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Handball-EM: Gold-Traum geplatzt! Zweimal Rot für Deutschland

Deutscher Gold-Coup bleibt aus

Deutschlands Handballer verpassen die Krönung ihres EM-Wintermärchens. Der eiskalte Gastgeber Dänemark erweist sich einmal mehr als zu stark.
Deutschlands Handballer verpassen die Krönung ihres EM-Wintermärchens. Der eiskalte Gastgeber Dänemark erweist sich einmal mehr als zu stark.
Deutschlands Handballer verpassen die Krönung ihres EM-Wintermärchens. Der eiskalte Gastgeber Dänemark erweist sich einmal mehr als zu stark.

Über weite Strecken stark mitgehalten, doch am Ende reichte es erneut nicht: Die deutschen Handballer haben den ganz großen Coup bei der Handball-EM verpasst. Gegen Gastgeber Dänemark verlor die Mannschaft von Bundestrainer Alfred Gislason ein packendes Finale mit 27:34 (16:18).

Mit dem Gewinn der Silbermedaille feierte das deutsche Team aber den größten Erfolg bei einer Europameisterschaft seit dem Titelgewinn vor zehn Jahren. Auf der anderen Seite beendeten die Dänen ihren persönlichen EM-Fluch und sicherten sich erstmals seit 2012 wieder die Goldmedaille.

„Ich bin erstmal stolz auf die Leistung heute und auf das ganze Turnier. Wir haben uns auch heute nicht aufgegeben. Am Ende sieht das Ergebnis deutlicher aus, als es war, auch weil wir am Ende zu viele leichte Fehler und Fehlwürfe machen“, erklärte Kapitän Johannes Golla im ZDF.

Gislason bilanzierte: „Es war ein sehr, sehr gutes Spiel von unseren Jungs. Das Ergebnis ist mit Sicherheit zu hoch.“ Es müsse eben „alles klappen, um gegen diese Dänen zu gewinnen. Wir waren nah dran. Wir hatten bis vier, fünf Minuten vor Schluss Hoffnung.“

Die DHB-Auswahl bot dem nun dreimaligen Champion vor 15.000 lärmenden Zuschauern in der ausverkauften Jyske Bank Boxen, darunter neben Bundeskanzler Friedrich Merz auch seine dänische Amtskollegin Mette Frederiksen und Dänemarks Königin Mary, einen aufopferungsvollen Kampf. Sie musste sich dem Highspeed-Handball der weltbesten Handballmannschaft am Ende aber geschlagen geben.

Handball-EM: Deutschland bleibt bis zur Schlussphase dran

Bis zum 27:29 (55.) gestalteten der starke Keeper Andreas Wolff und seine Mitspieler die Partie ausgeglichen, zum Ende drehte Dänemark mit seinen herausragenden Einzelkönnern aber auf.

In der Schlussphase schwanden nach einem kräftezehrenden Turnier mit neun Spielen auch die Kräfte, zumal Abwehrspezialist Tom Kiesler nach einem groben Foulspiel an Welthandballer Mathias Gidsel früh die Rote Karte sah. Beste deutsche Torschützen waren Spielmacher Juri Knorr, Kapitän Johannes Golla und Marko Grgic mit je fünf Treffern.

Dänemark, das vor anderthalb Jahren schon das Olympia-Finale gegen Deutschland (39:26) gewonnen hatte, beendete dagegen seinen 14 Jahre dauernden EM-Fluch und holte als erster Gastgeber einer Europameisterschaft seit 2002 den Titel. Zudem machten die Skandinavier als zweites Team nach Frankreich (2010) den Golden Slam des Handballs perfekt und sicherten sich nach Olympia- und WM-Gold auch den EM-Titel.

Fünfte EM-Medaille für Deutschland

Für Deutschland, das auf den ersten Pflichtspielsieg gegen Dänemark seit 2016 weiter warten muss, enden mit dem Finale von Herning zweieinhalb intensive Wochen, die der jungen Mannschaft trotz der Final-Niederlage reichlich Rückenwind geben dürften.

Kapitän Johannes Golla und Co. überzeugten nicht bloß mit sechs Siegen, darunter Erfolge gegen Spanien, Frankreich und Kroatien. Sie holten auch die insgesamt fünfte EM-Medaille für eine DHB-Auswahl. Neben den beiden Titeln 2004 und 2016 gewann ein deutsches Team 1998 Bronze sowie 2002 Silber.

Trainer Gislason gab sich trotz des kurzfristigen Ausfalls von Kreisläufer Julius Fischer (Infekt) kämpferisch. „Wir müssen eine überragende Abwehr hinstellen und eine sehr gute Torhüterleistung bringen“, sagte der DHB-Coach unmittelbar vor dem Anpfiff im ZDF: „Wir sind ein krasser Außenseiter, ohne Frage. Aber wir wollen das Spiel gewinnen, dafür müssen wir ein perfektes Spiel machen.“ Kanzler Merz attestierte der deutschen Mannschaft schon vor der Partie ein „sagenhaftes Turnier“ und freute sich auf „ein total spannendes Spiel“.

Starker Beginn der deutschen Auswahl

Das bekam er. Das deutsche Team bestach von Sekunde eins mit ganz viel Leidenschaft und kühlte den brodelnden Hexenkessel mit der ersten Führung durch Knorr 5:4 (10.) erstmal runter. Als Kiesler wenig später raus musste und die Dänen durch einen Pytlick-Doppelpack nach einer Viertelstunde auf 10:7 stellten, drohte kurzzeitig Ungemach. Doch Golla traf acht Minuten später zum 13:13.

Die Dänen blieben aber am Drücker. Und es war vor allem Keeper Wolff, der im Gegensatz zum verlorenen Hauptrundenspiel gegen die Dänen (26:31) von Beginn an ran durfte, dass der Halbzeitrückstand mit zwei Toren gering ausfiel. „In Dänemark ein Finale gegen den Gastgeber zu spielen, ist mega geil. Wir müssen die Halle noch mehr zum Pfeifen bringen“, sagte Franz Semper in der Pause.

Offensiver Einbruch im zweiten Abschnitt

Die Dänen drückten weiter aufs Tempo. Zwar glich Golla beim 19:19 (35.) aus, doch offensiv leistete sich Deutschland gegen Dänemarks Schlussmann Kevin Möller immer wieder Fehlwürfe. Es half zunächst nur wenig, dass auch Wolff nun immer besser ins Spiel fand und sein Team mit teils spektakulären Paraden im Spiel hielt. Beim 22:26 (45.) wuchs der Rückstand dennoch erstmals auf vier Treffer.

Gislason reagierte, der Isländer nutzte erstmals im Turnierverlauf im Angriff die Variante mit einem siebten Feldspieler. Dies zeigte Wirkung: Deutschland robbte sich beim 24:26 (51.) wieder heran, Wolff war in dieser Phase beinahe unüberwindbar

Jannik Kohlbacher sah spät nach grobem Foulspiel Rot (57.), das Spiel war da allerdings gelaufen.

Handball-EM: Die Highlights der deutschen Spiele, der Halbfinals und des Finales auf SPORT1.de und in der SPORT1 App

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Mit Sport-Informations-Dienst (SID)