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Die Märchen-Story des SCO Angers

Die Märchen-Story des SCO Angers

Die Ligue 1 erlebt zu Beginn dieser Saison den ungeahnten Aufstieg eines französischen Traditionsklubs. Das Spiel gegen PSG wird ein Duell der Gegensätze.
Casimir Ninga wird in der 69. Minute eingewechselt. Innerhalb von elf Minuten erzielt er einen Hattrick erzielte. Nach 0:1 heißt es dann noch 4:1 für Angers.
Florian Hölzl
von Florian Hölzl
05.10.2019 | 09:20 Uhr

Wieder war es ein Treffer von Neymar in der Schlussphase, der Paris Saint-Germain am vergangenen Wochenende den 1:0-Sieg bei Girondins Bordeaux brachte. In der Ligue 1 ist man es eher gewohnt, dass Paris von Kantersieg zu Kantersieg eilt. Nicht so in dieser Saison.

Klar: Realistische Hoffnungen auf einen spannenden Titelkampf in der Ligue 1 macht sich auch in dieser Saison kein anderes Team. Zu stark ist der Kader von PSG, zu groß der finanzielle Vorteil. Wenn dann auch noch der vermeintlich größte Konkurrent Olympique Lyon zu Hause gegen das ersatzgeschwächte PSG (0:1) offensiv wirkungslos bleibt, wie soll das dann erst aussehen, wenn Mbappé, Cavani und Co. zurückkehren?

DOHA, QATAR - JANUARY 06: Sandro Wagner is seen during a training session at day three of the Bayern Muenchen training camp at Aspire Academy on January 05, 2019 in Doha, Qatar. (Photo by Lars Baron/Bongarts/Getty Images)
DUESSELDORF, GERMANY - JANUARY 13: Sandro Wagner of Muenchen reacts after missing a penalty during the Telekom Cup 2019 Final between FC Bayern Muenchen and Borussia Moenchengladbach at Merkur Spiel-Arena on January 13, 2019 in Duesseldorf, Germany. (Photo by Lars Baron/Bongarts/Getty Images)
BERLIN, GERMANY - MAY 19: Sandro Wagner of Muenchen points at the camera as he sits on the bench during the DFB Cup final between Bayern Muenchen and Eintracht Frankfurt at Olympiastadion on May 19, 2018 in Berlin, Germany. (Photo by Maja Hitij/Bongarts/Getty Images)
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Im vergangenen Heimspiel gegen Stade Reims (0:2) zeigte Paris aber ungeahnte Schwächen im letzten Drittel. Das Ergebnis: Die erste Heimniederlage in der Ligue 1 unter Thomas Tuchel. Erster Verfolger der Hauptstädter mit zwei Punkten Rückstand ist nun nicht Lyon (11.), auch nicht Olympique Marseille (5.) und erst recht nicht Monaco (12.), sondern ein Team aus dem Westen Frankreichs: der SCO Angers, nächster Gegner von PSG am Samstag (Ligue 1: Paris Saint-Germain - Angers SCO ab 17.30 Uhr im LIVETICKER).

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Ohne viel Geld zum Erfolg

Wer aber sind diese No-Names, die mit einem Kader im Wert von 73 Millionen Euro und 16 Punkten aus acht Spielen, die Ligue 1 aufmischen? Ein Blick auf die Vereinshistorie und die Transferpolitik der letzten Jahre lohnt sich.

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Les Noirs et Blancs (Die Schwarz-Weißen), wie sie in Frankreich genannt werden, pendelten lange zwischen Ligue 1 und Ligue 2 ohne große Titel, ehe sie 1996 in die dritte Liga durchgereicht wurden. Erst 2007 gelang Angers die Rückkehr in die zweithöchste Spielklasse, und das ohne große Ausgaben für Spieler.

Bis zum märchenhaften Erstliga-Aufstieg 2015 verging noch eine ganze Weile. In dieser Zeit entwickelte der Verein ein klares Profil. Er setzte auf junge, ablösefreie Perspektivspieler, die eigene Jugend sowie schon abgeschriebene Spieler, die keine Ablöse benötigten. Von 2007 bis 2016 zahlte Angers keinen Cent an Ablösen.

Angers gelingt Aufstieg 2015

Trotzdem schaffte man in der Saison 2014/15 mit einem 3. Platz den Aufstieg in die Ligue 1. Alles unter der Regie von Trainer Stéphane Moulin, der Angers 2011 übernahm und bis heute Coach des Vereins aus der Region Pays de la Loire ist.

