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Heftige Kritik an Thomas Tuchel: "Neandertaler-Fußball"

Heftige Kritik an Tuchel

Die Niederlage im WM-Halbfinale wirft in England große Fragen über die Herangehensweise von Thomas Tuchel auf. Der deutsche Coach muss sich massiver Kritik stellen.
Die Enttäuschung nach dem verpassten WM-Finale ist groß bei England. Nach dem Spiel schildert Trainer Thomas Tuchel, welche Worte er seinen Spielern in der Kabine mitgab.
Lars Hinzberg
Die Niederlage im WM-Halbfinale wirft in England große Fragen über die Herangehensweise von Thomas Tuchel auf. Der deutsche Coach muss sich massiver Kritik stellen.

Der Ausgang von Thomas Tuchels erster WM als deutscher Trainer einer englischen Nationalmannschaft war abzusehen: Gewinnt er, ist er dem Heldenstatus denkbar nahe. Gelingt es ihm nicht, den von den Fans erhofften Titel zu holen, ist ihm die Rolle als Sündenbock sicher. Die englische Daily Mail zog nach dem 1:2 gegen Argentinien ein vernichtendes Fazit.

„Die Schuld lag bei Tuchel. Das lag ganz und gar bei Tuchel“, bilanzierte der Sport-Chef der Boulevardzeitung in seinem Kommentar. Tuchel habe sich von seinem Kontrahenten Lionel Scaloni schlichtweg auscoachen lassen.

Tuchels Auswechslungen sorgen für Ärger

Größter Kritikpunkt waren dabei die Wechsel, die Tuchel in der zweiten Halbzeit vornahm. Nach dem 1:0 von Anthony Gordon in der 55. Minute nahm er den Torschützen vom Feld und brachte mit Ezri Konsa einen Verteidiger. Weitere Defensivwechsel sollten folgen.

Argentinien schnürte ein zunehmend passiv werdendes England fortan ein und erzwang in den Schlussminuten erst den Ausgleich und später durch Lautaro Martínez das Siegtor. Beide Treffer des Titelverteidigers wurden von Lionel Messi vorbereitet, der in der Endphase des Spiels ein ums andere Mal zur Flanke ansetzen durfte.

„Neandertaler-Fußball“ beim WM-Aus

„Es war ein risikoreiches Glücksspiel, und am Mittwochabend ging dieses Glücksspiel schief. Als England im Atlanta-Stadion gegen Argentinien verlor und dabei eine 1:0-Führung verspielte, wurde die von Tuchel versprochene taktische Raffinesse durch Neandertaler-Fußball ersetzt“, zog die Daily Mail einen harten Vergleich.

Dabei erhoffte man sich vom ehemaligen BVB– und Bayern-Trainer genau das Gegenteil: Nach dem oft als „bieder“ kritisierten Spielstil seines Vorgängers Gareth Southgate sollte Tuchel die Mannschaft wieder elektrisieren.

„England findet immer einen Weg, die großen Spiele bei großen Turnieren zu verlieren. Uns wurde gesagt, dass es dieses Mal wegen Tuchel anders sein würde. Aber es war nicht anders. Es war fast genau dasselbe. Wenn überhaupt, war es sogar noch schlimmer“, fielen in dem Kommentar der Boulevardzeitung weitere deutliche Worte in Richtung des deutschen Trainers.

Diese Tuchel-Alternative wurde sich gewünscht

Der Schritt hin zu Tuchel war für die als schonungslos bekannte englische Presse der falsche. Als Alternative wurde Lee Carsley angeführt, der mit der U21 der Three Lions 2023 und 2025 die EM gewann.

Jener „wurde aber von der FA als nicht gut genug erachtet, die ihre Prinzipien eines Förderpfades für englische Talente aufgab, indem sie einen ausländischen Trainer ernannte“, liefert die Daily Mail direkt die Erklärung dazu.

Vorbild für dieses Modell wären die Spanier, die mit Luis de la Fuente ebenfalls ihren einstigen U21-Trainer beförderten und unter seiner Führung sowohl die EURO 2024 gegen England gewannen als auch bei der WM im Finale stehen.

Personal-Ärger schon bei der Kader-Nominierung

„Ja, ich übernehme die Verantwortung, aber ich bereue absolut nichts“, erklärte Tuchel nach Abpfiff im Interview. Vorher hatte er wiederholt technische und taktische Fehler seiner Spieler im Turnier kritisiert. Eine Herangehensweise, die seitens der Presse erwartungsgemäß nicht auf große Begeisterung stößt:

„Das Scheitern Englands bei der Weltmeisterschaft ging auf sein Konto. Nicht auf das der Spieler. Wenn überhaupt, dann haben die Spieler ihn bei diesem Turnier gerettet. Jude Bellingham und Harry Kane haben ihn gerettet.“

Einer, der ihn nicht mehr retten konnte, ist Cole Palmer. Der Chelsea-Profi hatte in Englands WM-Kader keinen Platz erhalten. „Der englische Spieler mit der besten Technik, ein Spieler, der mit seinem Spielverständnis und seinem Können Spiele entscheiden kann“, schrieb die Daily Mail.

England-Ikone Lineker kritisiert Tuchel

Nach dem Verpassen des WM-Endspiels prasselte viel Kritik auf Tuchel ein. Zuvor hatte sich schon England-Ikone Gary Lineker zu Wort gemeldet.

„Ich fand es absolut unfassbar, dass man, wenn die Taktik darin besteht, alle Spieler tief stehen zu lassen, genau das gegen den größten Fußballer aller Zeiten tut“, sagte Lineker im Podcast „The Rest is Football“ bei Netflix.

Der früherer Stürmer wurde sogar noch deutlicher: „Das ist natürlich nur ein Scherz, aber ich frage mich, ob Thomas Tuchel ein deutscher Spion ist. Wir wurden unterwandert. Ich glaube, Deutschland – weil sie im Moment nicht besonders gut sind und die Gruppenphase nicht überstehen – hat jemanden eingeschleust.“