Dieser Afghanistan-Veteran kämpft um Edelmetall

Dieser Afghanistan-Veteran kämpft um Edelmetall

Tim Focken wird als Soldat 2010 beim Einsatz verwundet. Nun startet er als erster in Afghanistan versehrter Veteran für Deutschland bei den Paralympics.
Tim Focken tritt als erster Afghanistan-Veteran für Deutschland bei den Paralympics an
Tim Focken tritt als erster Afghanistan-Veteran für Deutschland bei den Paralympics an
© Imago
. SID
von SID
am 3. Sept

Tim Focken ist tief betroffen.

Ausgerechnet vor der vorläufigen Krönung seiner magischen sportlichen Reise holt den ehemaligen Bundeswehrsoldaten die Vergangenheit ein. „Das hat in mir eine emotionale Achterbahn ausgelöst“, sagte der einstige Fallschirmjäger über die dramatischen Ereignisse in Afghanistan. Er leide „mit den Menschen dort. Leider sind meine Gebete nicht in Erfüllung gegangen. Das tut mir im Herzen weh.“

Denn Focken kennt die Lage dort nur zu gut. Im Gefecht mit den Taliban wurde er angeschossen, sein linker Oberarm ist seitdem gelähmt. Die bösen Erinnerungen kochen nun zur Unzeit hoch, schließlich hat der 37-Jährige einen historischen Moment vor Augen - Focken wird am Samstag als erster Kriegsversehrter für Deutschland bei den Paralympics antreten. (Alles zu den Paralympics)

„Viele sehen in mir eine Art Aushängeschild. Dabei fühle ich mich als einer von ganz vielen. Ich bin genauso ein kleines Licht wie jeder andere auch“, sagte der gebürtige Niedersachse im SID-Interview ganz bescheiden: „Dann bin ich halt der erste einsatzversehrte Soldat, okay. Freut mich, bin ich geehrt. Aber ich bin auch froh, wenn da der Haken dran ist.“

Im Sportschießen fand Focken nach dem Schicksalsschlag seine neue Erfüllung, in Tokio geht er mit dem Kleinkaliber über 50 m an den Start - und hat große Pläne. „Das Ziel jedes Sportlers muss eine Finalteilnahme sein. Dabei sein ist alles, dieses Gefühl ist schon lange weit weg“, sagte der gebürtige Oldenburger: „Ich kann in der Weltspitze mitmischen.“ Und das nach nicht einmal zehn Jahren im Leistungssport.

Tim Focken: „Ich lebe noch, alles gut“

Denn bis zum 17. Oktober 2010 kämpfte er für Deutschland an der Front in Afghanistan, blickte stets dem Tod ins Auge.

Ein hinterhältiger Angriff eines Scharfschützen der Taliban veränderte auf einen Schlag sein Leben. „Im Endeffekt hatte ich Glück im Unglück. Ich lebe noch, alles gut“, sagt Focken rückblickend: „Andere haben ihr Leben gelassen. Ich kann bis auf einige Abstriche fast alles tun, was ich vorher gemacht habe.“

Der Sport half ihm aus einem ersten mentalen Loch, im Höchsttempo stürmte der Vater von zwei Kindern in die Weltspitze.

Bei der WM 2019 schaffte es Focken bereits auf Platz vier. „Aufregend, turbulent und hoffnungsvoll“, nennt er seinen Weg nach Tokio. Und bestenfalls endet der nun sogar mit einer Medaille.

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