Nach dem Aufstieg 2015 ließ er verlauten: "Wir ersteigen den Himalaya. Das schaffst du nicht in Flip-Flops. Dafür brauchst du richtiges Schuhwerk."

Moulin ist für pragmatischen Defensivfußball bekannt. Zu Hause im beschaulichen "Stade Raymond Kopa" (Kapazität: 18.752 Zuschauer) ist Angers nur schwer zu überwinden.

Der Schlüssel: Angers Personalpolitik 

In dieser Saison blieb Angers bisher in allen fünf Heimspielen unbesiegt. Garant dafür: Die Achse um Innenverteidiger Romain Thomas (31), Mittelfeldspieler Baptiste Santamaria (24) und dem klassischen Beispiel eines Angers-Transfers: Stürmer Rachid Alioui (27), der vor der Saison ablösefrei von Nîmes Olympique kam und nach acht Spielen vier Tore und eine Vorlage auf dem Konto hat.

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Auch in diesem Jahr hat sich wieder ein Talent aus der eigenen Jugend bei Angers festgespielt: Rayan Ait Nouri (18). Der französische Jugendnationalspieler ist Linksverteidiger und hat auch schon zwei Tore vorbereitet.

Talentschmiede in Pays de la Loire

Die Jugend von Angers hat in den vergangenen Jahren einige Top-Talente empor gebracht. Allen voran Nicolás Pépé, der 2017 für zehn Millionen Euro nach Lille wechselte. Nach seiner überragenden vergangenen Saison 2018/19 mit 22 Toren als Rechtsaußen wurde der Ivorer von halb Europa gejagt. Das Rennen machte schließlich der FC Arsenal, der eine Ablöse von 80 Millionen Euro zahlte.

Weitere bekannte Namen gefällig? Jean-Pierre Nsame, mittlerweile bei Champions-League-Teilnehmer Young Boys Bern Stürmer Nummer eins, führt die Torschützenliste der Schweizer Super League mit acht Toren an. Oder Sofiane Boufal, der ebenfalls den Weg über Lille ging, um dann für 18,7 Millionen Euro auf die Insel zum FC Southampton zu wechseln.

Manchester City's Algerian midfielder Riyad Mahrez celebrates with teammates after he scores his team's third goal during the English Premier League football match between Manchester City and Watford at the Etihad Stadium in Manchester, north west England, on September 21, 2019. (Photo by Oli SCARFF / AFP) / RESTRICTED TO EDITORIAL USE. No use with unauthorized audio, video, data, fixture lists, club/league logos or 'live' services. Online in-match use limited to 120 images. An additional 40 images may be used in extra time. No video emulation. Social media in-match use limited to 120 images. An additional 40 images may be used in extra time. No use in betting publications, games or single club/league/player publications. /         (Photo credit should read OLI SCARFF/AFP/Getty Images)
LONDON, ENGLAND - SEPTEMBER 22: Pierre-Emerick Aubameyang of Arsenal celebrates scoring his team's third goal during the Premier League match between Arsenal FC and Aston Villa at Emirates Stadium on September 22, 2019 in London, United Kingdom. (Photo by Michael Steele/Getty Images)
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Auch nach der vergangenen Saison musste Angers wieder schmerzhafte Abgänge verkraften, allen voran den Kapitän der französischen U21-Nationalmannschaft Jeff Reine-Adélaide, der für 25 Mio. zu Olympique Lyon ging. Leistungsträger Flavien Tait schloss sich für neun Millionen Euro Stade Rennes an.

Trainer bescheiden, PSG vor der Brust

Nach dem 2:0-Sieg gegen Toulouse warnte Trainer Moulin auf der anschließenden Pressekonferenz: "Wir haben von allen Ligue-1-Klubs das 17.-höchste Budget. Wir dürfen nicht zu viel träumen und müssen die Füße auf dem Boden behalten." Moulins Credo mit Angers lautet: "Ich will, dass wir Meister in Sachen Einstellung sind."

Am Wochenende steigt nun das ungleiche Spitzenspiel gegen Paris Saint-Germain im Prinzenpark und die Sympathien dürften klar verteilt sein. 1,05 Milliarden Teamwert gegen 73 Millionen. Erster gegen Zweiter. Wenn die Schwarz-Weißen eine Chance haben wollen, ist Moulins Credo Grundvoraussetzung.