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Wird Wolff zum großen Faktor?

Wird Wolff zum großen Faktor?

Die deutschen Handballer starten mit einer neu formierten und blutjungen Truppe in die EM. Keeper Andreas Wolff gehört zu den Routiniers und könnte zum großen Faktor werden.
Starker Auftritt der deutschen Handball-Nationalmannschaft im letzten Härtetest vor der Europameisterschaft: Gegen Rekord-Weltmeister Frankreich trumpft das DHB-Team in den Schlusssekunden auf.
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von Alexandra Müller

Die Europameisterschaft kann für die deutschen Handballer kommen!

Seinen ultimativen Härtetest gegen Olympiasieger Frankreich hat das Team von Bundestrainer Alfred Gislason mit Bravour bestanden und mit dem überraschenden 35:34-Erfolg noch einmal ordentlich Selbstvertrauen für die anstehende Aufgabe getankt. (NEWS: Alles Wichtige zum Handball)

Die Vorstellung der DHB-Auswahl weckte Hoffnungen auf ein erfolgreiches Turnier in Ungarn und der Slowakei - auch wenn die Erwartungen an die neu formierte Mannschaft nicht allzu groß sind. Nicht weniger als neun Turnier-Debütanten nominierte Gislason nach der Absagenflut seiner Stars wie Hendrik Pekeler, Fabian Wiede oder Paul Drux.

Gislason schmälert Erwartungen für EM

„Die Situation ist wie sie ist und wir werden versuchen, das Beste daraus zu machen“, so der Coach vor dem Turnier. Ohne den angeschlagenen Jannik Kohlbacher, hinter dessen Einsatz bei der EM noch ein Fragezeichen steht, kann der Isländer nur auf vier Akteure zurückgreifen, die mit der DHB-Auswahl den EM-Titel 2016 gewonnen hatten.

Einer davon ist Keeper Andreas Wolff, der mit den Neulingen Till Klimpke (23) und Joel Birlehm (24) vorerst das Torhüter-Trio bildet. Dabei könnte dem Routinier in der Slowakei eine besonders wichtige Rolle zukommen. (DATEN: Spielplan und Ergebnisse der Handball-EM)

Der 30-Jährige steht für Qualität und Erfahrung, wie sie sonst nur Kapitän Johannes Golla und Patrick Wiencek in der Abwehr sowie Philipp Weber, Julius Kühn und Kai Häfner im Angriff auf die Platte bringen.

Wird Andreas Wolff zum großen Faktor?

Das stellte Wolff auch bei der Generalprobe gegen Frankreich eindrucksvoll unter Beweis. Der Torwart, der beim polnischen Rekordmeister Vive Kielce unter Vertrag steht, bestätigte seine starke Form mit etlichen Paraden.

Schon kurz vor der Pause schickte ihn Gislason auf die Platte, nachdem Klimpke kein Faktor war und meistens nichts mehr retten konnte - eine Entscheidung, die sich auszahlte.

Wolff, der schon am vergangenen Freitag beim 30:26 gegen die Schweiz eine starke Leistung gezeigt hatte, war nach einer kurzen Anlaufphase wieder der erhoffte Rückhalt und leitete mit seinen Paraden sogar einen Vier-Tore-Lauf der DHB-Männer ein.

Das Ergebnis: Es ging ein Ruck durch das deutsche Team, in der Abwehr wurde beherzter zugepackt und auch der Angriff drehte auf.

Wolff kämpft sich bei Gislason zurück

Mit seinen Auftritten in den letzten beiden Tests vor der EM hat sich Wolff endgültig bewiesen. Wenige Tage zuvor hatte Gislason noch von einem ausgeglichenen Torhüter-Gespann gesprochen und dem Euskirchener nur einen kleinen Vorteil eingeräumt: „Viele seiner Teamkollegen spielen bei Polen oder Weißrussland“, sagte der Coach in einer digitalen Medienrunde auf SPORT1-Nachfrage.

Im Oktober noch hatte Gislason sogar bei einer Lehrgangswoche inklusive zweier Länderspiele gegen Portugal komplett auf Wolff verzichtet. „Vielleicht überrascht dieses Aufgebot Außenstehende, aber dieser Kader spiegelt das aktuelle Leistungsvermögen und Perspektive wider“, hatte Gislason damals gesagt.

Andreas Wolff muss wieder zum Rückhalt der DHB-Auswahl werden
Andreas Wolff muss wieder zum Rückhalt der DHB-Auswahl werden

Nun ist Wolff aber nicht nur zurück im Kader, sondern wohl auch bei der EM die klare Nummer eins zwischen den Pfosten.

Wolff nach WM in Ägypten in der Bringschuld

Der erfahrene Keeper könnte zum entscheidenden Rückhalt der blutjungen, deutschen Truppe werden.

Dafür muss er allerdings ein anderes Gesicht wie beim letzten großen Turnier zeigen. Bei der WM in Ägypten konnte sich Wolff kaum in Topform präsentieren. Auch seine Führungsqualitäten ließen zu wünschen übrig.

Als WM-Zwölfter kehrte Deutschland mit der schlechtesten Platzierung in der Verbandsgeschichte von den Titelkämpfen am Nil zurück und blieb zum fünften Mal in Folge ohne eine Medaille bei einem Großereignis.

Diese Serie soll in diesem Jahr endlich beendet werden. Dafür braucht es aber einen Andi Wolff mit Paraden wie am Fließband - so wie 2016, als er das DHB-Team zum Europameister-Titel gehext hatte.

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