Der Wechsel von Julian Brandt zu Ajax Amsterdam war für viele eine Überraschung – sogar für den langjährigen Dortmunder selbst. „Ja, für mich auch“, sagte Brandt in seinem ersten Interview mit den Klub-Medien. „Die vergangenen Tage waren aufregend. Jetzt bin ich hier und ich freue mich.“
Offene Worte von Julian Brandt: "Es war hart"
Brandt lässt tief blicken
In Zeiten, in denen eigentlich jedes noch so kleine Transfergerücht recht schnell die Runde macht, gelang dem niederländischen Topklub mit der Bekanntgabe der Verpflichtung des Offensivspielers am Freitagabend „ein Coup, mit dem fast niemand gerechnet hat“, wie De Telegraaf schrieb.
Der Kontakt bestand schon länger, wie der Technische Direktor Jordi Cruyff am Freitag enthüllte. „Damals hat er mir erzählt, dass Ajax an mir interessiert ist“, berichtete Brandt nun über den Austausch mit Cruyff Anfang Mai. „Natürlich habe ich mich sehr über das Interesse gefreut, denn Ajax ist für mich selbstverständlich ein Traditionsverein, aber auch ein großartiger und großer Klub.“
BVB-Pleite gegen Ajax blieb Brandt im Gedächtnis
Mit dem Brandt eine besondere Erinnerung verbindet. Die 0:4-Pleite in der Champions League im Oktober 2021 in Amsterdam hat der Deutsche nicht vergessen. An keinem anderen Ort hat er in der Königsklasse höher verloren. „Es war eine verrückte Atmosphäre im Stadion“, sagte er. „Um ehrlich zu sein, war es ein schlechter Tag für uns, weil da eine Mannschaft war, die guten Fußball gespielt hat. Das ist mir im Gedächtnis geblieben.“
Nach ersten Gedankenspielen nahm der Deal zuletzt mehr und mehr Gestalt an. In der vergangenen Woche wurden dann die letzten Details geklärt. Brandt unterschrieb für drei Jahre.
„Im Mai war es noch etwas zu früh, um darüber zu sprechen, wie meine Entscheidung im Sommer ausfallen würde. Jeder wusste, dass mein Vertrag auslief“, blickte der Offensivspieler zurück. „Ich habe mir Zeit genommen, um eine gute Entscheidung zu treffen und darüber nachzudenken, was ich will, welchem Projekt ich mich anschließen möchte und was ich noch lernen kann – auch wenn ich vielleicht nicht mehr der Jüngste bin.“
Neue Situation für Brandt: „Es war hart“
Am 2. Mai feierte Brandt seinen 30. Geburtstag. Im März fiel die Entscheidung in Dortmund, seinen im Sommer auslaufenden Vertrag nach insgesamt sieben Jahren im Trikot der Schwarz-Gelben nicht zu verlängern. Für den 48-maligen Nationalspieler eine neue Situation.
„Ich habe versucht, mein Fitnesslevel zu halten“, schilderte Brandt die vergangenen Wochen und ließ dabei tief blicken. „Es ist hart, wenn du allein trainierst. Und um ehrlich zu sein, auch ein bisschen langweilig, wenn du keine Teamkollegen hast, mit denen du spielst.“
Diese Zeit ist nun vorbei. Am Samstag trainierte Brandt erstmals mit seinen neuen Kollegen, beim Testspiel am Sonntag gegen den FC Volendam stand er aber noch nicht im Kader.
Die Vorfreude auf seine neue Aufgabe ist jedenfalls groß. „Nicht nur ich kann etwas in das Team einbringen, denn auch ich kann lernen“, sagte Brandt und fügte schmunzelnd hinzu: „Als Fußballer bin ich vielleicht ein bisschen älter, aber ich bin kein uralter Opa.“
Bei Ajax will er als Führungsspieler seine Erfahrung auch an jüngere Mitspieler weitergeben. Hinsichtlich seiner Position auf dem Platz könnte es im Vergleich zu seiner Rolle als Spielmacher zuletzt beim BVB zu einer Anpassung kommen, da Ajax bevorzugt in einer 4-3-3-Grundordnung agiert.
Hohe Erwartungen an „Meister des letzten Passes“
Brandt könnte auch auf eine Flügelposition ausweichen und dort offensive Impulse setzen. Sollte der laut niederländischen Medienberichten offenbar von PSG umworbene Mika Godts noch wechseln, könnte sich die Konkurrenzsituation für Brandt noch etwas entspannen.
Das Portal Voetbal International sieht in Brandt einen „Meister des letzten Passes“ und damit ein passendes Puzzlestück für den Spielstil von Trainer Míchel.
Die Erwartungen sind hoch, die Sehnsucht nach Titeln beim niederländischen Rekordmeister ist ebenso groß. Das weiß auch Brandt und bat zugleich um Geduld.
Brandt: „Es wird eine aufregende Zeit“
„Ein Projekt braucht Zeit. Wir können nicht binnen zwei Tagen alles verändern und erfolgreich sein. Es war ein gutes Zeichen, dass wir nicht über ein oder zwei Jahre, sondern über drei Jahre gesprochen haben. Es wird eine aufregende Zeit. Es geht darum, daraus eine erfolgreiche Zeit zu machen.“
2022 wurde Ajax zum bislang letzten Mal niederländischer Meister. Mit Brandt und wohl auch Marc-André ter Stegen hofft der niederländische Topklub wieder auf glanzvollere Zeiten.