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Handball: Diese "Ohrfeige" für einen Nationalspieler sorgt für Aufhorchen

„Ohrfeige“ sorgt für Aufhorchen

Der nach oben strebende Bundesligist Melsungen setzt Europameister Kai Häfner als Kapitän ab und ordnet die Mannschaft nun um Nationalmannschaftskollege Timo Kastening neu. Ist Häfners Zeit in Hessen abgelaufen?
Nächste Auszeichnung für die deutschen U21-Handballer nach dem WM-Titel. Gleich drei Spielern wird eine besondere Ehre zuteil.
Der nach oben strebende Bundesligist Melsungen setzt Europameister Kai Häfner als Kapitän ab und ordnet die Mannschaft nun um Nationalmannschaftskollege Timo Kastening neu. Ist Häfners Zeit in Hessen abgelaufen?

Es ist ein Vorgang, der für jede Menge Raunen in Handball-Deutschland sorgt. Nationalspieler Kai Häfner verliert nach zwei Jahren die Kapitänsbinde bei der MT Melsungen.

Am Montag gab der Bundesliga-Klub aus Nordhessen bekannt, dass Nationalmannschaftskollege Timo Kastening das Amt des Europameisters von 2016 übernimmt.

Es sei keine Entscheidung gegen Häfner, sondern „eine bewusste Entscheidung für Kastening“, erklärte MT-Sportdirektor Michael Allendorf den Wechsel. Trotzdem befeuert der Wachwechsel vom 34 Jahre alten Häfner auf den sechs Jahre jüngeren Kastening die Spekulationen.

Von einer „Ohrfeige“ für den Routinier schreibt die Bild, andere Medien und Fans spekulieren, dass es der Vorbote für einen Abgang Häfners sein könnte - ein Szenario, das ohnehin schon eine Weile im Gespräch ist.

MT Melsungen: Nicht der erste große Einschnitt in diesem Jahr

Am Sonntag im Testspiel gegen den Zweitligisten TV Großwallstadt (35:29) hatte Häfner bereits nicht mehr die Binde getragen, sondern sein Nachfolger. Begleitet wurde die schon zuvor durchgesickerte Veränderung von einem Artikel auf der Homepage des Klubs, in dem Ex-Nationalspieler Allendorf den Schritt begründet.

„Timo ist ein absoluter Teamplayer – auf wie neben dem Spielfeld. Er hat seit jeher großen Wert darauf gelegt, dass innerhalb der Mannschaft eine gute Stimmung herrscht“, wird der 36-Jährige zitiert: „Timo ist ein Sympathieträger und sehr beliebt bei unseren Fans.“ Es sei „manchmal eben an der Zeit, an kleinen Stellschrauben zu drehen, um neue Impulse zu setzen“.

Häfner und Kastening kommen in dem Text nicht zu Wort, auch nicht der spanische Trainer Roberto García Parrondo. Die Außendarstellung übernimmt Allendorf: Der langjährige Melsunger Linksaußen hatte inmitten der enttäuschenden Vorsaison die sportliche Verantwortung vom langjährigen starken Mann Axel Geerken geerbt, der den Verein inzwischen verlassen hat.

Die Absetzung des 2019 verpflichteten Häfner - 2016 auch Teil der Bronze-Mannschaft bei Olympia - ist der nächste Aufsehen erregende Einschnitt. Und die Frage, ob für Häfner bei Melsungen bald ganz Schluss sein könnte, steht unbeantwortet im Raum.

Kai Häfner sieht sich starker Konkurrenz ausgesetzt

Sicher ist: Für Häfner wird die Luft in Melsungen dünner.

Auf Rückraum rechts, der Position des Nationalspielers, hat der Tabellen-Neunte der Vorsaison mit dem 2,15-m-Hünen Dainis Kristopans von Paris Saint-Germain einen echten Top-Transfer gelandet. Neben dem 32 Jahre alten Kristopans ist dann da auch noch Ivan Martinovic, der 2024 zu den Rhein-Neckar Löwen wechselt, nun aber aus seiner Verletzungspause zurückgekehrt ist. Damit stehen Trainer Roberto García Parrondo drei hochkarätige Akteure für diese Position zur Verfügung.

Infolgedessen könnte sich die gewachsene Konkurrenz für Häfner in weniger Spielzeit widerspiegeln. Bereits im Freundschaftsspiel in Großwallstadt kam der Linkshänder nur rund zehn Minuten zum Einsatz, in denen er ein Tor erzielte. Zuvor im Test gegen die eigene Zweitvertetung konnte er sich sogar überhaupt nicht in die Torschützenliste eintragen.

Weil Kristopans und Martinovic die Testzeit besser brauchen können, um sich neu bzw. wieder einzuspielen, muss das noch nichts heißen. Aber: Häfner muss sich genau überlegen, ob die Situation für ihn optimal ist - auch und gerade mit Blick auf den Kampf um die Kaderplätze für die Heim-EM im Januar 2024.

Zieht es Häfner zu einem Konkurrenten?

Schon seit einiger Zeit gibt es Gerüchte, dass es Häfner aus Melsungen zu Ligakonkurrent TVB Stuttgart ziehen könnte, zurück in die schwäbische Heimat, wo auch sein jüngerer Bruder Max aktiv ist. Dass es zu einem Wechsel Häfners kommen könnte, hatte Sportchef Allendorf schon vor einigen Monaten zwischen den Zeilen nicht ausgeschlossen.

Ob mit oder ohne Häfner: Die MT Melsungen hat für die Zukunft große Ziele. „Wir wollen uns auf lange Sicht in den Top 5 der Liga etablieren“, hieß es vor einigen Wochen in einer Erklärung des Aufsichtsrats. Neben der Verpflichtung von Kristopans unterstrich auch der Deal mit dem 1,69 Meter kleinen Spielmacher Erik Balenciaga die Ambitionen.

In den vergangenen Jahren hatte das Team die sportlichen Vorgaben regelmäßig verfehlt und war nur im Mittelfeld der Bundesliga gelandet. Mit neuen Gesichtern und einer neuen Hierarchie in der Mannschaft und außerhalb soll die nächste Stufe erreicht werden.

Das erste Spiel der neuen HBL-Saison steigt für Melsungen am 27. August gegen Göppingen.