Die ersten Zweifel scheinen Xabi Alonso gekommen zu sein, noch bevor seine Amtszeit bei Real Madrid überhaupt begonnen hatte. Im Frühjahr 2025. Die Spekulationen um den Spanier liefen da längst auf Hochtouren, der mögliche Wechsel aus Leverkusen zu den Madrilenen war ein offenes Geheimnis. Alle sprachen darüber – nur einer nicht wirklich. Alonso selbst äußerte sich, wenn überhaupt, kryptisch.
Warum Xabi Alonso bei Real Madrid gescheitert ist
Warum Alonso gehen musste
Auf die immer gleichen Fragen nach seiner Zukunft gab er stets dieselbe Antwort. „Alles zu seiner Zeit“, sagte er sinngemäß, fast Woche für Woche. Alonso rang mit sich. Seine Bedenken waren spürbar, vor allem im engsten Umfeld. Er und seine Familie hatten das ruhige Leben im Rheinland schätzen gelernt. Aber absagen, wenn die Königlichen anrufen? Schwer vorstellbar. Im Rückblick wirkt jede Skepsis gerechtfertigt.
Alonso bei Real Madrid vom Glücksfall zum Buhmann
Als Alonso vor Beginn der Klub-WM im vergangenen Sommer in Madrid ankam, wurde er als hoch begehrter Trainer empfangen, als personifizierter Glücksfall eines Vereins, für den er einst selbst gespielt hatte. 232 Tage später ist seine Amtszeit bereits Geschichte.
Der spanische Spitzenverein verkündete den Paukenschlag am Montag und hielt den Schritt inmitten einer Saison ohne klare Linie, geprägt von mangelnder Kontinuität und einer vermehrt negativen Dynamik, offenbar für zwingend notwendig.
Alonso-Aus: Team soll aus den Medien davon erfahren haben
Medienberichten zufolge fühlten sich viele Anhänger vom Zeitpunkt der Trennung überrumpelt. Ähnlich soll es der Mannschaft gegangen sein, die erst durch die Pressemitteilung des Klubs von Alonsos Aus erfahren habe.
Offiziell ist von einer einvernehmlichen Entscheidung die Rede, tatsächlich aber – so berichtet unter anderem die Marca – sei der Impuls vom Verein ausgegangen. Doch wirklich überraschend kam der Schritt bei genauerem Hinschauen keinesfalls. Unruhe und Spannungen hatten sich seit Längerem aufgebaut.
Bei Real setzte sich schließlich die Ansicht durch, dass eine Trennung für beide Seiten die sinnvollste Lösung sei. Alonso, der dieses Gespräch weder gesucht noch ernsthaft an einen Abschied gedacht hatte, wusste die Zeichen zu deuten.
Das wurde Alonso bei Real vorgeworfen
Zu laut war zuletzt das Geraune um seine Zukunft geworden, zu deutlich das Gefühl, dass das Projekt seinen Schwung verloren hatte. Also akzeptierte Alonso den Vorschlag des Klubs und stimmte seinem Aus zu.
Damit endete eine Phase, die mit viel Aufbruch begonnen hatte, sich am Ende aber an Konflikten und fehlenden Ergebnissen zerrieb.
Die Kritik an Alonso folgte dabei einem klaren Muster: Weder gelang es ihm, der Mannschaft eine erkennbare spielerische Identität zu verleihen, noch entwickelte er die nötige Autorität in der Kabine.
Hinzu kamen zahlreiche Rückschläge in Form von Verletzungen oder dem langfristigen Ausfall von Schlüsselspielern. Und wahrscheinlich noch viel entscheidender: In Madrid fehlte Alonso der Rückhalt, den er in Leverkusen durch Fernando Carro und Simon Rolfes jahrelang genossen hatte.
Brachte Vinícius das Fass zum Überlaufen?
Besonders deutlich zeigte sich das im viel diskutierten Zerwürfnis mit Vinícius Júnior. Der Brasilianer demontierte seinen Trainer Ende Oktober im Liga-Clásico gegen Barcelona öffentlich, als er ihm bei seiner Auswechslung wutentbrannte Worte entgegenwarf. Drei Tage später entschuldigte sich Vinícius bei allen – nur nicht beim Trainer.
Kaum weniger gravierend war jedoch die Reaktion des Vereins: Es gab nämlich keine. So sprach in der Woche nach dem 2:1-Sieg niemand mehr über die eigentlich gute Leistung des Teams, sondern ausschließlich über den Eklat.
Im Rückblick wirkte die Szene wie der Anfang vom Ende. Positive Schlagzeilen wichen fortan den negativen, auf dem Platz verlor das Team nahezu zeitgleich an Energie. Seit einer Spätherbstphase mit nur zwei Siegen aus acht Spielen wirkte der in der Bundesliga noch gefeierte Trainer plötzlich nicht mehr wie ein Heilsbringer.
Stattdessen verstrickte sich Alonso nach einem verheißungsvollen Saisonstart zunehmend in Durchhalteparolen. Der Zauber aus Leverkusen war verflogen, der Gegenwind nahm spürbar zu.
Nach einem Remis Ende November in Girona berief die Vereinsspitze um Präsident Florentino Pérez dann eine nächtliche Krisensitzung ein, die am nächsten Tag gezielt an die Öffentlichkeit getragen wurde.
De facto wurde jedes kommende Spiel zum Alonso-Endspiel erklärt – obwohl die Mannschaft zu diesem Zeitpunkt erst eine Ligapartie verloren hatte. Spätestens da wurde immer deutlicher, dass der Trainer keine echte Chance mehr hatte. Man wartete offenbar nur noch auf den passenden Moment – der mit der jüngsten Pleite im Supercup gegen Barcelona gefunden wurde.
Madrid: Alonso scheiterte wie Ancelotti
Für Pérez zählten am Ende vor allem seine Stars. Der tägliche Umgang mit großen Egos wie Vinícius schien hingegen nicht Alonsos Welt. Die Mannschaft machte es ihm nie leicht, interne Spannungen nagten am Standing des Trainers.
Mit der Zeit verlor Alonso immer mehr an Boden – und entfernte sich zunehmend von seiner eigenen Idee. So wurden die oft als untrainierbar geltenden Spieler ihrem Ruf einmal mehr gerecht. Bezeichnend ist: Selbst Carlo Ancelotti, die Vaterfigur der jüngeren Vergangenheit, scheiterte im Vorjahr krachend an diesem Kader.
Am Ende war auch Alonso deutlich schneller aufgerieben, als es viele zu Beginn erwartet hatten. Damit dürfte weniger der Trainer als vielmehr die Mannschaft selbst in den Fokus rücken. Denn wenn selbst ein Routinier wie Ancelotti und ein akribischer Arbeiter wie Alonso an diesem Kader scheitern, stellt sich zwangsläufig die Frage, ob das Problem überhaupt noch an der Seitenlinie zu lösen ist – und was ein Álvaro Arbeloa als Nachfolger holen kann.