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Dirk Nowitzki: Warum er im NBA-Meisterjahr 2011 als "Idiot" kritisiert wurde

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Dirk Nowitzki: Warum er im NBA-Meisterjahr 2011 als "Idiot" kritisiert wurde

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Wieso Nowitzki „Idiot“ genannt wurde

NBA-Legende Dirk Nowitzki machte sich heute vor zwölf Jahren als NBA-Meister mit den Dallas Mavericks unsterblich. Eine besonders denkwürdige Performance war auch von Kritik begleitet.
In seiner 21. Saison als NBA-Profi hat Dirk Nowitzki 2019 sein Karriereende bekannt gegeben. Der Rückblick auf die Laufbahn eines Giganten.
von Markus Bosch, Martin Hoffmann
NBA-Legende Dirk Nowitzki machte sich heute vor zwölf Jahren als NBA-Meister mit den Dallas Mavericks unsterblich. Eine besonders denkwürdige Performance war auch von Kritik begleitet.

Als sein größter Triumph feststand, rannte Dirk Nowitzki mit den Händen vor dem Gesicht vom Feld.

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Soeben war die Schlusssirene in Spiel sechs am 12. Juni 2011 in den NBA-Finals zwischen den Miami Heat und Nowitzkis Dallas Mavericks ertönt. Dallas mit Superstar Nowitzki hatte den ersten Titel überhaupt gewonnen.

Überwältigt von seinen Emotionen sprang der Würzburger über eine Werbebande und rannte in die Kabine. Seine Hände verbargen sein Gesicht, wo die Freudentränen kullerten.

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“Ich habe erst einmal eine Minute für mich selbst gebraucht, war ein bisschen emotional, habe ein bisschen geheult. Ich wollte kurz für mich allein sein, war in der Umkleide in der Dusche und habe mich dann wieder gefangen“, erklärte Nowitzki diesen Moment wenig später.

Als erster Deutscher hatte der Würzburger einen NBA-Titel geholt und mit seinen starken Leistungen, die ihm als zweiten Europäer nach Tony Parker (2007) den Titel des Finals-MVP einbrachten, größtmöglichen Anteil daran.

Sein Weg dorthin war turbulent und gesäumt von denkwürdigen Performances - von denen eine nicht ganz unumstritten war und ihm sogar eine ärztliche Beschimpfung als „Idiot“ einbrachte.

Nowitzki ist erster Deutscher mit NBA-Titel

Der verpasste Titel 2006 gegen die Heat trotz einer 2:0-Führung in den Finals, das Erstunden-Aus als topgesetztes Team gegen die Golden State Warriors 2007, die vielen vergeblichen Titel-Anläufe insgesamt, die Zweifel an seinen Fähigkeiten. All dies hatte Nowitzki im Mai und Juni 2011 auf eindrucksvollste Art und Weise beiseite gewischt und sich selbst endgültig ein Denkmal in der NBA gesetzt.

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Der Moment, als Dirk Nowitzki (M.) realisierte, dass er mit den Dallas Mavericks den Titel 2011 gewonnen hat
Der Moment, als Dirk Nowitzki (M.) realisierte, dass er mit den Dallas Mavericks den Titel 2011 gewonnen hat

Der Forward gab sich aber bezüglich seines Anteils am Titel bescheiden: "Die Meisterschaft 2010/2011 gehört für immer den Dallas Mavericks, die kann uns nie mehr einer nehmen. Ich bin einfach so stolz auf die Mannschaft." Doch bis zu diesem Moment mussten Nowitzki und Dallas einige Hürden überwinden.

Dallas nicht Favorit in den Playoffs

Nachdem Dallas in den Playoffs 2010 bereits in der ersten Runde scheiterte und Nowitzki die Marke von 30 Jahren bereits überschritten hatte, nahmen die Mavericks vor der Saison 2010/2011 einige Veränderungen vor. So wurde der überbezahlte Center Erick Dampier weggeschickt und Nowitzki verzichtete erneut auf Gehalt.

