger Charakter. Auch zu seiner Familie pflegen wir seit jeher ein sehr gutes Verhältnis. Sein Vater hat die Geschichte der US-Nationalmannschaft mitgeprägt – und ich wünsche Gio, dass er dort ebenfalls bleibende Spuren hinterlässt“, sagte BVB-Sportgeschäftsführer Lars Ricken im Gespräch mit SPORT1.

Reynas Vater Claudio absolvierte 112 Länderspiele für die USA und erzielte dabei acht Tore. Heute ist der 52-Jährige als Funktionär tätig. Er war Sportdirektor bei New York City FC und arbeitet aktuell als strategischer Berater für den MLS-Klub Austin FC. Das Fußballspielen wurde Gio also buchstäblich in die Wiege gelegt.

„Gio ist bereits mit 16 Jahren zu uns gekommen. Deshalb ist es nur logisch, dass wir bis heute eine besondere Verbindung zu ihm haben. Während seiner gesamten Zeit beim BVB hat er sich stets zu 100 Prozent mit dem Verein identifiziert“, lobt Ricken den Offensivspieler.

Reynas Debüt für die Nationalmannschaft

Die Laufbahn des 37-maligen US-Nationalspielers (neun Tore) verlief allerdings nicht so, wie viele Experten es erwartet hatten. Nach seinem Wechsel nach Dortmund ging es zunächst steil bergauf. Über die Nachwuchsmannschaften schaffte er schnell den Sprung zu den Profis. Reyna wurde unter anderem jüngster US-amerikanischer Spieler in der Champions League und gab als 17-Jähriger – zwei Tage vor seinem 18. Geburtstag – sein Debüt für die Nationalmannschaft.

Sein Marktwert stieg zeitweise auf 42 Millionen Euro, aktuell liegt er nur noch bei vier Millionen.

Der große Durchbruch blieb jedoch aus. Verletzungen und die Corona-Pandemie bremsten seine Entwicklung. Weil er Familie und Freunde in den USA lange Zeit nicht sehen konnte, fiel es ihm zunehmend schwer, den Fokus ausschließlich auf den Fußball zu richten. Eine schwierige Phase für den hoch veranlagten Offensivspieler.

Reyna steckt in der Sackgasse

Als in der Rückrunde der Saison 2023/24 auch noch die Leihe zu Nottingham Forest enttäuschend verlief – in zehn Einsätzen stand er nur zweimal in der Startelf – und sich seine Situation nach der Rückkehr nach Dortmund nicht verbesserte, war allen Beteiligten klar: Reyna steckte beim BVB in einer Sackgasse. Nach 147 Pflichtspielen für die Schwarz-Gelben mit 19 Toren und 18 Vorlagen war die Zeit für einen Neustart gekommen.

Im Sommer wagte er deshalb den Wechsel zum Ligakonkurrenten Borussia Mönchengladbach. Rund sieben Millionen Euro überwiesen die Fohlen für den Hoffnungsträger. In Gladbach sammelte Reyna zwar deutlich mehr Spielzeit, konnte seine Qualitäten aber nur phasenweise zeigen. 20 Einsätze mit einem Tor und einer Vorlage zeichnen bislang ein gemischtes Bild.

Seit dem 19. Dezember (0:2 gegen den BVB) gehörte er nicht mehr zur Startelf der Gladbacher. Dennoch schenkte ihm US-Nationaltrainer Mauricio Pochettino erneut das Vertrauen. Nach längerer Pause kehrte Reyna am 15. November in die Nationalmannschaft zurück, stand direkt in der Anfangsformation und erzielte beim 2:1-Sieg gegen Paraguay sogar einen Treffer.

„Verfügt über dieses besondere Etwas“

„Gio verfügt über dieses besondere Etwas, das außergewöhnliche Spieler auszeichnet. Mit Blick auf sein Alter befindet er sich in einer Phase, in der Erfahrung und Qualität optimal zusammenkommen. An einem guten Tag ist er nach wie vor in der Lage, den Unterschied auszumachen und Spiele entscheidend zu prägen“, ist sich Ricken sicher.

Reyna weiß wie kaum ein anderer, wie es sich anfühlt, hoch zu fliegen und tief zu fallen. Trotz aller Rückschläge lebt er weiter den Traum von der Heim-WM – auch wenn er längst nicht mehr zu den großen Shootingstars des US-Teams zählt.

Mit 23 Jahren hat er jedoch genügend Zeit, dorthin zurückzukehren – auch wenn er im letzten Test gegen Deutschland zunächst zuschauen muss.