Handball-EM>

Handball-EM: Entscheidung um Deutschlands Kapitän!

Entscheidung um Deutschlands Kapitän!

Johannes Golla sieht beim Krimi gegen Portugal die Rote Karte. Alfred Gislason schimpft über die Schiedsrichter. Später folgt die erlösende Nachricht.
Deutschland siegt mit 32:30 gegen Portugal. Dennoch ist Bundestrainer Alfred Gislason nicht vollumfänglich zufrieden.
Johannes Golla sieht beim Krimi gegen Portugal die Rote Karte. Alfred Gislason schimpft über die Schiedsrichter. Später folgt die erlösende Nachricht.

Die deutschen Handballer sind mit einem Thriller-Sieg in die EM-Hauptrunde gestartet.

Einziger Wermutstropfen: Kapitän Johannes Golla sah in der Schlussphase beim 32:30-Erfolg gegen Portugal die Rote Karte. Waren die Befürchtungen zunächst groß, dass der 28-Jährige gesperrt wird, kam im Laufe des Abends die erlösende Nachricht.

„Johannes Golla erhält keine weiteren Sanktionen für die Rote Karte, die er gegen Portugal erhalten hat, und kann im nächsten Spiel spielen“, gab die EHF offiziell bekannt. Deutschland trifft am Samstagabend (20.30 Uhr) auf Norwegen.

Bundestrainer Alfred Gislason hatte über die Rote Karte gegen Golla zunächst sein Unverständnis gezeigt. „Das war niemals eine Rote Karte“, stellte der Isländer nach dem Spiel am ARD-Mikrofon klar. „Er greift ihn an der Brust und er lässt sich fallen. Das sind maximal zwei Minuten.“

Golla hatte sich in der 53. Minute einen intensiven Zweikampf mit Francisco Costa geliefert. Nach dem Pass des Portugiesen traf Golla mit seinem Unterarm das Gesicht seines Gegenspielers.

Handball-EM: Golla droht Sperre - Gislason außer sich

Die Schiedsrichter sahen sich die Szene am Videomonitor an und entschieden anschließend auf Rot. So war auch Portugals Kreisläufer Victor Iturriza nach einem Feldverweis in der Vorrunde nachträglich für das Deutschland-Spiel gesperrt worden.

„Das wäre sehr bitter für uns, wenn wir ihn im nächsten Spiel verlieren. Ich hoffe, dass sie sich die Szene nochmal angucken, weil aus meiner Sicht war das gar keine Rote Karte. Wenn das eine Rote Karte ist, verstehe ich das nicht so richtig“, sagte der bediente Gislason in der Mixed Zone - und wurde später durch die EHF bestätigt.

Zuvor hatte er in der ARD die Golla-Situation mit einer Szene, die für Justus Fischer eine Zeitstrafe nach sich zog, verglichen: „Der läuft Vollgas in Fischer rein und der steht da mit Arm oben. Da kann man genauso Stürmerfoul pfeifen. Er schmeißt sich hin und schreit und dann kommt erst die Reaktion.“

Auch eine andere Aktion, als bei einer Angriffsaktion von Juri Knorr auf Stürmerfoul entschieden wurde, brachte den Coach auf die Palme: „Er bekommt ein Stürmerfoul, was aus meiner Sicht eigentlich eine Rote Karte (für Portugal, Anm. d. Red.) ist. Das hat mich echt gewundert, dass da nichts war.“

Kritik an den Schiedsrichtern

Generell war Gislason mit dem Auftritt der Unparteiischen nicht zufrieden. „Die Linie bei den Schiris war auch so, dass bei Kleinigkeiten, halben Fouls, nie gepfiffen wurde“, monierte er.

Die deutschen Spieler äußerten sich ebenfalls zum Golla-Rot. „Wenn es ein Gesichtstreffer war, ist es für mich eine Zwei-Minuten-Strafe, die kann man geben. Rote Karte finde ich schon ziemlich hart. Wenn dadurch jetzt eine Sperre zustande kommt, muss ich schon sagen, wäre das ein ganz schönes Ding. Aber darüber haben wir leider keine Entscheidungskraft“, meinte Miro Schluroff in der Mixed Zone.

Der überragende Torhüter Andreas Wolff erklärte: „Wir müssen abwarten und hoffen, dass Golli nicht gesperrt wird.“

Mögliche Sperre: So reagiert Golla

Golla selbst nahm die Rote Karte im Spiel deutlich gelassener auf als sein Trainer. Der Kreisläufer monierte nicht groß und entschuldigte sich noch an der Seitenlinie.

„Es ist natürlich immer ärgerlich, weil man nie die Absicht hat, einen Gegenspieler im Gesicht zu treffen. Es war auch kein extrem harter Kontakt, aber die Erfahrung ist einfach: Wenn der Videobeweis angeguckt wird, kommen oft diese Entscheidungen raus“, sagte Golla in der Mixed Zone: „Da nützt es nichts, sich den Kopf zu zerbrechen oder zu diskutieren. Die Entscheidung ist gefallen und die Jungs haben es super zu Ende gebracht.“

Der DHB-Kapitän bezeichnete seine Aktion als „unglückliches Nachgreifen. Ich hoffe natürlich nicht, dass es dafür eine Sperre gibt.“ Am Ende könne er das aber „nicht beeinflussen. Ich werde abwarten, was passiert. Ich hoffe nur, dass die Schiedsrichter und die Entscheider sehen, dass es kein hartes Foul war.“

Unterstützung erhielt Gislason unterdessen auch von Ex-Nationalspieler Florian Kehrmann. Der Lemgo-Trainer bezeichnete die Entscheidung bei Dyn als „hart“.

„Normalerweise ist das eine Zwei-Minuten-Strafe. Ich hoffe nicht, dass das eine Rote Karte ist“, sagte Kehrmann noch bevor die Referees ihre endgültige Entscheidung verkündet hatten.

Handball-EM: Die Highlights der deutschen Spiele, der Halbfinals und des Finales auf SPORT1.de und in der SPORT1 App