Dadurch konnte Tyson Chandler verpflichtet werden, der dem Deutschen in der Defensive den Rücken freihalten sollte. Zusätzlich kamen mit Peja Stojakovic und Caron Butler wichtige Rollenspieler zu den Texanern. Letzterer fiel allerdings in den Playoffs verletzt aus. Mit Jason Kidd - dem heutigen Coach der Mavs - und Jason Terry waren aber zwei Säulen der vergangenen Jahre neben dem Deutschen weiter an Bord.

Nach der regulären Saison rangierte Dallas auf Rang drei hinter den San Antonio Spurs und den Los Angeles Lakers. Nowitzki war dabei offensiv der beste Spieler, auch wenn sich seine Statistiken im Vergleich zum Vorjahr leicht verschlechterten.

Die Experten sahen das Mavs-Team nicht als Favorit für die Playoffs. Bereits die erste Runde gegen die Portland Trail Blazers schien die Zweifler in ihrer Meinung zu bestätigen. Nach einer 2:0-Führung der Mavs konnten die Blazers wieder ausgleichen und schienen das Momentum der Serie dadurch auf ihrer Seite zu haben.

Doch Nowitzki stemmte sich gegen das erneute Erstrunden-Aus und führte Dallas zweimal als Topscorer (25 und 33 Punkte) in die zweite Runde.

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Sweep gegen Lakers

Dort warteten die hochgehandelten Lakers mit Superstar Kobe Bryant. Eine enge Serie wurde prognostiziert und so war der knappe 96:94-Auftaktsieg bei den Lakers für Dallas Gold wert. Aber die Texaner erwischten einen regelrechten Lauf und holten sich auch in Spiel zwei und drei jeweils den Sieg mit Nowitzki als Topscorer.

Im vierten Spiel winkte also der Sweep für das Team von Mavs-Coach Rick Carlisle. Es folgte einer der denkwürdigsten Auftritte in Dallas‘ Playoff-Historie. Mit 122:86 wurden die Lakers um Bryant regelrecht aus der Halle geschossen und der Durchmarsch ins Finale der Western Conference war perfekt.

Es kam zum Schlagabtausch mit den Oklahoma City Thunder um das damals noch unerfahrene Trio um Russell Westbrook, James Harden und Kevin Durant. Spätestens in dieser Serie untermauerte Nowitzki seine Ansprüche auf den Titel. Gleich im ersten Duell gelangen ihm 48 Punkte, in Spiel vier legte der Würzburger noch einmal 40 Punkte nach.

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Nach fünf umkämpften Spielen erreichte Dallas tatsächlich zum zweiten Mal nach 2006 das Finale. Der Deutsche (32,2 Punkte und 5,8 Rebounds im Schnitt), spielte dabei die wohl beste Playoff-Serie seiner Karriere.

Wie bereits fünf Jahre zuvor ging es dort gegen die Miami Heat um den Titel. Im Vergleich zu 2006 hatte sich die Franchise aus Florida mit LeBron James und Chris Bosh prominent verstärkt. Daher gingen die Heat als Favorit in die Finals.

Nowitzki verletzt sich bei Finals-Auftakt

Der Start in die Serie schien dies zu bestätigen. Das erste Duell in Miami verlor Dallas mit 84:92. Zu allem Überfluss zog sich Nowitzki einen Sehnenriss im linken Mittelfinger zu.

Doch in Spiel zwei schlug Dallas zurück, dabei gelang dem Deutschen, der mit einer Schiene am Mittelfinger auflief, der Siegkorb 3,6 Sekunden vor Schluss zum 95:93. Spiel drei fand im American Airlines Center von Dallas statt, wo sich die Gastgeber nach einer furiosen Aufholjagd mit 86:88 geschlagen geben mussten.

