Remco Evenepoel stieg auf der Ziellinie von seinem Ersatzrad und breitete nach seinem historischen Erfolg im Schatten des Eiffelturms die Arme aus.
Rad-Star holt Gold nach Drama

Eine Woche nach seinem Triumph im Zeitfahren hat sich der Tour-Dritte als erster Fahrer der Geschichte zum Doppel-Olympiasieger auf der Straße gekürt. Dabei hatte er knapp vier Kilometer vor dem Ziel noch einen Defekt, den er jedoch schnell beheben konnte.
Traumkulisse in Pariser Innenstadt
Vor der Traumkulisse der Pariser Innenstadt machte Evenepoel im Straßenrennen über 273 km den größten Erfolg seiner Karriere perfekt. Evenepoel siegte nach einer taktischen und fahrerischen Meisterleistung als Solist. Rund 15 km vor dem Ziel hatte Evenepoel Valentin Madouas als letzten Verfolger abgehängt.
Dieser gewann Silber, Bronze sicherte sich in Abwesenheit des slowenischen Tour-Champions Tadej Pogacar in Christophe Laporte ein weiterer Franzose. Maximilian Schachmann belegte als bester Fahrer des deutschen Duos den 28. Platz. Der Bund Deutscher Radfahrer (BDR) wartet seit 24 Jahren auf eine Medaille im Straßenrennen.

„Grandios“, nannte Schachmann Evenepoels Leistung. Er selbst habe „nicht die besten Beine“ gehabt, „aber es war nicht schlecht. Klar wären wir gern mit besseren Ergebnissen nach Hause gegangen, aber für mich persönlich merke ich, dass es wieder bergauf geht.“ Der Berliner störte sich am Mangel an Verpflegungspunkten. „Sie hätten mehr davon erlauben können, wenn sie im Sommer so ein langes Rennen machen. Das fand ich nicht gut.“
Taktische Herausforderungen für das deutsche Duo
Das deutsche Duo Schachmann und Nils Politt war in Unterzahl und so mit einem taktischen Nachteil ins Rennen gegangen. Starke Nationen wie Dänemark, Frankreich oder Belgien waren mit vier Fahrern vertreten und konnten das Rennen diktieren. "Wir müssen uns den Gegebenheiten anpassen", hatte Schachmann vorab gesagt.
Politt suchte sein Heil in der Offensive. Das Rennen mit nur 90 Startern - 37 davon waren im Juli bei der Tour de France im Einsatz - entwickelte nach dem Angriff des Kölners 60 km vor dem Ziel eine neue Dynamik. Allzu weit kam Politt mit seiner Flucht aber nicht.
Schwierigkeiten am Montmartre-Anstieg
Der 30-Jährige verlor vor der zweiten Auffahrt zum gepflasterten Montmartre-Anstieg, an dem eine gewaltige Stimmung wie sonst nur bei Klassikern oder Tour-Bergankünften herrschte, den Anschluss an die restlichen Ausreißer.
Kurz nach dem Rennen hatte Eurosport-Experte Jens Voigt noch darüber spekuliert, dass Evenepoel womöglich disqualifiziert werden oder eine Zeitstrafe erhalten könnte. Der Grund: Bei seinem Ersatzrad war der Sponsor wohl zu häufig zu sehen.
„Es gibt Vorschriften für die Fahrer. Da darf der Sponsor auf jeder Seite nur in einer bestimmten Größe einmal draufstehen. Bei ihm stand der Sponsor zwei oder dreimal drauf. Das Fahrrad wäre dann nicht regelkonform“, sagte der frühere Profi. Er hoffe es zwar nicht für Evenepoel. Aber das könne zu einer Disqualifikation oder einer Zeitstrafe führen.
Von einer entsprechenden Entscheidung der Regelhüter ist allerdings nichts bekannt.
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mit Sport-Informationsdienst (SID)