Lionel Messi hat sich am Sonntag in einer emotionalen Pressekonferenz vom FC Barcelona verabschiedet.
FC Barcelona: Musste Lionel Messi wegen Super League den Klub verlassen?
Opferte Barca Messi für die Super League?
Doch die Katalanen und den gesamten spanischen Fußball dürfte das Thema Messi noch eine Weile beschäftigen.
Denn die Umstände, die zu diesem so überraschenden Schritt geführt haben, sind noch längst nicht geklärt. Auch Messi selbst konnte bei seiner tränenreichen Abschieds-PK diesbezüglich kein Licht ins Dunkel bringen.
“Ich habe gedacht, dass ich hier nie weggehen würde. Das hier ist unser Zuhause”, sagte der Argentinier. Er habe alles getan, was von ihm verlangt wurde, damit er auch weiterhin für den traditionsreichen, aber hoch verschuldeten Verein spielen konnte.
Er habe zugestimmt, sein Gehalt um die Hälfte zu reduzieren, bekräftigte er: “Es war alles geregelt, aber wegen der Auflagen der Liga konnten wir es nicht durchziehen.”
Damit wiederholte er zwar, was Barca-Präsident Joan Laporta schon zuvor dargelegt hatte. Auf die Nachfrage aber, ob auch der Verein alles getan habe, um ihn in Barcelona zu halten, antwortete er mit: “Das weiß ich nicht.”
Messi befeuert Spekulationen um Gründe für den Abschied
Mit diesen wenigen Worten hat Messi in Spanien für viel Aufregung gesorgt, die noch einige Tage und Wochen anhalten dürfte. Und er hat damit Spekulationen über die wahren Hintergründe seines Abschieds befeuert.
Sollte Barca wirklich nicht alles getan haben, um den Superstar, den vielleicht besten Spieler in der Geschichte des Fußballs, zu halten? Und wenn ja, warum nicht? (Alles zum Transfermarkt im SPORT1-Transferticker).
Das sind Fragen, die sich nun nicht nur die Fans, sondern auch Journalisten und Funktionäre stellen.
Schließlich wehrte sich auch Spaniens Liga-Präsident Javier Tebas gegen die Darstellung, die finanziellen Vorgaben des Ligaverbandes LFP hätten eine Weiterbeschäftigung des Offensiv-Künstlers verhindert.
Tebas bestätigte am Sonntag einen Bericht der Zeitung La Vanguardia, in dem behauptet wurde, der Liga-Präsident und der Barca-Boss hätten den neuen Messi-Vertrag bei einem Treffen abgesegnet.
Die Schlussfolgerung, die das Blatt trifft, dürfte den spanischen Fußball vor die nächste große Zerreißprobe stellen, sollte sie sich bewahrheiten.
Zeitung: “Super League mehr wert als Leo”
“Eine Super League ist mehr wert als Leo”, schreibt La Vanguardia und deutet damit an, dass Barca zuletzt gar nicht mehr so sehr daran interessiert gewesen sei, mit dem Helden des Klubs zu verlängern.
Demnach sei bei den Barca-Bossen die Freude über einen neuen Deal der Liga mit der Risikokapital-Gesellschaft CVC über 2,7 Milliarden Euro zunächst groß gewesen. Damit hätte Barcelona auch den neuen Vertrag mit Messi finanzieren können.
Dann aber sei alles in die gegenteilige Richtung gelaufen, wie die Süddeutsche Zeitung schreibt, die in Deutschland zuerst über die neuen Entwicklungen berichtet hatte.
Laporta sei plötzlich dem Erzrivalen Real Madrid beigesprungen, der gegen den Deal mit CVC klagen will. Hintergrund: Dieser Vertrag würde endgültig die Hoffnungen Reals auf die Realisierung der Super League zunichte machen.
Eine Reaktion von Laporta auf diese Meldungen gab es zunächst nicht. Sie sind aber der Beleg dafür, dass das Konstrukt einer Super League mit den reichsten Klubs Europas in Spanien nach wie vor Anklang findet, obwohl der erste Versuch einer Installation als Konkurrenz zur Champions League krachend gescheitert war.
Llopis erklärt wegen Laporta seinen Rücktritt
Dass Laporta tatsächlich die Idee der Superliga noch nicht aufgegeben hat, legt auch ein Rücktritt aus der eigenen Führungsriege nahe.
Jaume Llopis, bislang verantwortlich für die Modernisierung des Stadions Camp Nou, hat in der Zeitung Sport öffentlichkeitswirksam seinen Abschied erklärt und Laporta dabei scharf angegriffen.
“Sie haben mich enttäuscht. Ich dachte, Sie wären der Einzige, der Florentino Pérez (Präsident von Real Madrid, Anm. d. Red.) die Stirn bieten könnte”, schreibt Llopis. “Mir fehlen Informationen, aber man könnte sicher viel mehr tun, um Messi zum Bleiben zu bewegen.”
Man werde sehen, ob und wann die Super League komme, schreibt er weiter und kritisiert den erwarteten Wechsel von Messi nach Paris und dessen Folgen: “In der Zwischenzeit stärken wir PSG und machen es Mbappé leichter, nach Madrid zu gehen. Der perfekte Plan von Florentino. Sie werden als der Präsident in die Geschichte eingehen, der Messi entlassen hat.”
Arbeitet Laporta mit Pérez am Super-League-Projekt?
Eben dieser Pérez habe sich bereits am Samstag in Barcelona mit Laporta und Juventus-Präsident Andrea Agnelli getroffen, um das weitere Vorgehen in Sachen Super League zu besprechen, berichtete Mundo Deportivo. Diese drei Klub gelten als letzte Vereine, die an der Idee einer europäischen Superliga festhalten.
Der Real-Patron hatte aber zuletzt immer wieder bekräftigt, dass auch die anderen neun ursprünglichen Gründungsmitglieder aus Spanien, Italien und England formell noch der Super League angehörten. Denn sie hätten die für den Austritt nötige Vertragsstrafe noch nicht gezahlt.
Vorgesehen war, dass die Vereine der Liga von der Investmentbank JP Morgan 3,5 Milliarden Euro Kapital erhalten - knapp eine Milliarde mehr als La Liga von CVC. Nach zahlreichen Protesten hatten aber vor allem die großen Klubs aus England von dem Projekt Abstand genommen.
In Spanien aber scheint man mehr denn je an den Erfolg zu glauben und war in Barcelona offenbar auch bereit, dafür eine Zukunft mit Lionel Messi zu opfern.