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WM: An Havertz gibt es kein Vorbeikommen

An Havertz gibt es kein Vorbeikommen

In der Offensive hat Julian Nagelsmann die Qual der Wahl. Doch bei aller namhaften Konkurrenz gibt es einen Spieler, dessen Stellenwert innerhalb der Nationalmannschaft kaum zu ersetzen und für den Bundestrainer unverzichtbar erscheint.
Kai Havertz findet lobende Worte für die Offensivabteilung beim DFB-Team. Er erinnert ebenso an die wichtige Qualität von guten Jokern und bringt einen WM-Siegtorschützen ins Spiel.
In der Offensive hat Julian Nagelsmann die Qual der Wahl. Doch bei aller namhaften Konkurrenz gibt es einen Spieler, dessen Stellenwert innerhalb der Nationalmannschaft kaum zu ersetzen und für den Bundestrainer unverzichtbar erscheint.

Ein überschwänglicher Empfang für den Nachzügler: Als Kai Havertz am Dienstagabend als letzter Nationalspieler zum DFB-Team stieß, wurde schnell deutlich, welchen Platz er innerhalb der Mannschaft einnimmt. Von allen Seiten wurde er herzlich empfangen, die Freude seiner Teamkollegen über seine Rückkehr war unverkennbar.

Obwohl Havertz im Champions-League-Finale eine bittere Niederlage hinnehmen musste, wirkte er voller Energie und Tatendrang. Zusätzliche Urlaubstage nach dem Endspiel wollte er nicht. Stattdessen zog es ihn schnell zurück zur Nationalmannschaft.

„Für mich war es wichtig, so schnell wie möglich zur Nationalmannschaft zu stoßen“, betonte der 26-Jährige auf der Pressekonferenz am Mittwochmittag (Ortszeit) in Chicago. Im DFB-Team dürfte ihm in den kommenden Wochen eine Schlüsselrolle zukommen.

Nagelsmann hat in der Offensive ein Luxusproblem

Dabei mangelt es dem Bundestrainer gerade im Sturm nicht an Alternativen. Nick Woltemade schoss die DFB-Elf mit seinen Treffern sicher zur Weltmeisterschaft, auch Deniz Undav überzeugte zuletzt mit starken Auftritten. Beide liefern beeindruckende Zahlen und haben ihre Ansprüche auf einen Stammplatz angemeldet.

Woltemade traf in elf Spielen für die deutsche Auswahl viermal (eine Vorlage), darunter in jedem der WM-Qualifikationsrückspiele sowie doppelt gegen Luxemburg (2:0). Undav kommt in acht Einsätzen auf starke sechs Tore und zwei Vorlagen, sammelte zuletzt drei Scorerpunkte gegen Finnland und spielte sich auch durch seine Art und Weise abseits des Platzes in die Herzen der Fans.

Hat Julian Nagelsmann ein Luxusproblem? „Ich glaube schon, dass wir viele Optionen haben. Natürlich ist das sehr, sehr gut, so ein Problem zu haben“, erklärte Havertz auf SPORT1-Nachfrage und ergänzte: „Wir haben da auf jeden Fall eine Vielseitigkeit, die man in einem Turnierverlauf auch braucht. Wenn man an eine WM 2014 denkt: Da waren so viele Spieler wichtig und da sind so viele Spieler von der Bank gekommen und haben das Spiel gedreht.“

Undav, Woltemade oder doch Havertz?

Im Kampf um einen Platz in der ersten Elf nehmen Woltemade und Undav dennoch die Rolle der Herausforderer von Havertz an.

„Wir sind alle drei Spieler, die den Ball gerne am Fuß haben, die der Mannschaft auch helfen wollen, in die Box zu kommen. Jeder hat seine anderen Stärken. Deniz hat so einen Riecher in der Box, hat eine Top-Quote in dieser Saison […]“, erklärte der Arsenal-Profi die Unterschiede der Stürmer: „Nick ist jemand, der das auch hat, der auch noch technisch am Ball top ist, eine gewisse Größe und Ausstrahlung mitbringt. Ich bin vielleicht so ein Zwischending aus beiden.“

Havertz spielte mit Arsenal eine der besten Saisons der Vereinsgeschichte, gewann die Premier League und unterlag im Champions-League-Finale PSG – trotz seines Treffers – erst im Elfmeterschießen.

Nagelsmann setzt auf Havertz

„Man hat seine Bedeutung gesehen, seinen Fleiß in der Defensive, seine brutale Kopfballstärke auch defensiv bei Standards […]. Es ist schade, dass er das Finale nicht gewonnen hat“, schwärmte Nagelsmann nach dem 4:0-Sieg gegen Finnland von Havertz, „aber sein Tor war außergewöhnlich und wird ihm zusätzlich Auftrieb geben.“

Noch wichtiger war für den Bundestrainer jedoch das, was abseits der Schlagzeilen sichtbar wurde: „Wer im Finale genau hingeschaut hat, der konnte sehen, was Kai für eine Bedeutung für seine Mannschaft hat. Er fällt nicht nur durch sein Tor auf, sondern auch durch seinen Fleiß, seine brutale Kopfballstärke, auch bei defensiven Standards.“

Die Mischung aus Qualität, Einsatzbereitschaft, Spielintelligenz und Persönlichkeit macht Havertz für den Bundestrainer so wertvoll. Der 26-Jährige musste verletzungsbedingt lange auf sein Comeback im DFB-Trikot warten, ist für Nagelsmann aber nach wie vor gesetzt.

Harter Konkurrenzkampf? „Wird kein Drama geben“

Dennoch: Der Konkurrenzkampf in der Offensive ist heißer denn je. Dass darunter das Klima innerhalb der Mannschaft leidet, glaubt Havertz allerdings nicht.

„Wir haben alle ein unterschiedliches Profil, haben aber alle das gleiche Ziel und deshalb werden wir uns da als Stürmer generell unterstützen und da wird es kein großes Drama geben“, betonte der Offensivspieler. „Wir müssen als Mannschaft gemeinsam funktionieren und da braucht jeder jeden. […] Generell ist die Stimmung top, da gibt es keinen großen Kampf, weil einer vor einem spielt. Jeder ist für den anderen da. Das ist das Wichtigste.“

Schon wenige Tage nach dem Champions-League-Finale stand Havertz am Mittwochmittag in Chicago wieder auf dem Trainingsplatz. Nagelsmann versprach, ihn nach der Finalniederlage behutsam aufzubauen. Vieles spricht jedoch dafür, dass er schon gegen die USA wieder in der Startelf stehen wird.

Denn bei aller Konkurrenz gilt weiterhin: An Kai Havertz gibt es in der DFB-Elf kein Vorbeikommen.