Vor dem vierten Aufeinandertreffen musste Dallas plötzlich um Nowitzki zittern, der Power Forward plagte sich mit 39 Grad Fieber und einer Erkältung herum. Doch Nowitzki meldete sich fit für das Spiel, war dabei aber sichtlich angeschlagen. Trotzdem behielt er in der Schlussminute die Nerven und erzielte den vorentscheidenden Korb zum 86:83-Sieg und dem damit verbundenen 2:2-Ausgleich in der Serie.

Nowitzki knüpfte damit an den Mythos von Michael Jordans „Flu Game“ 14 Jahre zuvor an - nicht zur Begeisterung aller: „Dirk Nowitzki ist kein Held, sondern ein Idiot“, schrieb der Journalist und Mediziner Werner Bartens in einem Artikel für die Süddeutsche Zeitung, der damals trotz der Relativierung „aus medizinischer Sicht“ in Deutschland einige Wellen schlug.

Er verwies auf die potenziell lebensgefährlichen Folgen sportlicher Betätigung mit Fieber (keine Übertreibung, bedenkt man etwa den Herztod von Eiskunstläufer Heiko Fischer 1989). Nowitzki wischte die Kritik nach den Finals trotzdem amüsiert als weltfremd beiseite.

Heat-Superstars witzeln über Nowitzki-Erkrankung

Auch in Übersee wurde Nowitzkis Infekt zum Thema - wenn auch auf völlig andere Weise: Die beiden Heat-Superstars Wade und James nahmen Nowitzkis Krankheit zum Anlass, um den Deutschen vor Spiel fünf damit aufzuziehen. Sie liefen, von den Kameras gefilmt, durch die Katakomben des Americans Airlines Centers und hüstelten dabei künstlich. „Oh, ist das Husten?“, sagte Wade. „Ich glaub‘, ich bin krank.“

Nowitzki lieferte die Antwort auf diese Aktion auf dem Parkett. Mit 29 Punkten war er der Topscorer in Spiel fünf, das Dallas mit 112:103 für sich entschied und damit erstmals in den Finals in Führung ging.

Nowitzki besiegelt höchstpersönlich den Titelgewinn der Mavericks

Spiel sechs stieg wieder in Miami und Dallas hatte die Chance, mit einem Sieg den Titelgewinn vorzeitig perfekt zu machen. Aber ausgerechnet im entscheidenden Spiel schwächelte Nowitzki erstmals in den Playoffs. Zur Halbzeit standen lediglich drei Punkte für ihn zu Buche. Stattdessen lieferte aber Jason Terry, zweitbester Scorer hinter dem Deutschen in den Playoffs, ab. Im zweiten Abschnitt war Nowitzki aber wieder zur Stelle und erzielte 18 Punkte.

Dirk Nowitzki stemmt die Trophäe für den NBA-Titel in die Höhe
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Dallas führte vor dem Schlussviertel bereits mit neun Punkten und Nowitzki höchstselbst besiegelte mit einem Sprungwurf den Titelgewinn der Mavericks.

"Vielleicht wären wir nie mehr an diese Stelle gekommen, wenn wir 2006 nicht diese Enttäuschung mitgemacht hätten. Vielleicht wären Terry und ich dann nie so als Mannschaft zusammengeschweißt worden", erklärte der Big Man damals den Schlüssel zum Titelgewinn.

Der Lohn für den großen Coup, unter anderem: ein Helden-Empfang sowohl bei Barack Obama im Weißen Haus als auch im heimischen Würzburg, das Silberne Lorbeerblatt vom Bundespräsidenten, die Ehrung zu Deutschlands Sportler des Jahres.

Im April 2019 beendete Nowitzki im Alter von 40 Jahren seine Laufbahn, in deren Verlauf er zahlreiche Meilensteine und Rekorde aufstellte.

Doch der 12. Juni 2011 wird für immer alles überstrahlen.