Von slowenischen Medien ist die Geschichte überliefert, dass Peter Prevc einst nach seinem ersten Weltcup-Sieg nach Hause kam und von seinem Vater direkt zum Holzhacken geschickt wurde. Die Botschaft war klar: Das Zuhause ist kein Wohlfühl-Hotel, auch nicht für Skisprung-Stars.
Olympia 2026: Die hollywoodreife Familiensaga im Hause Prevc
Der Superstar der Olympischen Spiele
Es mag eines der Erfolgsgeheimnisse der so außerordentlichen Dynastie Prevc sein: eine fast schon zum Drill tendierende Disziplin, gepaart mit Mut und Draufgängertum – und natürlich einem schier unglaublichen Fluggefühl.
Bei den am Freitag beginnenden Olympischen Winterspielen in Norditalien schickt sich nun Peter Prevcs jüngerer Bruder Domen an, sich zum Superstar aufzuschwingen. Vier Goldmedaillen scheinen keinesfalls unmöglich für den 23 Jahre alten Dominator – davon eine mit dem Mixed-Team gemeinsam mit seiner drei Jahre jüngeren Schwester Nika, die auch im Einzel zu den Top-Favoritinnen zählt.
Prevc: „Es ist eine sehr spezielle Situation“
„Dass wir gemeinsam starten, ist eine sehr spezielle Situation. Aber wir versuchen das alles von uns fernzuhalten und uns professionell auf unsere Sprünge zu konzentrieren“, sagten beide unisono beim letzten Weltcup vor Olympia in Willingen auf SPORT1-Nachfrage.
Tipps wollte Domen seiner Schwester nicht geben. „Sie ist 20 und kann nach sich selbst schauen“, sagte Domen und fügte noch hinzu: „Sie ist sehr mutig.“
Das gilt zweifelsohne auch für Domen selbst. Zu Beginn seiner Karriere galt er sogar als übermütig, als eine Art Hasardeur, der manchmal zu viel wollte und an seinem eigenen Ehrgeiz scheiterte. Doch seitdem er gelernt hat, all das zu kanalisieren, bestimmt er die Wettkämpfe beinahe nach Belieben.
Im vergangenen Winter holten die Prevc-Geschwister bei der WM jeweils zweimal Gold und einmal Silber. Kurz danach schraubte Nika den Skiflug-Weltrekord der Frauen auf unfassbare 236 Meter. Domens Konter erfolgte wenig später im heimischen Planica: Mit 254,5 Metern stand er den weitesten Sprung der Geschichte auf einer klassischen Skiflug-Schanze.
Das ist Prevcs mögliches Erfolgsgeheimnis
In diesem Winter geht die Prevc-Show trotz einschneidender Regeländerungen bei den Skisprung-Anzügen munter weiter. Domen gewann die Vierschanzentournee souverän, wurde Skiflugweltmeister und glänzte auch bei der Olympia-Generalprobe in Willingen mit Sprüngen wie aus einer anderen Galaxie. Zu stoppen scheint Domen fast nur durch ein Missgeschick wie bei der Skiflug-WM in Oberstdorf, als sich sein Arbeitsgerät verselbständigte und ohne ihn die Schanze herunterschoss.
Ein möglicherweise weiteres Erfolgsgeheimnis von Domen Prevc ist, dass er die Schuhe nicht so eng wie die meisten seiner Konkurrenten bindet. Das verschafft ihm ein wenig mehr Spielraum im Bereich der Ferse. Je nachdem, von wo der Wind weht und wie der Sprung verläuft, kann er die Position seiner Ski in der Luft variabel anpassen. Kopieren lässt sich das nicht so einfach. Wer den Schuh nur locker bindet, verliert schnell Kraft beim Absprung.
Die nächste Prevc-Generation steht schon bereit
Ohnehin scheinen Domen und Nika Prevc auch über gute Skisprung-Gene zu verfügen. Vater Bozidar ist Besitzer eines Möbelgeschäfts. Er war einst Hobby-Springer und fungiert auch als Sprungrichter. Sein Sohn Cene Prevc wurde 2022 Olympia-Zweiter mit dem Team, dessen Bruder Peter wurde Weltmeister, Olympiasieger und gewann die Vierschanzentournee.
„Diese Geschichte hätten selbst Hollywood-Regisseure nur schwer erfinden können“, schrieb Domen Prevc einmal auf Social Media. Das Hollywood-Märchen dürfte bei den Olympischen Spielen in Norditalien eine imposante Fortsetzung finden. Und selbst danach könnte es noch viele Jahre weitergehen: Peter Prevc hat zwei Söhne …