Ben Waine war sprachlos. Denn ausgerechnet sein großes Idol hatte von der neuesten Heldentat mitbekommen und in den Sozialen Medien geschrieben.
Über ihn spricht ganz England
Über ihn spricht ganz England
„Ich weiß nicht, was ich sagen soll. Ich habe ihn leider nie live spielen sehen, aber mir so oft Videos von ihm angeschaut“, sagte Waine am Sonntag, als ihm bei Sky Sports der Glückwunsch von Newcastle-Legende Alan Shearer gezeigt wurde. „Verrückt!“
Etwas mehr als eine Stunde zuvor hatte Waine genau so gejubelt wie die englische Ikone. Waine hatte auch allen Grund dazu. Mit Drittliga-Schlusslicht Port Vale gewann der 24-Jährige dank des eigenen Treffers im Achtelfinale des FA Cups gegen Premier-League-Klub Sunderland mit 1:0.
Drittliga-Schlusslicht sorgt für Märchen
Aus dem Gewühl heraus hatte Ben Waine auf das Tor geköpft, im hohen Bogen flog der Ball ins lange Eck. Waine bog mit erhobener Hand und breitem Grinsen in Richtung Fans ab - genau wie Shearer damals.
Dieser Sieg gegen den schier übermächtigen Gegner Sunderland aus der Premier League hatte sogar historische Züge. Seit 1954 ist es das erste Mal, dass ein Tabellenletzter der 3. Liga im Viertelfinale des FA Cups steht.
Letztmals erreichte Port Vale das Viertelfinale im Jahr 1954. Ein Triumph über Sunderland gelang Port Vale letztmals 1997 in der alten Division One.
Kurios: Schon beim 1:0-Sieg gegen den Zweitligisten Bristol City besorgte Waine mit seinem Tor in der Verlängerung in der vergangenen Woche den völlig überraschenden Einzug ins Achtelfinale.
Nun wartet für den Helden und seine Kollegen ein Duell gegen einen der Giganten. Liverpool, Arsenal, Leeds, Chelsea und Manchester City stehen bereits im Viertelfinale.
West Ham oder Brentford können am Montag noch das letzte Ticket lösen. Oder wird es wieder ein Zweitligist mit Southampton?
Der beste Moment beim Sieg gegen Sunderland?
„Der Zusammenhalt – in den letzten fünf oder zehn Minuten, wie verbunden wir waren. Über das Spielfeld galoppieren und zurückkommen, alles tun, um es über die Linie zu bringen", sagte Waine bei der BBC.
Waine eifert seinem Idol Shearer nach
Die Freude am Sonntag war so groß, dass einige im Team sogar vergaßen, wie weit die Valiants gekommen sind. Selbst Trainer Jon Brady wollte seinen Kindern erzählen, „unter den letzten 32“ zu sein.
„Ich habe ehrlich gesagt gar nicht mitbekommen, dass wir das Viertelfinale erreicht haben“, sagte auch Waine. „Ich habe es gerade erst gehört.“
Für ihn war es ohnehin schon vor dem Anpfiff ein ganz besonderer Tag. Denn es ging gegen den Erzrivalen seines Lieblingsteams Newcastle.
„Ich habe mir immer die Spiele von Newcastle gegen Sunderland angesehen und nun selbst gegen die ein Tor zu schießen, ist etwas ganz Besonderes. Nicht nur für mich, sondern auch für meine Familie“, sagte der Matchwinner. Seine Mutter stammt aus Newcastle.
Das Tor genoss er deshalb: „Ich wusste, dass ich von den Sunderland-Fans ein wenig ausgebuht werden würde, daher war es ein schöner Moment, an ihnen vorbeizulaufen und ihnen ein wenig zurückzugeben.“
Waine hasst Sunderland
Das Märchen, über das ganz England spricht, sah dabei auch niemand kommen.
In der League 2, also der dritthöchsten Liga Englands, droht sogar der Abstieg. Nach 32 Partien holte das Team gerade einmal 27 Zähler. Gerade einmal sechs Siege gab es für das Schlusslicht bei satten 17 Pleiten.
Kein Team in der Spielklasse ist so ungefährlich wie Port Vale mit nur 26 Treffern. Und so beträgt der Abstand zum rettenden Ufer bereits elf Zähler - bei drei Nachholspielen in der Hinterhand.
Es wird also vor allem auf Waine und seine Stürmerkollegen ankommen in den kommenden Wochen. Doch ausgerechnet der Pokalheld enttäuscht regelmäßig in der Liga und kommt dort gerade einmal auf drei Treffer.
Auf einmal ist Waine ein Star
Doch im FA Cup gegen die großen Gegner - da blüht der 24-Jährige regelmäßig auf und kam in vier Partien ebenfalls auf drei Treffer.
Der junge Mann mit dem Stirnband, der in Wellington in Neuseeland geboren wurde und erst 2023 nach England zu Plymouth wechselte, war der breiten Masse der Fußballfans deshalb vor Wochen noch total unbekannt.
Inzwischen scheint ihn jeder zu kennen. Alle großen Zeitungen und TV-Sender nahmen die Pokalspiele als Anlass zu großen Berichten über den Stürmer - bis auch Vorbild Shearer auf ihn aufmerksam wurde.