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"Erschreckend!" Russische Frost-Reaktion auf Olympia-Drama um Walijewa wird Politikum

Russische Frost-Reaktion wird Politikum

Die unterkühlte Reaktion des russischen Teams auf das Drama um Kamila Walijewa veranlasst nun auch IOC-Boss Thomas Bach zu einer scharfen Ansage.
Nach den besorgniserregenden Bildern der Eiskunstlauf-Kür der 15-jährigen Kamila Walijewa hat sich Thomas Bach bestürzt über das Umfeld der Russin gezeigt.
Die unterkühlte Reaktion des russischen Teams auf das Drama um Kamila Walijewa veranlasst nun auch IOC-Boss Thomas Bach zu einer scharfen Ansage.

Die frostige Reaktion auf das russische Eiskunstlauf-Drama bei Olympia wird zum Politikum.

IOC-Präsident Thomas Bach hat sich in die Diskussion eingeschaltet und sich „verstört“ und besorgt angesichts des Umgangs mit der 15 Jahre alten Wunderläuferin Kamila Walijewa gezeigt. (News: Alle aktuellen Infos zu Olympia 2022)

Auf einer Pressekonferenz am Freitag in Peking griff er vor allem - wie tags zuvor auch die selbst in Tränen ausgebrochene Legende Katharina Witt - das Team der Russin an. „Als ich gesehen habe, wie sie von ihrer Entourage empfangen wurde, schien das dermaßen kalt zu sein. Das war erschreckend zu sehen“, sagte Bach.

Anstatt ihr zu helfen, habe man „eine kühle Atmosphäre, eine Distanz“ gespürt. Die Diskussionen und juristischen Auseinandersetzungen um ihre Dopingaffäre hatten Walijewa in der Kür der Winterspiele offensichtlich belastet. (DATEN: Alle Ergebnisse bei Olympia 2022)

Bach richtet den Fokus auf Walijewas Umfeld

„Der Druck geht über meine Vorstellungskraft hinaus“, sagte Bach. All das gebe ihm „nicht viel Zuversicht in Kamilas engstes Umfeld“.

Besagtes Umfeld um Nationaltrainerin Eteri Tutberidse war schon vorher durch verdächtige Enthüllungen unter Druck geraten: Der ARD-Reporter Hajo Seppelt berichtete von rätselhaften „Pillendöschen“, die auf Trainingslagern verteilt worden wären - und dass ein mit einer Vier-Jahres-Dopingsperre vorbelasteter „medizinischer Berater“ mit Walijewa gearbeitet hätte.

Der Fall Walijewa ist auch vor dem Hintergrund des russischen Staatsdoping-Skandals von 2014 brisant, wegen des Russland offiziell immer noch nur unter neutraler Flagge bei Olympia antreten darf.

Die für ihre harten Methoden bekannte Tutberidse steht auch in der russischen Öffentlichkeit am Pranger, sie stand im Zentrum einer Social-Media-Kampage, die sie als Hauptschuldige des Wirbels um Walijewa angriff.

Rätsel um Herzmittel-Funde

Die Europameisterin Walijewa war am 25. Dezember positiv auf ein verbotenes, als Dopingmittel missbrauchbares Herzmittel getestet worden, durfte jedoch nach einem Beschluss des Sportgerichtshof CAS trotz des Dopingverdachts weiter an den Spielen teilnehmen.

Als Grund wurden unter anderem die langen Verzögerungen bei der Auswertung der Probe und das noch nicht abgeschlossene Verfahren genannt - Walijewa sollte die Chance erhalten, weiter anzutreten, sollte es sich doch zu ihren Gunsten entwickeln.

Eingeweihte berichten, dass zu Walijewas Verteidigung angeführt worden sei, dass sie an einem Glas mit Herzmedikamenten ihres Großvaters genippt hätte - was von mehreren Doping-Experten als abwegig bezeichnet wurde. Der Kölner Mediziner Mario Thevis hat eine Haarprobe angeregt, die für eindeutige Aufklärung sorgen würde. Laut New York Times waren auch Spuren von zwei weiteren, erlaubten Herzmitteln in Walijewa gefunden worden.

Im Teamwettbewerb hatte Walijewa Russland zum Sieg geführt, die Medaillen werden allerdings erst nach Abschluss ihres Falls vergeben. Im Einzelwettbewerb fiel sie in der Kür vom ersten auf den vierten Platz zurück. (SERVICE: Der Medaillenspiegel)

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