Handball-Bundestrainer Alfred Gislason hat kurz angebunden auf die Kritik an seiner Person bei der EM-Niederlage gegen Serbien reagiert. Neben Ex-Nationalspielern hatte sich auch Juri Knorr kritisch geäußert, der DHB-Spielmacher beschwerte sich am ARD-Mikrofon über seine Einsatzzeit.
Handball-EM: Nach Gislason reagiert auch der Manager auf Knorrs Kritik
Neue Reaktionen auf Knorrs Kritik
„Wir reden intern sehr viel“, sagte Gislason bei einer Pressekonferenz im Teamquartier am Sonntag im dänischen Silkeborg. Er habe aber „keine Ahnung“, was Knorr nach dem Spiel öffentlich in der Presse gesagt habe.
Chatton reagiert auf Knorrs Worte
DHB-Manager Benjamin Chatton betonte am Sonntag bei einem Medientermin: „Bei Juri finde ich es erstmal sehr positiv, dass er Verantwortung übernehmen möchte. Wer spielt, ist die Entscheidung des Trainers. Das akzeptiert er und hat er auch zu akzeptieren.“
Chatton ergänzte: „Dass nach einem Spiel auch Enttäuschung da ist, ist mehr als menschlich. Wir leben davon, dass die Jungs direkt zum Mikro gehen. Dann müssen wir auch damit leben, dass dann auch mal eine Emotion mit dabei ist, die er heute vielleicht anders formulieren würde.“
Er werte es aber „positiv, dass sich Jungs äußern und Erfolg haben wollen, dass sie sich Gedanken darüber machen, wie wir erfolgreicher sein wollen. Das muss natürlich in einer konstruktiven Art und Weise sein.“
Knorrs Mitspieler Lukas Mertens sagte: „Der Trainer entscheidet. Wir sind auf einem so hohen Niveau. Wenn man da jetzt noch das Fass aufmacht: Ich möchte da spielen, ich möchte in dem Spiel spielen, dann ist es ein bisschen schwierig. Es war von Juris Emotionen getrieben. Alfred entscheidet, wer auf der Platte ist. Vielleicht nicht so groß machen, wie es war.“
Deutschland braucht gegen Spanien das nächste Wunder
Nach dem 27:30 (17:13) im zweiten Vorrundenspiel steht Deutschland unter riesigem Druck. Im Gruppenfinale gegen Spanien droht am Montag (20.30 Uhr) das Vorrunden-Aus.
„Die Situation ist nicht schön. Wir müssen gegen Spanien mit einigen Toren gewinnen. Es wird alles andere als einfach“, sagte Gislason: „Wir müssen das Olympia-Wunder wiederholen, wenn wir weiterkommen wollen.“ Beim Silber-Coup von Paris hatte das DHB-Team im Halbfinale gegen Spanien gewonnen.
Es habe „die Führung von außen gefehlt“, hatte 2007-Weltmeister Pascal Hens am späten Samstagabend nach dem Serbien-Schock im „Harzblut“-Talk von Dyn moniert.
Man habe im Angriff „keinen Plan B“. Michael Kraus, ein weiterer WM-Champion von vor 19 Jahren, wählte noch deutlichere Worte: „Alfred, scheiße gecoacht, vercoacht.“ Knorr sagte: „Natürlich brodelt es in einem auf der Bank, wenn man da draußen sitzt und nicht helfen kann.“
Buzzer-Fehlgriff bringt Gislason in Erklärungsnot
Unter anderem an der Belastungsverteilung und Wahl der Spieler entlud sich die Kritik. Vor allem eine Szene knapp drei Minuten vor Schluss wurde heftig diskutiert.
Gislason hatte beim Stand von 25:26 knapp drei Minuten vor dem Ende Sekundenbruchteile zu früh auf den Buzzer gedrückt, der Ausgleichstreffer durch Knorr wurde deshalb aberkannt.
„Ich habe den Punkt gekostet mit dem Timeout. Juri war schneller, als ich dachte“, sagte Gislason am Sonntag, nachdem er sich das Video vom Spiel in der Nacht noch einmal angeschaut hatte, und übernahm die volle Verantwortung für die Niederlage: „Das war ein Schock für die Mannschaft. Der Fehler hat der Mannschaft mindestens einen Punkt gekostet.“
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