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Ein deutsches Wunderkind übertrifft sich selbst

Deutschlands neues Wunderkind

Nach einer langen Durststrecke hat Deutschland mit Finn Sonnekalb einen neuen Hoffnungsträger im Eisschnelllauf. Der 18-Jährige schlägt im Weltcup sofort ein und sichert sich Rekorde. Nun peilt er auch bei Olympia eine Medaille an.
Bei den Youth Olympics hat Finn Sonnekalb schon mächtig abgeräumt. Jetzt will der Eisschnellläufer auch bei den Olympischen Spielen 2026 oben angreifen - weiß aber noch nicht so recht, was ihn erwartet.
Nach einer langen Durststrecke hat Deutschland mit Finn Sonnekalb einen neuen Hoffnungsträger im Eisschnelllauf. Der 18-Jährige schlägt im Weltcup sofort ein und sichert sich Rekorde. Nun peilt er auch bei Olympia eine Medaille an.

Ein Gold-Triple bei Olympia? Einen solchen Erfolg konnten bisher wahrlich nicht viele Athleten verbuchen – auch wenn es im Fall von Eisschnelllauf-Shootingstar Finn Sonnekalb „nur“ um Olympische Jugendspiele geht.

Das große Talent des 18-jährigen Deutschen ist schon länger offensichtlich. Dass er aber nur zwei Jahre nach dem Triple im südkoreanischen Gangwon auch zu den Kandidaten für eine Olympia-Medaille bei den „Großen“ zählt, damit hat wohl nicht mal Sonnekalb selbst gerechnet.

Erfurter wird zum Shootingstar im Eisschnelllauf

Schließlich war noch vor ein paar Monaten nicht einmal ein Start in Italien geplant. Man wollte es behutsam angehen lassen. Sonnekalb sollte vorerst weiter bei Junioren-Weltcups und der Junioren-WM starten.

„Aber da haben wir ganz schnell gemerkt, dass ich dort keine richtige Konkurrenz mehr habe“, berichtet der Eisschnellläufer im exklusiven SPORT1-Interview am Rande der Olympia-Einkleidung im Januar: „Da habe ich dann dieses Jahr mal zu den Erwachsenen hochgeschnüffelt und das lief ganz gut (lacht).“

Das kann man so sagen. Der Deutsche Meistertitel im Oktober 2025 war dabei nur der Anfang. Direkt zu Beginn der Weltcup-Saison sprang Sonnekalb in Salt Lake City über die 1.500 Meter mit Rang 3 erstmals aufs Podest bei den Erwachsenen – und beendete damit über diese Distanz eine 24 Jahre lange deutsche Durststrecke.

Olympia 2026: Sonnekalb äußert Medaillenambitionen

Ganz nebenbei verbesserte er auch noch den deutschen Rekord um über zwei Sekunden und sicherte sich einen neuen Junioren-Weltrekord. Es folgten zwei weitere Podiumsplätze in Calgary (über 1500 Meter) sowie Heerenveen (über 1000 Meter) – und als Belohnung das Olympia-Ticket.

„Olympische Spiele sind für jeden Sportler das Highlight. Das schaffen nicht viele“, sagt Sonnekalb, der im Rahmen der Sommerspiele in Paris 2024 bereits als Fackelträger olympische Luft schnuppern konnte.

Nun darf er in Mailand also selbst an der Startlinie stehen – und wird das trotz seines jungen Alters mit großen Ambitionen tun. Auf die Frage, ob er nach der starken bisherigen Saison eine Medaille bei Olympia anpeilt, hat Sonnekalb eine klare Antwort: „Natürlich. Wäre auch doof, wenn ich da nur für die Teilnahme hinfahren würde. Ich erhoffe mir natürlich eine Platzierung weit oben.

Deutsche Erfolgsflaute nach Pechstein und Friesinger-Postma

Diese Hoffnung werden wohl auch viele deutsche Eisschnelllauf-Fans teilen. In den 1990er- und 2000er-Jahren waren diese noch erfolgsverwöhnt mit Stars wie Gunda Niemann-Stirnemann, Claudia Pechstein und Anni Friesinger-Postma, die zusammen 19 olympische Einzelmedaillen holten. Doch diese Zeiten sind längst vorbei.

