Selten sah man Kylian Mbappé derart emotional. Erst schrie der Superstar Paraguays Torhüter Orlando Gill an, dann brüllte er Richtung Fans. Nach dem Abpfiff platzte alles heraus, was sich in mehr als 90 Minuten, in denen der Deutschland-Schreck die Franzosen mit allen Mitteln bekämpft hatte, aufgestaut hatte.
WM-Schiri am Pranger: "Ich habe das ganze Spiel nur den Kopf geschüttelt"
„Schlechteste Schiri-Leistung der WM“
Mbappé hatte nach diesem Spiel offensichtlich ähnliche Gefühle wie viele Experten und Fans, nicht nur der französischen Mannschaft. Er war geladen wegen der immer wieder vom Ruppigen ins Unsportliche driftenden Spielweise Paraguays. Und wegen des überforderten Schiedsrichters Ilgis Tantaschew aus Usbekistan, der sie nicht in Zaum hielt.
Schiedsrichter-Experte Ittrich übt Kritik
Tantaschew hatte den Südamerikanern trotz aller unfairen Vorkommnisse nicht mal eine Gelbe Karte gezeigt hatte – und stieß damit auf breites Unverständnis.
„Zur Schiedsrichterleistung habe ich nichts zu sagen“, schimpfte Rayan Cherki: „Wie viele Fouls waren es? 30? 40? Und keine einzige Gelbe Karte?“ Der frühere Bundesliga-Referee Patrick Ittrich sprach von der „schlechtesten Schirileistung dieser WM“. Als Unparteiischer „hast du das Spiel zu managen, das ist hier komplett in die Hose gegangen“, sagte er bei MagentaTV: „Ich habe das ganze Spiel nur den Kopf geschüttelt.“
In einer Mischung aus Ärger über Paraguay und den Schiri mochte auch Ittrichs TV-Kollege Jan Henkel seine Emotionen nicht bändigen. „Ich rege mich tierisch auf, das ist ein widerlicher Fußball“, schimpfte der Taktik-Analyst. Tantaschew habe das Spiel „überhaupt nicht im Griff gehabt“. Sowohl Ittrich und Henkel fragten sich auch, warum Schiri-Assistenten und VAR nicht öfter eingriffen, um dabei zu helfen.
Mbappé: „Jeder kämpft mit seinen Waffen“
Mbappé, der Frankreich mit einem verwandelten Foulelfmeter ins Viertelfinale geführt hatte, ging derweil schnell in selbstbewussten Trotz über: „Wenn wir uns die Hände schmutzig machen müssen, dann machen wir uns die Hände schmutzig. Sie wollten nur kämpfen. Wir können auch dreckig spielen, aber waren trotzdem besser als sie.“ Trainer Didier Deschamps warf dem Gegner vor, „endlos viel“ gefoult zu haben.
Neben der Hitze in Philadelphia bereitete dem WM-Favoriten vor allem die ruppige Gangart Paraguays einige Probleme. Mbappé, der von Deschamps nach dem Sieg (1:0) beruhigt werden musste, dürfte Genugtuung verspürt haben.
„Das ist ihr Fußball. Jeder kämpft mit seinen Waffen“, sagte der Starstürmer. „Wir haben gezeigt, dass wir nicht nur Offensivfußball spielen können.“
Die Franzosen, die am Donnerstag (22.00 Uhr MESZ) in Boston auf Marokko treffen, behielten dennoch die Nerven.
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Mit Sport-Informations-Dienst (SID)