Erst stark gekämpft, dann nachgelassen und am Ende verloren: Die deutsche Nationalmannschaft hat sich im Kracher der Handball-EM gegen Dänemark mit 26:31 geschlagen geben müssen. Für die DHB-Auswahl ist es nach der Vorrundenpleite gegen Serbien die zweite Niederlage im laufenden Turnier.
Handball-EM: Rückschlag für Deutschland - doch Halbfinal-Traum lebt
Rückschlag für Deutschland
Das Team von Bundestrainer Alfred Gislason hielt gegen den großen Favoriten lange dagegen und setzte den dänischen Angriffen mit einer konzentrierten, robusten Abwehr immer wieder Grenzen. Erst nach rund 40 Minuten kassierte Deutschland dann die entscheidenden Gegentreffer, verlor den Zugriff auf die Partie und fand zeitweise offensiv wie defensiv kaum noch Halt.
„Ich fand, bis zur 40. Minute waren wir auf Augenhöhe. Dann hat uns Dänemark mit seinem Tempospiel überrollt, und wir haben im Angriff zu viel liegen lassen“, analysierte Späth hinterher bei Dyn. „40 Minuten lang haben wir es überragend gemacht, zwischen der 40. und 50. Minute dann nicht mehr.“
Beste Werfer des Abends waren Simon Pytlick und Mathias Gidsel mit jeweils acht Treffern, für Deutschland kam Renas Uscins auf sechs Tore. Das Torhüterduell entschied Dänemarks Emil Nielsen mit insgesamt 14 Paraden für sich, während David Späth auf neun gehaltene Bälle kam. Mit dem Erfolg qualifizierten sich die Skandinavier als erstes Team für das Halbfinale.
Deutschland lässt sich lange nicht abschütteln
Die hochgelobten Serien-Weltmeister um Welthandballer Gidsel bissen sich an der deutschen Defensive um den überraschend aufgebotenen Torhüter Späth zunächst die Zähne aus, vorne suchten Torjäger Uscins und Co. unerschrocken den Abschluss.
Grgic hatte zunächst zwar enormes Wurfpech, gleich drei seiner Würfe klatschten an Latte oder Pfosten, doch Deutschland führte nach einem verwandelten Siebenmeter von Nils Lichtlein schnell mit 3:1 (4.).
Davon unbeeindruckt zeigten sich die Dänen - und allen voran Gidsel. Per Doppelpack sorgte der Bundesliga-Star beim 6:4 für die erste Zwei-Tore-Führung seines Teams (8.).
Die DHB-Auswahl ließ sich aber nicht distanzieren. Im Angriff übernahm Uscins nun immer mehr Verantwortung und kühlte die brodelnde Arena mit seinen ansatzlosen Rückraumwürfen regelmäßig runter.
Wolff kann nichts mehr ausrichten
„Wir spielen sehr gut nach vorne“, rief Gislason seinen Spielern in einer Auszeit beim Stand von 9:11 (24.) zu.
Wolff fungierte in dieser Phase als lautstarker Antreiber von der Bank, motivierte Uscins und Co. lautstark. Während das dänische Spiel nun stockte, witterte Deutschland immer mehr seine Chance und kam nach 10:13-Rückstand (28.) noch einmal ran.
Es folgte ein bitterer Moment - den möglichen Ausgleich vergab Lichtlein mit dem Halbzeitpfiff: Sein Siebenmeter sprang vom Pfosten zurück ins Feld.
Doch je länger das Spiel dauerte, desto mehr setzte sich die individuelle Qualität der Dänen durch. Auch der in der Schlussphase eingewechselte Andreas Wolff konnte zwei Tage nach seiner Wahnsinns-Show gegen Norwegen nicht für die Wende sorgen.
Handball-EM: Deutschland weiter in einer guten Position
Trotz der Niederlage bleibt aber auch das Team von Alfred Gislason weiterhin im Rennen um die beiden Halbfinal-Tickets. Dafür genügt Deutschland am Mittwoch in seinem abschließenden Spiel der Hauptrundengruppe I gegen Frankreich bereits ein Unentschieden.
„Wir können hier mit erhobenem Haupt hinausgehen und das Endspiel gegen Frankreich angehen. Heute war nicht unser perfekter Tag, aber wir werden alles daransetzen, Dänemark in diesem Turnier noch einmal zu begegnen“, sagte Kapitän Johannes Golla.
Am frühen Montagabend hatte Spanien gegen Frankreich gewonnen und der deutschen Nationalmannschaft damit Schützenhilfe geleistet. Die Spanier, in der Vorrunde noch gegen das DHB-Team unterlegen, siegten mit 36:32 und machten die zweite Niederlage Frankreichs perfekt.
Dänemark führt die Tabelle nun mit sechs Zählern vor dem punktgleichen DHB-Team an, dahinter folgt Frankreich mit vier Punkten. Norwegen, Portugal und Spanien haben im Kampf um das Halbfinale keine Chancen mehr.
-----
Mit Sport-Informations-Dienst (SID)