„Ich glaube, dass wir damals wahrscheinlich einfach nicht mehr so auf die Junioren geachtet haben, weil es bei uns halt so gut lief“, vermutet Sonnekalb, der zumindest die Medaillen-Flaute bei den Herren nun beenden will. Den letzten deutschen Podiumserfolg bei Olympia gab es bei den Spielen von Salt Lake City im Jahr 2002 durch Jens Bode.

Die Erfolgssehnsucht ist also groß – und damit auch die Erwartungen an Sonnekalb, der sich von außen allerdings „keinen Druck machen“ lassen will. Dennoch fällt es auch ihm nicht immer leicht, vom Eisschnelllauf abzuschalten. Damit er doch hin und wieder den Kopf freikriegt, wird „ab und zu mal ein bisschen gezockt“ oder sich aufs Fahrrad geschwungen.

Dass Letzteres zu seinen Leidenschaften zählt, verwundert mit Blick auf seine Kindheit kaum. „Als ich ein Jahr alt war, sind wir (Sonnekalb und seine Eltern, Anm. d. Red.) mit dem Fahrrad durch Skandinavien gefahren und als ich sechs Jahre alt war, komplett durch Europa - da musste ich auch selbst mitfahren“, erzählt Sonnekalb, den dieses Hobby also schon lange begleitet. 2024 fuhr er sogar zwei Tour-de-France-Etappen ab.

Olympia-Bühne wie gemacht für „Showmensch“ Sonnekalb

Im Winter bleibt für solche Aktivitäten allerdings weniger Zeit. Wenn nicht gerade Wettkämpfe anstehen, habe er „eigentlich jeden Tag zwei Mal Training“.

Seine größte Motivation, in jeder dieser Einheiten ans Limit und darüber hinaus zu gehen, sind aktuell natürlich die anstehenden Olympia-Wettkämpfe. Dort wartet die größtmögliche Bühne. Bedingungen, die für den Deutschen wie gemacht sind - schließlich gibt der Youngster zu, „ein kleiner Showmensch“ zu sein.

Die Generalprobe in Inzell Ende Januar verlief mit den Plätzen neun und elf zwar nicht wie erhofft, Sonnekalb sah diese allerdings auch „eher als Trainings-Wettkampf“, bei Olympia zählt es. Dort ist es nicht utopisch, dass sich Sonnekalb seinen Medaillentraum erfüllen kann.

In der Weltcupwertung seiner Paradedisziplin (1.500 Meter) liegt er aktuell auf Rang vier – und einer seiner großen Konkurrenten über diese Distanz wird bei Olympia auch noch fehlen. Der Niederländer Kjeld Nuis, aktueller Zweiter im Weltcup, verpasste die Qualifikation für das Saisonhighlight.

„Auf vieles verzichtet“ für den großen Traum

Eine Medaille wäre die Belohnung für die jahrelange harte Arbeit, die Sonnekalb trotz seines jungen Alters schon hinter sich hat – und auch ein Ausgleich für den Verzicht, den eine Karriere als Profisportler mit sich bringt.

„Ich habe schon im Alter von fünf Jahren angefangen und habe von Anfang an auf vieles verzichtet. Ich habe auch gar nicht so richtig gelernt, was es heißt, feiern zu gehen“, sagt Sonnekalb.

Gut möglich, dass sich das ändert, sollte er in Mailand tatsächlich eine Medaille holen, denn um eine Feier kommt er dann wohl nicht mehr herum.

Und wenn nicht? „Dann muss man sich zwei Tage in die Eistonne legen und gucken, woran es gelegen hat“, stellt Sonnekalb nüchtern fest.

Und dass das Bad in einer Eistonne später noch zu großen Titeln führen kann, wissen wir in Deutschland ja spätestens seit dem Fußball-WM-Titel 2014.