Wie Magic Johnsons HIV-Infektion die Welt schockte

Wie Magic Johnsons HIV-Infektion die Welt schockte

Am 7. November 1991 machte NBA-Ikone Earvin "Magic" Johnson seine HIV-Infektion öffentlich. Seine Offenbarung hatte Folgen weit über den Sport hinaus.
Magic Johnson sorgte mit seiner Rücktritts-Ankündigung auf der Pressekonferenz für Aufsehen
Magic Johnson sorgte mit seiner Rücktritts-Ankündigung auf der Pressekonferenz für Aufsehen
© Getty Images
. SPORT1
von SPORT1
am 19. Juni

Earvin Johnson ist ein höflicher Mann.

Sekunden, bevor er an diesem 7. November 1991 die Welt erschüttert, richtet "Magic" sich zu seinen vollen 2,06 Metern auf, er lächelt, nickt in die Runde und wünscht allen einen "schönen Nachmittag". Dann sagt der Basketball-Superstar: "Ich bin mit HIV infiziert und beende deswegen heute meine Karriere."

Die Nachricht ist ein Schock. AIDS sei bei ihm nicht ausgebrochen, versichert Magic Johnson, seiner schwangeren Ehefrau Cookie gehe es gut: "Sie ist negativ, das ist also kein Problem."

Er lächelt wieder, als er den Journalisten sagt: "Ich plane, noch lange zu leben und euch zu ärgern." Dass er Recht behalten sollte, konnte zu diesem Zeitpunkt nicht jeder glauben - mit Blick auf die vielen Tragödien, die das epidemisch verbreitete Virus in diesen Jahren verursacht hatte. Auch im Sport hatte sie prominente Todesopfer wie Arthur Ashe und Michael Westphal gefordert.

Die Infektion des NBA-Idols änderte bei vielen die Wahrnehmung der lange tabuisierten Krankheit. Und auch sonst vieles.

Magic Johnson änderte die Wahrnehmung von HIV und AIDS

Johnson, damals 32 Jahre alt, war auf dem Höhepunkt seines Ruhms: 1979 als erster Draft Pick von den Los Angeles Lakers gewählt, an der Seite der Legende Kareem-Abdul Jabbar zum Superstar gereift, fünfmal NBA-Meister, dreimal MVP, Hauptdarsteller der vielleicht größten Rivalität der Basketball-Historie mit Larry Bird von den Boston Celtics.

Infolge eines Medizinchecks vor der Saison 1991/92 wurde dann die Infektion entdeckt. Dass er sie öffentlich machte, war ein Ereignis von großer Tragweite, weit über die Sportwelt hinaus: Johnsons Erkrankung machte vielen klar, dass das lange Zeit als "Schwulenkrankheit" diffamierte und unterschätzte Virussyndrom jeden treffen konnte.

Johnson nahm die Botschafterrolle an, die ihm unfreiwillig zufiel - und musste dafür neben viel Zuspruch auch viel Unschönes in Kauf nehmen: Vorwürfe, dass er selbst schuld an der Infektion sei (von der er später zugab, dass sein ausschweifendes Liebesleben die Ursache war). Gerüchte, dass er homosexuell sei und es leugne. Kritik, dass er mit dem dringenden Rat zu "Safer Sex" unkeusches Verhalten befördern würde.

Letztlich jedoch vergrößerte Johnsons Umgang mit der Infektion (bis heute nimmt er täglich Medikamente, um den Ausbruch von AIDS zu verhindern) und sein Engagement zur Bekämpfung des Virus die Verehrung für "Magic" noch vergrößerte - zumal sich auch noch herausstellen sollte, dass seine Karriere doch noch nicht vorbei war.

1992: Comeback und Gold mit dem Dream Team

Die Fans wählten Magic ins All-Star Game 1992 - und er entschloss sich zu spielen, gegen die Bedenken einiger Spieler, dass er sie damit einem Ansteckungsrisiko aussetzen könnte, wenn er sich eine offene Wunde zuziehen würde.

Eine inspirierende Vorstellung (mit abschließendem Drei-Punkte-Wurf mit der Schlusssirene) wurde dennoch zu einem der bewegendsten Momente des Sportjahrs - es folgte Johnsons Nominierung für das legendäre Dream Team, mit dem er an der Seite von Michael Jordan Olympiagold in Barcelona holte und einen weltweiten NBA-Hype auslöste.

Das Dream Team von 1992
Chris Mullin, Michael Jordan und Patrick Ewing (v.l.) gewannen 1992 Olympia-Gold mit dem Dream Team
Christian Laettner
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Was das Dream Team von 1992 heute macht

Johnson selbst kehrte erst 1995 noch einmal in die NBA zurück, wo die offenen und verdeckten Widerstände von Spielerkollegen größer waren. An vergangene Erfolge konnte er nicht mehr anknüpfen und trat 1996 endgültig zurück.

Magic vergrößerte Vermögen als Geschäftsmann

Johnsons Vermächtnis als Basketballer schmälerte der Misserfolg nicht: 2002 wurde er in die Hall of Fame aufgenommen, die Laudatio hielt der vom Rivalen zum Freund gewordene Bird.

Das Leben nach dem Basketball meisterte Johnson als erfolgreicher Geschäftsmann, mit seinen "Magic Johnson Enterprises" mischt er in diversen Entertainment-Sparten mit, war auch mit der Kaffee-Kette Starbucks verbandelt. Als Teameigner führte er auch die L.A. Dodgers in der MLB und das Frauenbasketball-Team L.A. Sparks zu Meistertiteln. Weniger erfolgreich war ein Engagement als Boss der Lakers, das er 2019 abblies.

Magic Johnson
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Eine Legende wird 60! Earvin "Magic" Johnson gilt als einer der besten Basketballer aller Zeiten. Als Spieler hat er alles gewonnen, was man nur gewinnen kann
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Die Karriere von NBA-Legende Earvin "Magic" Johnson

Johnsons Vermögen soll nach seiner Karriere durch seine Business-Aktivitäten um über 100 Millionen Dollar angewachsen sein. Auch als politische Stimme ist der mit den Demokraten verbundene und Ex-Präsident Barack Obama befreundete Johnson immer wieder präsent.

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Mit Sportinformationsdienst (SID)