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Explodiert der Superstar ausgerechnet gegen Deutschland?

Explodiert er gegen Deutschland?

Dika Mem war die tragische Figur bei Olympia 2024 und sucht bei dieser EM noch nach seiner Form. Dennoch ist das DHB-Team gewarnt.
Deutschland reicht bei der EM-Hauptrunde ein Remis gegen Frankreich. Die DHB-Stars fiebern dem Duell entgegen.
Dika Mem war die tragische Figur bei Olympia 2024 und sucht bei dieser EM noch nach seiner Form. Dennoch ist das DHB-Team gewarnt.

Wie oft werden ihm wohl diese Bilder vor dem inneren Auge erschienen sein? Die Szene, als sich die Deutschen am Mittelkreis vor ihm aufbauen wie eine Wand. Als seinem Team noch fünf Sekunden zum Olympia-Halbfinale fehlen – und er den Ball einfach wegwirft in die Arme von Julian Köster. Was danach kam, ist Handball-Geschichte: Pass auf Renars Uscins, Tor in letzter Sekunde, Verlängerung. Sieg Deutschland.

So spielte es sich ab an diesem 7. August 2024 in Lille, als sein Fehler eine ganze Handball-Nation aus allen Träumen riss. Dika Mem, der hoch dekorierte Olympiasieger, Weltmeister und Champions-League-Sieger. In diesem Moment war er der große Verlierer.

Exakt 540 Tage werden seit diesen dramatischen Erlebnissen vergangen sein, wenn sich beide Teams erstmals wieder in einem Pflichtspiel gegenüberstehen. Wieder geht es um alles oder nichts, wieder steht ein Halbfinal-Einzug auf dem Spiel, und wieder ist Mem Teil der französischen Mannschaft.

Handball-EM: Dika Mem erzielte bei der WM 2025 noch 54 Tore

Er hatte in der Zwischenzeit mit dem FC Barcelona das Halbfinale der Champions League erreicht, mit den Franzosen stand er 2025 bei der WM ebenfalls in der Vorschlussrunde. Hinter dem Dänen Mathias Gidsel war er mit 54 Treffern zweitbester Torschütze des gesamten Turniers.

Und dennoch wird er vor dem Aufeinandertreffen mit den Deutschen an diesem Mittwoch (ab 18 Uhr im LIVETICKER) im letzten Hauptrundenspiel hauptsächlich auf diese eine Szene von Lille angesprochen. Natürlich.

„Es ist, wie es ist. Letztendlich ist es passiert. Ich persönlich denke, ich habe es hinter mir gelassen, denn das ist zwei Jahre her“, sagte Mem bei Sky Sport. Stimmt nicht ganz. Es sind nur eineinhalb Jahre. Aber nicht zuletzt ihm wird das herzlich egal sein.

Denn er kann seinen Fehlwurf sowieso nicht mehr ungeschehen machen. „Selbst wenn wir morgen gewinnen, werde ich die Olympischen Spiele nicht gewinnen. Das ist ein anderer Wettbewerb“, betonte er.

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Handball-EM: Dika Mem glänzte bislang nur gegen Portugal

Doch im Vergleich zur vergangenen WM ist auch er ein anderer Spieler geworden. So scheint es zumindest beim Blick auf die Torschützenliste der aktuellen Handball-EM. Da muss man lange suchen, bis man seinen Namen findet. Auf Platz 30 taucht er erst auf, mit nur 23 Toren. Für seine Verhältnisse ist das unterirdisch.

Acht Tore und damit mehr als ein Drittel seiner Gesamtausbeute erzielte der 28-Jährige in der Hauptrunde beim 46:38-Sieg über Portugal. Es ist bislang das einzige Spiel in diesem Turnier gewesen, bei dem er die Leistung zeigte, die die Experten und Fans von ihm erwartet haben.

Auch bei der unerwarteten Niederlage gegen Spanien im Spiel am Montag war Mem nur ein Schatten seiner selbst. Null Tore bei vier Versuchen und null Assists. So lautete die Bilanz des Spielers, der 2024 in der Champions League mit 106 noch die meisten Feldtore erzielt hatte und als bester rechter Rückraumspieler des Wettbewerbs ausgezeichnet wurde.

„Wir wussten, was auf uns zukommt, aber haben nicht hart genug gespielt und zu viele Fehler gemacht“, sagte Mem nach dem 32:36 gegen Spanien bei SPORT1. „Die zweite Reihe hat es dann besser gemacht und Energie ins Spiel gebracht, aber es war nicht genug.“

L‘Équipe: „Die Angst kehrt zurück“

Die französische Sportzeitung L’Équipe titelte nach dem Spiel: „Die Angst kehrt zurück für die französische Mannschaft, die gegen Spanien nicht auf der Höhe war und nun gegen Deutschland gewinnen muss.“

Auch von Mem selbst kam viel zu wenig. Deutschlands Handball-Ikone Stefan Kretzschmar attestierte ihm bei Dyn „zwei Aussetzer“ gegen Spanien und Dänemark. Beide Spiele verlor Frankreich.

Auch für Pascal Hens ist es noch nicht das Turnier des Dika Mem, der 2027 zu den Füchsen nach Berlin wechseln wird. Dennoch warnt der Weltmeister von 2007 vor dem Franzosen und sagt: „Dem müssen wir direkt zeigen: ‚Das wird heute nicht dein Spiel.‘“

Frankreichs Nationaltrainer Guillaume Gille äußerte sich indes demonstrativ gelassen über die aktuelle Torkrise seines Rückraumstars. „Ich sehe, dass ihr hier viele Fragen zur Gesundheit und zur sportlichen Leistung von Dika habt. Das ergibt Sinn“, sagte er in einer Presserunde mit deutschen Journalisten mit einem Schmunzeln.

Handball-EM: Frankreichs Trainer sieht in Mems Krise „kein Problem“

Auch er hat die Formkrise des Superstars natürlich registriert, entgegnet aber: „Es ist für mich überhaupt kein Problem. Wir wissen alle, dass Spieler – egal, wie gut sie sind – immer mal wieder Schwankungen in ihren Leistungen haben. Auch etablierte Spieler können mal ein Leistungstief bekommen.“

Aber bevor sich die Deutschen allzu große Hoffnungen machen, dass Mems Tief auch gegen das DHB-Team anhält, schiebt er nach: „Ich hoffe, wir haben das hinter uns und werden morgen anders agieren.“

Explodiert die französische Wurfmaschine also doch ausgerechnet gegen Deutschland? Ausgeschlossen ist das nicht. An der nötigen Motivation dürfte es Dika Mem bei der speziellen Vorgeschichte jedenfalls nicht mangeln.

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