Erst das Comeback nach über einem Jahr Verletzungspause und jetzt direkt die Rückkehr in die Heimat Berlin mit einem echten Highlight: erstes NBA-Regular-Season-Game auf deutschem Boden! Viel emotionaler könnte es für Moritz Wagner kaum sein.
NBA: Endlich zurück - und geadelt von Nowitzki
Endlich zurück im Scheinwerferlicht
Am Donnerstag (20 Uhr Livescores) trifft Wagner in seinem Wohnzimmer in Berlin mit seinen Orlando Magic auf die Memphis Grizzlies. Es ist die Krönung eines unglaublichen Kampfes zurück ins NBA-Rampenlicht nach seiner schweren Kreuzbandverletzung.
„Ich habe so viele Emotionen, die in mir drin sind, die kommen wahrscheinlich eh erst nach der Karriere raus. Da ist jetzt das Wiederkommen nach der Kreuzbandverletzung nicht das einzige“, sagte Wagner in einer Medienrunde auf die SPORT1-Frage nach seiner aktuellen Gefühlslage, ehe er in seiner typischen, direkten Art und Weise lachend flachste: „Deswegen freue ich mich schon da auf mein Karriereende.“
Richtig Zeit zum Reflektieren habe er speziell während der aktuell so stressigen Woche in Berlin nicht: „Es ist ein bisschen schade, weil man sich gar nicht so richtig auf die Emotionen einlassen kann. Wahrscheinlich ist es aber auch ganz gut.“
NBA: Wagner kämpfte sich eindrucksvoll zurück
Trotz großem Stress ist dem 28-Jährigen anzumerken, dass die Erleichterung groß ist, endlich wieder auf dem Feld zu stehen. Schon auf einer PK am Dienstag hatte er sich sehr emotional gezeigt.
„Mit dem Sport konnte ich immer alles kompensieren. Durch den Sport habe ich immer auf emotionaler Ebene positives Feedback bekommen in der Halle. Und das ist dann weggebrochen. Das war sehr, sehr schwer für mich. Da musst du dir im Leben dann eine andere Stabilität suchen. Das geht dann auch mit einem gewissen emotionalen Schmerz. Das musste ich durchleben und natürlich siehst du die Welt dann anders“, gab Wagner zu.
Der Weltmeister hatte sich im Dezember 2024 einen Riss des vorderen Kreuzbandes im linken Knie zugezogen und gab erst am vergangenen Wochenende sein Comeback. Wegen seiner Verletzung verpasste er so auch die Europameisterschaft im Sommer und damit einen weiteren Titel mit der Nationalmannschaft.
Und auch auf persönlicher Ebene tat der Ausfall extrem weh. Wagner hatte zum Start der Saison 2024/25 seinen besten Basketball in der NBA gespielt. In 30 Spielen hatte er 12,9 Punkte und 4,9 Rebounds aufgelegt. Er galt als einer der Favoriten auf den Sixth Man of the Year Award (den besten Bankspieler der NBA), verpasste die individuelle Auszeichnung aber auch wegen seiner Verletzung.
