Bei der Niederlage der deutschen Nationalmannschaft im Finale der Handball-EM gegen Dänemark sind die Schiedsrichter aufgrund mehrerer umstrittener Entscheidungen in den Fokus gerückt.
"Geht doch nicht": Final-Schiedsrichter sorgen für Diskussionen
Final-Schiris sorgen für Wirbel
Bereits in der ersten Halbzeit sah Abwehrspezialist Tom Kiesler die Rote Karte, nachdem er Superstar Mathias Gidsel im Gesicht getroffen hatte. Diese Entscheidung der Referees nach Videobeweis zog allerdings keine größeren Diskussionen nach sich.
Für Wirbel sorgte jedoch die Rote Karte für Jannik Kohlbacher in der 57. Minute: Der Kreisläufer traf im Angriff Mads Hoxer unglücklich im Gesicht – auch hier entschieden sich die Schiedsrichter nach Ansicht der Videobilder wegen gefährlichen Spiels für einen Platzverweis.
Handball-EM: Verhaltene Kritik von Gislason
Auf diese Entscheidung kam nach dem Spiel Bundestrainer Alfred Gislason zu sprechen. „Wir hatten Hoffnung bis vier, fünf Minuten vor Schluss. Die Mannschaft hat nie aufgegeben. Die Rote Karte gegen Kohlbacher … ich finde auch, dass es den ein- oder anderen Siebenmeter hätte geben müssen“, erklärte der Isländer im ZDF.
„Erstaunlicherweise wurden ja auch viele Aktionen der Dänen angeguckt“, fuhr Gislason fort und machte eine VAR-Geste: „Bei uns nicht, es wurde nicht mal auf dem Würfel gezeigt.“
Während Gislason verhaltene Kritik übte, sorgten die Szenen um Kohlbacher bereits während der Live-Übertragung bei Dyn für großes Unverständnis. Die beiden ehemaligen Nationalspieler Stefan Kretzschmar und Pascal Hens rechneten zunächst mit einer Zwei-Minuten-Strafe für den Spieler der Rhein-Neckar Löwen.
Kretzschmar, Baur und Hens kritisieren Rote Karte
Als die Schiedsrichter dann über die Hallenlautsprecher die Rote Karte verkündeten, meinte Kretzschmar: „Das habe ich mir gerade gedacht: Was ist das jetzt eigentlich, wenn sie ihm eine Rote Karte geben ... ich hab mich selbst kaputtgelacht. Machen die doch nicht, geht doch nicht.“
Markus Baur, Weltmeister von 2007, stellte fest: „Das läuft nicht für uns, das Ganze. Das ist doch keine Rote Karte. Manchmal denke ich: Warum gibt es den Videobeweis?“
Hens pflichtete ihm bei: „Ja, weil es völliger Blödsinn ist“, sagte er und nahm Bezug auf die Ausholbewegung Kohlbachers, mit der dieser seinen Gegenspieler getroffen hatte: „Ja, er macht so, aber du musst auch gucken, wo er hinguckt. Er guckt zum Ball.“
Und weiter: „So etwas ärgert mich. Ja, er trifft ihn am Hals, aber guckt halt mal, wo er hinguckt. Der Ball ist da oben und er guckt zum Ball.“
Uscins wird hart angegangen – Pfeife bleibt stumm
Auch weitere Entscheidungen der Schiedsrichter sorgten für Unmut. So etwa die Zwei-Minuten-Strafe gegen DHB-Kapitän Johannes Golla in der 54. Minute oder ausbleibende Pfiffe, als Renars Uscins wiederholt im Angriff hart angegangen wurde.
„Das ist das zweite Mal bei Uscins. Da wird gerissen und dann hat er keinen Schwung mehr. Das ist ein klares Foul. Die Schiedsrichter haben natürlich die Brille auf“, beklagte Hens.
Auch im ZDF sorgten die Szenen für Aufsehen. Experte Sven-Sören Christophersen sagte zu den nicht geahndeten Fouls an Uscins: „So viel laufen lassen, da geh ich nicht mit.“
Von den deutschen Spielern selbst gab es nach der Partie keine kritischen Stimmen zu den Schiedsrichtern zu vernehmen. Entsprechend fair schätze auch Tom Kiesler seinen eigenen Platzverweis ein: „Ich treffe Gidsel im Gesicht, am Hals. Das ist sehr unglücklich. Ich wollte natürlich ein Stoppfoul machen, aber er taucht ein bisschen ab und ich treffe ihn dann am Hals. Es ist eine berechtigte Rote Karte, auf jeden Fall.“