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Handball-EM: Gemischte Gefühle bei den Experten

Darum kam Wolff nur von der Bank

Deutschland startet ohne Andreas Wolff in den Kracher gegen Dänemark. Ex-Spieler ordnen die unerwartete Entscheidung von Bundestrainer Alfred Gislason ein, während dieser selbst Stellung bezieht.
Bundestrainer Alfred Gislason begründet seinen überraschenden Torwartwechsel vor dem EM-Spiel gegen Dänemark.
Deutschland startet ohne Andreas Wolff in den Kracher gegen Dänemark. Ex-Spieler ordnen die unerwartete Entscheidung von Bundestrainer Alfred Gislason ein, während dieser selbst Stellung bezieht.

Bei der deutschen Niederlage im EM-Kracher gegen Dänemark (26:31) setzte Bundestrainer Alfred Gislason überraschend zunächst nicht auf den bis dato überragenden Torhüter Andreas Wolff, sondern schenkte David Späth das Vertrauen.

„Es war einfach so, dass wir abgesprochen haben, dass David jetzt spielt gegen Dänemark. Erstens weil Andi oft nicht gut gespielt hat gegen Dänemark. Zweitens hat David die ganz große Stärke bei den Rückraumwürfen. Wenn man die Dänen kennt, kommen da ziemlich viele Würfe aus dem Rückraum“, sagte Gislason nach dem Spiel in der Mixed-Zone

Wolff habe zudem „viel gespielt in letzter Zeit und auch sehr gut gespielt. Und man muss diese Last auch auf die anderen verteilen und wir vertrauen David sehr und die sind super untereinander“.

In der ARD bekräftigte der Isländer zudem vor der Partie: „Beide funktionieren überragend. Andi hat sehr viel gespielt und auch überragend gespielt. Wir sehen sie nicht wirklich als ersten oder zweiten Torwart – alles ist möglich auf dieser Position."

Die überraschende Personalentscheidung rief unterschiedliche Reaktionen hervor. Experte Dominik Klein führte im Vorfeld der Partie einen weiteren Aspekt an, warum Späth gegen die mit Weltklasse-Rückraumspielern gespickten Dänen funktionieren könne: „Andi Wolff ist bei Würfen aus der Nahwurfzone Weltklasse. Aber ehrlich gesagt: Die Emotionen, die David Späth ausstrahlt, können den Unterschied machen.“

Handball-EM: Kretzschmar ordnet Torwart-Wechsel ein

Auch Ex-Nationalspieler Stefan Kretzschmar zeigte durchaus Verständnis: „Man kann es machen“, sagte er bei Dyn zur Entscheidung, Wolff – der im bisherigen Turnier beeindruckende Leistungen gezeigt hatte – auf die Bank zu setzen: „Wir haben hier die 18 besten Spieler Deutschlands und da gehört David Späth auch dazu.“

In der Partie fand Späth dann auch schnell zu recht und zeichnete sich mit einigen Paraden aus. „Ich finde, er ist gut ins Spiel gekommen“, lobte Kretzschmar im Anschluss. Späth kam am Ende auf neun parierte Bälle und eine Quote von 26 Prozent.

Bis zur 39. Minute war Deutschland mit Dänemark auf Augenhöhe, dann allerdings musste die DHB-Auswahl einen kurzen Moment in doppelter Unterzahl agieren – und die Dänen zogen zunehmend davon.

Bitter fordert Wolff-Einsatz

Johannes Bitter forderte daraufhin einen Einsatz von Wolff: „Wir haben hier nur eine Chance, wenn wir Andi ein paar Minuten geben“, stellte der ARD-Experte klar.

Mehrere Minuten später, als die Partie bereits entschieden schien, erklärte Kretzschmar bei Dyn: „Ihn jetzt in eine Schlussphase gegen Dänemark zu schicken, die deutlich werden wird, ist psychologisch nicht die beste Idee.“

Wolff kam jedoch tatsächlich für die letzten Minuten für Späth ins Spiel, konnte allerdings wenig überraschend nicht mehr für eine Wende sorgen.

„Ich hatte ein bisschen Schiss. Weil wenn er keinen einzigen Ball hält, wäre das für das Gefühl für das Frankreich-Spiel schlecht gewesen. Ich war zufrieden, dass er wenigstens noch drei, vier Bälle gehalten hat“, bilanzierte Kretzschmar nach dem Match.

Wolff derzeit in Top-Form

Wolff spielt bislang eine herausragende Handball-EM und hatte insbesondere gegen Norwegen geglänzt: Mit einer unglaublichen Paraden-Show führte der 34-Jährige Deutschland zum wichtigen 30:28-Erfolg. Am Ende standen bei Wolff 22 gehaltene Würfe und eine Paradenquote von 44 Prozent (22/50) zu Buche.

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