Mitspieler schwärmt: „X-Faktor, damit wir in den Playoffs weit kommen“
Doch jetzt ist Wagner zurück. Auch zur Freude seiner Teamkollegen. Als SPORT1 den Magic-Center Goga Bitadze auf Wagner ansprach, geriet dieser so richtig ins Schwärmen: „Er wäre letztes Jahr ohne Verletzung ganz sicher Sixth Man of the Year geworden. Da gab es eigentlich gar keine Debatte. Wir haben alle gesehen, wie hart er sich jetzt zurückgekämpft hat. Er verdient alles und ich bin mir sicher, dass er der X-Faktor wird, damit wir in den Playoffs weit kommen können.“
Der Georgier erklärte, was Wagner auszeichnet: „Er bringt so viel Energie. Bei seinem Comeback hat er eigentlich nichts Verrücktes gemacht und trotzdem sind die Fans komplett ausgerastet. Er hat die Fans so unglaublich angestachelt. Genau diese Spieler, die solche Plays machen und mit unglaublicher Leidenschaft spielen, braucht jedes Team. Diesen extra Schub an Energie haben wir wirklich sehr nötig.“
Und auch Wagners Landsmann Tristan da Silva machte auf SPORT1-Nachfrage deutlich, wie wichtig Wagner für das Team sei: „Es ist mega, dass er wieder da ist. Auch als er noch verletzt war, war er eine Stimme für uns in der Kabine. Er ist immer jemand, der guten Input geliefert hat von der Bank, in den Auszeiten oder in der Halbzeit.“
Der Europameister betonte: „Ihn wieder auf dem Feld zu haben, bringt uns noch viel mehr Energie, weil er immer vorangeht. Er ist auch mal laut und macht einfach immer sein Ding. Genauso, wie er es auch schon vorher gemacht hat. Ich freue mich sehr für ihn.“
Nowitzki adelt Wagner: „Bin ein großer Fan von Moritz“
Wie wichtig Wagner für ein Team sein kann bestätigte auch Basketball-Ikone und Prime Video Experte Dirk Nowitzki im Gespräch mit SPORT1: „Moritz ist für mich der perfekte Rollenspieler für jede Mannschaft. Ob er eine Minute spielt oder 20 Minuten spielt. Der ist immer fired up und hat sein Handtuch in der Hand und will sofort alle unterstützen. Er ist das Herz und die Seele der Mannschaft. Sowas braucht jede Mannschaft.“
„Die Mannschaft braucht seine positive Energie und ich freue mich für ihn, dass er wieder gesund ist und sich gut fühlt. Und ich hoffe, dass er gesund bleibt für den Rest der Saison“, sagte Nowitzki weiter.
Für die NBA-Legende ist es spannend, dass Moritz Wagner im Vergleich zu seinem deutlich ruhigeren Bruder Franz so laut sei: „Moritz hat eine spezielle Aura. Er erzählt viel, auch mal ein bisschen Schmarrn, und ist viel emotionaler außerhalb des Spielfelds, aber auch auf dem Spielfeld.“
„Er ist einfach eine Kampfsau, die jede Mannschaft braucht. Er schmeißt sich überall rein und spielt tough, geht dabei auch mal unter die Haut des Gegners. So einen braucht man und liebt man als Mitspieler. So einen brauchst du aber als Gegenspieler nicht unbedingt“, sagte Nowitzki und gab dann bei SPORT1 zu: „Von dem her bin ich ein großer Fan von Moritz.“
Wagner? „Wird den Fans bestimmt einheizen“
Und genau diese Energie lebt Wagner in Berlin auch im Training vor. Bei den Wurfspielen dirigierte er und steckte seine Teamkollegen mit seiner lauten Begeisterung an. Und auch für den Teamkreis der Magic hatte sich der 29-Jährige etwas Besonders einfallen lassen. So ruft das gesamte Team passend zum Spiel in Deutschland: „One, two, three, zusammen!“
Für diese Begeisterung wird Wagner auch beim Spiel am Donnerstag sorgen, da ist sich sein Teamkollege Bitadze ganz sicher. „Er wird den Fans bestimmt einheizen. So viel Liebe, wie er bekommen wird, da werde ich fast schon ein bisschen neidisch!“, sagte der Georgier lachend: „Ich bin mir sicher, dass er die Fans mit ins Spiel holt und wir auch deshalb gewinnen werden.“
Und Wagner selbst? Der wollte die Erwartungen nicht zu sehr an sich heranlassen und ganz bei sich bleiben. Er versuche aktuell „den Abend ganz entspannt mit den Familien und Freunden ausklingen zu lassen“, morgens den Tag mit seinen Liebsten zu beginnen und anschließend ganz normal „zur Arbeit zu gehen“, meinte er am Tag vor dem Berlin-Spiel.
„Hoffentlich ist morgen nicht zu viel Trubel“, sagte Wagner auf SPORT1-Nachfrage: „Wir sind hier zum Basketballspielen, deswegen loggen wir uns alle heute Abend aus, und morgen geht es dann ganz entspannt weiter.“
Wie entspannt das Heimspiel für Moritz Wagner und seine Orlando Magic wirklich wird, muss sich erst noch zeigen. Der 29-Jährige wird so oder so froh sein, nach seiner langen Leidenszeit wieder auf der großen NBA-Bühne zurück zu sein.