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Jude Bellingham lässt England und Thomas Tuchel träumen

Bellingham lässt England träumen

Thomas Tuchel darf mit England weiter vom WM-Titel träumen. Die Three Lions überstehen im Viertelfinale gegen Norwegen einen wahren Krimi - vor allem dank Jude Bellingham.
Thomas Tuchel darf mit England weiter vom WM-Titel träumen. Die Three Lions überstehen im Viertelfinale gegen Norwegen einen wahren Krimi - vor allem dank Jude Bellingham.
Thomas Tuchel darf mit England weiter vom WM-Titel träumen. Die Three Lions überstehen im Viertelfinale gegen Norwegen einen wahren Krimi - vor allem dank Jude Bellingham.

Harry Kane? Erling Haaland? Nein, Jude Bellingham! Der Mittelfeldstar von Real Madrid war beim Duell der beiden Topstürmer im WM-Viertelfinale der entscheidende Mann und führte England mit einem Doppelpack (45.+2, 93.) beim 2:1 (1:1)-Sieg gegen Norwegen nach Verlängerung ins Halbfinale.

„Bellingham, der Retter, schickt England erneut ins WM-Halbfinale“, schrieb der Telegraph, die Sun meinte schlicht: „Bellingham ist der Held“. 

„England musste sich durchbeißen“

Die von Thomas Tuchel trainierten Three Lions dürfen damit weiter vom zweiten WM-Titel nach 1966 träumen. Doch gegen die Skandinavier erlebten die Engländer, die nun entweder gegen Titelverteidiger Argentinien oder die Schweiz um den Finaleinzug spielen, einen wahren Krimi.

„England musste sich durchbeißen, sie hatten zwischendurch auch Glück, aber sie haben einfach nicht aufgegeben, und am Ende machte ihre Kaderstärke den Unterschied“, schrieb der Guardian.

Tuchel war dennoch angefressen: „Klar, Halbfinale ist großartig. Aber wir haben uns das Leben heute selbst schwer gemacht. Wir haben schlampig und langsam gespielt, viele Fehler gemacht.“

Andreas Schjelderup (36.) schockte das Mutterland des Fußballs mit einem sehenswerten Schuss in den Winkel, Kane monierte vergeblich in der Entstehung ein Foulspiel.

Hätte Englands erstes Tor nicht zählen dürfen?

In der Nachspielzeit der ersten Hälfte brachte Bellingham (45.+2) die Engländer zurück ins Spiel. Allerdings hätte der Treffer wohl nicht zählen dürfen, da der Ball beim vorausgegangen Abstoß von Örjan Nyland offenbar das Seil der Sky-Cam berührt hatte. Trotz Protesten der Norweger wurde das Tor aber gegeben.

Die FIFA stellte noch während des Spiels klar, dass der Sensor im Ball keinen „Herzschlag“ gezeigt habe, „es gibt daher keinen Beweis, dass der Ball das Kabel berührt und die Bewegung des Balls verändert hat“.

Im zweiten Durchgang hatten die Three Lions erneut Glück, als der Treffer von Torbjörn Heggem (55.) nach VAR-Check zurückgenommen wurde, weil Haaland sich unmittelbar vor der Ausführung der Ecke mit einem Schubser unerlaubt Platz verschafft hatte.

Nyland patzt, Haaland ausgewechselt

Zu Beginn der Verlängerung markierte Bellingham (93.) seinen zweiten Treffer des Spiels. Dabei profitierte der Ex-Dortmunder von einem Patzer von Nyland. Beim Achtelfinal-Sieg gegen Brasilien hatte der Ex-Ingolstädter noch mit Paraden geglänzt, nun konnte er einen Distanzschuss von Morgan Rogers nicht festhalten – Bellingham staubte ab.

„Das ist leider ein sehr großer Torwartfehler. Ein riesengroßer Torwartfehler, der Ball flattert nicht, er ist gut zu sehen“, sagte Experte Mats Hummels bei MagentaTV. „Und Bellingham hat das Näschen.“

Und während die englischen Fans in der zweiten Hälfte der Verlängerungen „Hey Jude“-Gesänge anstimmten, war Norwegens Stürmerstar Haaland schon kein Faktor mehr. Der Angreifer von Manchester City wurde in der Pause der Verlängerung ausgewechselt.

Hitze macht Teams zu schaffen

Tuchel hatte bereits vor Wochen den Titel als klares Ziel ausgerufen. Es sei wichtig, groß zu denken und darüber auch zu sprechen. Seine Mannschaft hatte im Achtelfinale von Mexiko-Stadt den Co-Gastgeber Mexiko ausgeschaltet und zusätzlich Selbstvertrauen gesammelt.

Am Samstag in Miami taten sich die Engländer nach einer Schweigeminute für den verstorbenen südafrikanischen WM-Teilnehmer Jayden Adams jedoch zunächst schwer. Norwegen stand tief, verschob diszipliniert und bot Harry Kane und Co. keine Räume. Die Kombinationen der Engländer waren zu behäbig, was jedoch auch an den hohen Temperaturen gelegen haben könnte. Von gefühlten 38 Grad war die Rede.

So dauerte es bis zur 19. Minute, ehe sich die Engländer ihre erste Chance herausspielten: Bellingham sprang aber bei einer Hereingabe am Ball vorbei. Kurz darauf jagte Kane (29.) einen Freistoß aus sehr guter Position deutlich über das Tor.

Norwegen trifft traumhaft – und lässt Chancen aus

Dann aber brachten die Engländer ihren bis dahin sehr zögerlichen Gegner mit einem Fehler selbst ins Spiel: John Stones hätte im eigenen Strafraum fast den Ball verloren und Haaland somit eine Großchance geschenkt (33.). Haaland (35.) köpfte kurz darauf drüber, dann schoss Schjelderup den Ball sehenswert in den Winkel. Die Engländer beschwerten sich über ein vermeintliches Foul an Kane in der Entstehung.

Dem norwegischen Kronprinzen Haakon war es egal – er jubelte an der Seite des FIFA-Präsidenten Gianni Infantino ausgelassen. Dass Alexander Sörloth (39.) eine aussichtsreiche Konterchance leichtfertig vergab, rächte sich: Bellingham sorgte mit einer starken Einzelaktion für den Ausgleich – begleitet von den erwähnten Diskussionen. 

Norwegen bringt England in Bedrängnis

Die zweite Halbzeit gehörte den Norwegern, die sich gleich drei Ecken nacheinander erspielten – und über das 2:1 jubelten. Doch Haaland hatte vor Torbjörn Lysaker Heggems Treffer (55.) seinen Gegenspieler umgestoßen, Schiedsrichter Clément Turpin verwehrte dem Treffer nach Sichtung der Videobilder die Anerkennung.

Norwegen drängte weiter, traf durch Kristoffer Ajer (76.) die Latte. Die Engländer blieben im zweiten Durchgang ohne jeden Torschuss und retteten sich in die Verlängerung. Dort schlug Bellingham nach einem Patzer des zuvor so starken Keepers Nyland mit einem Abstauber eiskalt zu.

Wenig später bekam England einen Foulelfmeter zugesprochen, den Turpin nach Ansicht der TV-Bilder aber zurücknahm. Zu Beginn der letzten 15 Minuten musste Haaland völlig erschöpft vom Feld und musste tatenlos zusehen, wie sein Team vergeblich kämpfte.

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Mit Sport-Informations-Dienst (SID)